App-Stories # 4: Die Welt des Comics aus erster Hand

Ein Interview mit den Kuratoren von „Wien 1900 meets Comic

Alle drei Monate erscheinen auf der MAK-App Comics internationaler ZeichnerInnen. Ausgangspunkt für den jeweiligen Comic bilden dabei Objekte aus der Schausammlung Wien 1900. Design / Kunstgewerbe 1890–1938: Es sind jene Objekte, die mit der MAK-App am häufigsten von den BesucherInnen fotografiert und auf der „Pinnwand“ (Thema der nächsten „App-Story“!) hinterlassen werden. BesucherInnen können ihre Fotos mit einem Verb beschlagworten, um es in einen Kontext zu stellen – eines der Verben  wird von den ZeichnerInnen ausgewählt und in die Story verwoben. Im Vordergrund des Features „Wien 1900 meets Comic“ steht eine assoziativ-verspielte Sicht der Dinge, die im seit einigen Jahren erneut sehr populären Medium Comic vermittelt werden soll.

Aldo Giannotti und Michele Bertilorenzi, die Kuratoren des Projekts, sind uns im Interview Rede und Antwort gestanden.

© Alice Yahyaie

© Alice Yahyaie

Seit wann interessiert ihr euch schon für Comics?

Michele Bertilorenzi: Seit ich ein Kind bin.
Aldo Giannotti:
Ich lese Comics, seit ich mich überhaupt erinnern kann lesen zu können. Seit ich 11 bin, ist daraus eine richtige Leidenschaft geworden – zusammen mit Michele habe ich angefangen Comics zu sammeln, auf Comic-Messen zu gehen und selbst Comics zu zeichnen.

Was macht ihr Beiden beruflich?

MB: Ich arbeite seit ca. 10 Jahren als professioneller Comiczeichner.
AG:
Ich bin bildender Künstler. Comics haben aber in ihrer speziellen Art des Storytelling einen großen Einfluss darauf wie ich arbeite, wie ich meine Kunst anlege.

Wie funktioniert die Comic-Industrie?

AG: Ich denke nicht viel anders als die Verlagsindustrie, der Buchmarkt. Aber Michele kann diese Frage besser beantworten als ich.
MB:
Die Comic-Industrie ist eine sehr leistungsorientierte Welt, manchmal sogar ziemlich rücksichtslos. Auch ich weiß nicht exakt, wie sie funktioniert, aber ich kann beschreiben, wie ich meine ersten Schritte in der Comic-Industrie gemacht habe.

Ich habe eine internationalen Comic-Schule in Florenz absolviert, gleichzeitig aber auch Privatstunden bei einem bekannten italienischen Comic-Zeichner genommen, Simone Bianchi, mit dem ich mittlerweile auch befreundet bin. In der Comic-Welt ist eine Schule eigentlich nur dafür da um Techniken zu lernen, aber niemand wird dich je fragen, ob du tatsächlich einen Abschluss hast. Der Weg zum professionellen Comic-Zeichner ist lang: Du musst deine Arbeiten ständig an Verlage schicken, besser ist es aber, du triffst die Verleger persönlich. Häufig werden sie aber „nein“ sagen.

Ich möchte niemanden davon abschrecken, diesen Weg zu gehen, aber es ist ein schwieriger Job. Es geht nicht nur darum wie gut du zeichnest, sondern auch, ob du Deadlines einhalten kannst. Das bedeutet, dass man ziemlich viele Stunden pro Tag arbeitet. Wenn du ein Projekt startest, zum Beispiel einige Folgen einer Serie, dann musst du deine Qualität über Monate hinweg konstant halten – manchmal, wenn die Deadlines knapp sind, ohne einen einzigen freien Tag zu haben.

