BUCHEINBÄNDE DER WIENER WERKSTÄTTE AUS DER PERSPEKTIVE DES RESTAURATORS

„Konservieren statt Restaurieren“ lautet ein Leitspruch des bekannten Denkmalpflege-Theoretikers Georg Dehio (1850–1932), der für heute tätige RestauratorInnen noch immer Gültigkeit zu haben scheint. Die richtige Konservierung von Kunstwerken ist der entscheidende Punkt, um diese in gutem Zustand zu erhalten und etwaige Restaurierungen zu vermeiden. Im Rahmen der Ausstellung BUCHEINBÄNDE DER WIENER WERKSTÄTTE haben wir dem Restaurator Andreas Hartl bei seiner Arbeit über die Schulter geschaut und ihn gefragt, welche konservatorischen Gesichtspunkte für die Präsentation von Büchern berücksichtigt werden müssen.

„Es ist wichtig, die Buchrücken nicht zu sehr zu belasten und ein Raumklima von 50 Prozent Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten sowie den Schutz vor UV-Strahlung sicherzustellen. Es sollte daher generell kein Tageslicht in die Ausstellungsräume gelangen und eine Beleuchtung von maximal 50 Lux herrschen. Das heikle Papier sollte aber auch unter optimalen Bedingungen nur begrenzt ausgestellt werden und auch das Leder der Einbände wird mit der Zeit brüchig“, erzählt uns Andreas Hartl.

Weiters zeigt er uns zwei Exponate genauer und erklärt, welche restauratorischen Maßnahmen noch vor der Ausstellung notwendig sind. Dabei fügt er an, dass die Wiener Werkstätte (WW) grundsätzlich sehr hochwertig gearbeitet hat, weshalb vergleichsweise selten umfangreichere Restaurierungen vorgenommen werden müssen. Beide Bücher haben einen Einband aus rotem Leder und wurden von den Gründern der WW, Josef Hoffmann und Koloman Moser, in der Frühzeit der WW entworfen. Bei dem von Hoffmann gestalteten Werk finden wir einen Riss in einer semitransparenten Trennseite, während beim Einband von Koloman Moser der Buchblock wieder mit dem Buchrücken verklebt werden muss.

 

Andreas Hartl (geb. 1979) ist als studierter Papier-Restaurator zum einen für das Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste, zum anderen als Buchbinder im MAK tätig.

Die Ausstellung BUCHEINBÄNDE DER WIENER WERKSTÄTTE zeigt einen Querschnitt durch das buchbinderische Schaffen der WW. Aus den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts werden neben 40 Entwurfszeichnungen aus der MAK-Sammlung auch ca. 70 Bücher aus dem Bestand des MAK sowie aus den Sammlungen Richard Grubman und Ernst Ploil, Gastkurator der Ausstellung, präsentiert.

 

Ein Beitrag von Lara Steinhäußer und Agnes Wyskitensky
für die Abteilung MAK-Presse und PR
Fotos: © MAK
Ausstellungsansichten: © MAK/Georg Mayer

 

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