Celia-Hannes über Design und die Bauwerk:Stadt

Kurzinterview mit dem Designduo Celia-Hannes über Design und die Kooperation mit der Bauwerk:Stadt des Wiener Familienbunds im Rahmen der VIENNA BIENNALE-Ausstellung 2051: Smart Life in the City.

Die von euch entworfenen Produkte oder Möbel sind nicht immer für den Verkauf bestimmt. Wie beschreibt ihr euren Zugang zu Design?

Wir sehen Design als eine vielumfassende Profession und versuchen mit unserer Praxis, eine verantwortungsbewusste Haltung zu vermitteln. Dabei ist es uns wichtig, unsere Umwelt zu gestalten. Wir experimentieren viel mit Materialien und testen einfache Handwerkstechniken, um Objekte für neue tägliche Rituale zu schaffen – Objekte, mit denen man sich verbunden fühlen kann.

Neben dem Schaffen von Objekten geben wir das unabhängige Magazin Revue DAS heraus. In der ersten Ausgabe haben wir uns mit zukunftsweisenden Ideen von DesignerInnen und ArchitektInnen der jüngeren Vergangenheit auseinandergesetzt und diese in die Gegenwart übergeführt, um Dogmen unserer Zeit zu hinterfragen.

Das MAK und der Familienbund sind dieses Jahr an euch herangetreten, um die Bauwerk:Stadt mit Design-Workshops zu begleiten. Wie reflektiert ihr als DesignerInnen diese Erfahrung?

Wir sind vom Projekt Bauwerk:Stadt fasziniert, da es Kindern die Möglichkeit gibt, ihre eigene Umwelt zu gestalten. Unsere Design-Workshops sollten den Kindern neue Konstruktionsfähigkeiten vermitteln und ihnen näherbringen, dass jedes Material spezifische Eigenschaften und Qualitäten hat. Wir finden, dass das in einer Zeit, in der der Bezug zur Herstellung von Objekten und Möbelstücken vollkommen verloren gegangen ist, extrem wichtig ist. Bedeutend ist auch, dass man mit simplen Techniken und wenig Werkzeugen – im Sinne des Konzepts von Bricolage (der französische Begriff für „Do it yourself“) – selbst zur Akteurin und zum Akteur werden kann.

Ihr habt bereits an vielen Orten an Artist-in-Residence-Programmen für DesignerInnen teilgenommen. Warum macht ihr das und wo seht ihr das Potenzial der Teilnahme an Design-Workshops und Residencies?

Unsere Kurzaufenthalte in Kapstadt, Chongqing, Paris oder New York sind ein wichtiger Bestandteil unserer Designpraxis. In einem limitierten Zeitraum versuchen wir, den lokalen Kontext bestmöglich aufzusaugen und eine Serie von Objekten zu schaffen. Diese reflektiert Handwerkstechniken und Materialien, die man meist nur vor Ort findet. Es hilft uns, unsere Designpraxis weiterzuentwickeln.

Das Thema der VIENNA BIENNALE 2015 ist „Ideas for Change“. Welche Rolle spielt für euch die soziale Welt im Design? Wie kann Design eurer Meinung nach zu einem positiven Wandel in der Gesellschaft beitragen?

Wir sind überzeugt, dass man als DesignerInnen Objekte schaffen kann, die unser alltägliches Leben unterstützen können. Wir finden jedoch auch, dass wir mehr langlebige Objekte brauchen, die mehrere Generationen überdauern können, nachhaltig und ressourcenschonend sind.

Das französisch-österreichische Duo Celia-Hannes arbeitet an der Schnittstelle von bildender Kunst und Design. Célia Picard und Hannes Schreckensberger fasziniert die Bedeutung und Einfachheit von Objekten, weshalb sie in ihrer forschungsbasierten Praxis versuchen, zu reduzieren. Einen Schwerpunkt legt Celia-Hannes auf die Entwicklung von Objekten, die Zufriedenheit verleihen können. Im Bewusstsein der Auswirkungen von Herstellungsprozessen auf unsere Lebensqualität berücksichtigt Celia-Hannes stets den sozialen, symbolischen und ökologischen Kontext. Die rätselhaften Formen, die das Duo kreiert, laden ein, neue Anwendungen und Rituale zu erfinden. www.celiahannes.net

Interview: Hannah Varga (Assistenz, MAK-Sammlung Design)
Fotos © Celia-Hannes

 


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