Leidenschaft ist dabei essentiell und große Verlage zahlen gut. Deine Arbeit später in den Regalen von Comic-Shops zu sehen, hilft enorm. Meiner Meinung nach befriedigt es am meisten, wenn man seine eigenen Stories entwickeln und erzählen kann, aber das ist nicht immer möglich. Normalerweise arbeite ich für den italienischen oder den amerikanischen Markt: Dort sind der Zeichner und der, der die Story entwickelt, zwei unterschiedliche Personen, die im Team an einem Projekt arbeiten.

© Alice Yahyaie

© Alice Yahyaie

Was hat euch am Projekt „Wien 1900 meets Comic“ interessiert?

MB: Ich denke, Comics sind ein starkes Medium. Comics werden manchmal unterbewertet, aber sie spielen in der gleichen Liga wie Literatur oder Film. Dieses Projekt hilft, die Comic-Kultur in einer so wichtigen Kulturmetropole wie Wien zu verbreiten – das ist fantastisch!
AD:
Das Projekt gibt uns die Möglichkeit, die Szene in Österreich besser zu durchleuchten. Darüber hinaus haben Comic-ZeichnerInnen hier die Möglichkeit, nicht nur Zeichnungen zu liefern, wie das sonst häufig der Fall ist, sondern auch eine Story zu entwickeln. Speziell für junge Comic-ZeichnerInnen kann das sehr spannend sein. Und, hinzu kommt, dass Michele und ich schon so lange kennen und die gemeinsame Leidenschaft an Comics teilen, weshalb es toll ist, gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten.

Wer liest eigentlich Comics?

AG: In Italien kauft bzw. liest eine/r von 10 regelmäßig Comics. Es sind dabei keine bestimmten Leute, sondern vor allem Menschen, die in den 1970er Jahren aufgewachsen sind und stark von Trickfilmen beeinflusst wurden, vor allem von japanischen. Auch Bonelli, der größte italienische Comic-Verleger, hat durch den Seriencharakter der von ihm verlegten Comics stark dazu beigetragen, Comics sehr populär zu machen.
MB:
In Italien gibt es eines der weltweit größten Comic-Festivals, „Lucca Comics and Games“. In Amerika, Frankreich und Japan liest auch jeder Comics. Merkwürdigerweise werden Comics in manchen Teilen der Welt nicht als Literatur betrachtet, sondern nur als Unterhaltungsmedium für Kinder.

Liest man in Österreich Comics?

MB: Ich lebe erst seit einem Jahr hier… Ich habe aber bereits einige große, gut sortierte Comic-Läden gesehen. Mir scheint aber, dass es in Österreich nicht viele professionelle Comic-Zeichner gibt.
AG:
Nicht so viel wie in anderen Ländern. Ausländische Comics finden nur langsam Fans in Österreich, obwohl es im Vergleich zu früher viel einfacher ist, spezielle Comics zu finden. Aber es wird noch eine Weile dauern, bis dieses Medium stärkere Verbreitung findet.

Welche sind momentan die am stärksten verbreiteten Comic-Stile?

MB: Manga und Superhero sind momentan die Stile, die den Mainstream bilden.
AG:
Die Globalisierung beeinflusst freilich auch Comic-Stile. Ich habe zum Beispiel gehört, dass es in Japan momentan sehr populär ist, einen „französischen Stil“ zu haben, mit dessen spezieller Seitenkomposition und Erzählstruktur. Auf der anderen Seite versuchen wir Europäer seit Jahrzehnten den japanischen Manga zu kopieren.

Wer sind die vielversprechendsten jungen Comic-ZeichnerInnen?

AG: Michele Bertilorenzi

 

Aldo Giannotti: www.aldogiannotti.com
Michele Bertilorenzi: michelebertilorenzi.blogspot.co.at

 

Das Interview führte Beate Lex, Leitung Neue Lernkonzepte

 

 

 

 

 

App-Stories #3: „Wien um 1900“ und Comics?

Vor kurzem hat die MAK-App das Licht der Welt erblickt. Und holt „Wien um 1900“ ins Wohnzimmer – mit authentischen Einblicken durch Originalfotos und Videos, anregender Vielstimmigkeit durch Audio-Beiträge von MAK-ExpertInnen, Schnappschüssen von BesucherInnen und Comics internationaler ZeichnerInnen! Ja, genau, Comics.

Was hat es damit auf sich?

© MAK

Zwei Männer, scheinbar Mitarbeiter des MAK, betreten klammheimlich die MAK-Schausammlung Wien 1900. Die Männer haben es eilig, streiten miteinander und – beginnen sich auszuziehen. Sie lassen – im wahrsten Sinne des Wortes – ihre Masken fallen, sind plötzlich keine MAK-Mitarbeiter mehr, sondern stehen als Aliens im Ausstellungsraum. Der Streit geht weiter, die Beiden diskutieren wild und nähern sich Josef Franks Toilettetisch aus den 1920er Jahren…

Diese Sätze beschreiben den Beginn des Comics „Die Geheimformel“ – der erste Comic, der im Feature „Wien 1900 meets Comic“ auf der MAK-App erschienen ist. Alle drei Monate kommt ein neuer Comic hinzu, und BesucherInnen der Schausammlung Wien 1900. Design / Kunstgewerbe 1890–1938 haben dabei ein Wörtchen mitzureden. Denn: Auf der „Pinnwand“ der MAK-App sind BesucherInnen aufgerufen ein Objekt der Schausammlung zu fotografieren und zusammen mit einem Verb, das eine Assoziation dazu bildet, zu hinterlassen. Die jeweils am häufigsten fotografierten Objekte werden anschließend Darsteller in Comics und die Verben finden Eingang in die Story.

© MAK

 

Das erste Objekt, das Darsteller in einem Comic wurde, ist ein Toilettetisch (heute würde man ein solches Möbel vielleicht „Stylingstation“ nennen) von Josef Frank, der um 1925 entstanden ist. Zum Sieger gekürt wurde er von MitarbeiterInnen des MAK, die mit Handy oder Digitalkamera bewaffnet die Schausammlung Wien 1900 besuchten und Objekte fotografierten. Mehr als 30 meiner KollegInnen beteiligten sich daran, und mit vier Fotos war Josef Franks Möbel das beliebteste Objekt.

Michele Bertilorenzi erfand die Story und zeichnete den Comic. Er ist ein italienischer Comic-Zeichner, der in Wien lebt, und für bekannte amerikanische Comic-Schmieden wie Marvel und DC zeichnet. Auch ein Batman-Comic ging bereits auf sein Konto.

 

Watch out for more: In Kürze folgt die App-Story #4, die ein Interview mit den beiden Kuratoren von „Wien 1900 meets Comic“ liefert!

 

von Beate Lex, Leitung Neue Lernkonzepte, MAK

 

 

Instawalk im MAK

Am 4.10. fand in Kooperation mit @IGersAUSTRIA ein Instawalk im MAK statt. Wir haben für Euch noch einmal die schönsten Bilder rausgesucht:

http://scontent-a.cdninstagram.com/hphotos-xap1/t51.2885-15/1740477_818285661556363_723178985_n.jpg
by thomaskhom

http://scontent-a.cdninstagram.com/hphotos-xaf1/t51.2885-15/10723992_1552834001598573_1801437382_n.jpg
by igersaustria.at

http://scontent-b.cdninstagram.com/hphotos-xaf1/t51.2885-15/10724257_298715323668448_1842536953_n.jpg
by birgit2817

http://scontent-a.cdninstagram.com/hphotos-xpa1/t51.2885-15/1168447_933551506660369_1390261558_n.jpg
by famiglia_vienna

http://scontent-b.cdninstagram.com/hphotos-xaf1/t51.2885-15/10706650_1526669510907614_784771966_n.jpg
by oliverroth

http://scontent-b.cdninstagram.com/hphotos-xpa1/t51.2885-15/928037_279032588966016_1190327447_n.jpg
by christinekhom

http://scontent-a.cdninstagram.com/hphotos-xpa1/t51.2885-15/1389059_1399622800262676_729106339_n.jpg
by famiglia_vienna

http://scontent-b.cdninstagram.com/hphotos-xpa1/t51.2885-15/927469_1469698036637073_977824852_n.jpg
by apattym

http://scontent-b.cdninstagram.com/hphotos-xfp1/t51.2885-15/1391316_1487432591540466_1858578956_n.jpg
by conmion

http://scontent-b.cdninstagram.com/hphotos-xfa1/t51.2885-15/10724657_734432989958791_2050452096_n.jpg
by misterflopatrick

http://scontent-b.cdninstagram.com/hphotos-xaf1/t51.2885-15/10724806_855113514533621_970247481_n.jpg
by gregorsideris

http://scontent-a.cdninstagram.com/hphotos-xaf1/t51.2885-15/10723944_316345251882998_648665752_n.jpg
by igersaustria.at

 

 

Schön wars!
Bis zum nächsten Mal.

Folgt dem MAK auf Instagram: MAK_VIENNA

 

 

Lidewij Edelkoort in dialog with Jeroen Lutters

As places where design is debated now and will be debated in the future, what is the duty and purpose of museums of applied arts? Which themes are relevant to everyday life? Which objects should be collected? And in what way and for what purpose?

The MAK posed these questions to nine globally renowned design pioneers. They participated in an experiment to investigate the significance of a collection of exemplary objects as a source of inspiration. In the process, each pioneer could have discussions with a person of his or her choosing—so-called “muses”—in the course of which they would shed light on the future of the applied arts, as well as share their perspectives on museums of applied arts. The result was a stimulating dialogue, which looks not only at the past but also tries to imagine the future!

Trend forecaster and former president of the Design Academy Eindhoven, Lidewij Edelkoort is an independent thinker and globetrotter. She met up with Jeroen Lutters, art educator and rector of the Bernard Lievegoed University, to contemplate a “School of Universal Learning”.

 

 

The design models chosen by Lidewij Edelkoort mirror her intuitive antennae for current developments: She juxtaposes the work of talented young designers from around the world, including Rodrigo Almeida from South America, Massoud Hassani from Afghanistan, and Brynjar Sigurðarson from Iceland, with that of established designers like Rai Kawakubo and Issey Miyake. Their aesthetically appealing objects are emblematic of the zeitgeist.

 

Visitors of the exhibition EXEMPLARY: 150 YEARS OF THE MAK — FROM ARTS AND CRAFTS TO DESIGN are invited to use the online participation platform to comment on and contribute to this unique collection of exemplary objects.

 

 

Dunne & Raby in dialog with Alex McDowell

As places where design is debated now and will be debated in the future, what is the duty and purpose of museums of applied arts? Which themes are relevant to everyday life? Which objects should be collected? And in what way and for what purpose?

The MAK posed these questions to nine globally renowned design pioneers. They participated in an experiment to investigate the significance of a collection of exemplary objects as a source of inspiration. In the process, each pioneer could have discussions with a person of his or her choosing—so-called “muses”—in the course of which they would shed light on the future of the applied arts, as well as share their perspectives on museums of applied arts. The result was a stimulating dialogue, which looks not only at the past but also tries to imagine the future!

As pioneers of “critical design”, Anthony Dunne and Fiona Raby feel that design is not keeping pace with social developments, above all as regards the impact of new technologies on our everyday lives. They met up with British production designer Alex McDowell (Minority Report, etc.) to discuss the impact of science fiction and social fiction on our everyday culture.

Professor of industrial design at the University of Applied Arts Vienna, Fiona Raby, and Tony Dunne, who together founded the faculty of Design Interaction at the Royal College of Art in London, pursue a speculative design approach in their work. For our exhibition, Dunne & Raby intentionally chose text passages and not objects as their examples: They describe products or services taken from science fiction or social fiction authors such as Margaret Atwood and Kazuo Ishiguro. The pure text form as “exhibit” leaves room for interpretation and challenges our powers of imagination.