Das GRAPHIKPORTAL – Grafik für alle

13. November 2017

Insights

Einmal jährlich trifft sich die Grafik-Community des deutschsprachigen Raums. Dabei werden Vorträge gehalten, Sammlungen vorgestellt, Ausstellungen besucht, und es wird über mögliche gemeinsame Projekte und Netzwerke diskutiert. Aus diesen informellen Treffen entstand 2011, unter der Federführung des Bildarchiv Foto Marburg, der Arbeitskreis Graphik vernetzt. Er hat sich zum Ziel gesetzt, gemeinsame Digitalisierungsstandards festzulegen und Strategien für die digitale Vernetzung von grafischen Sammlungen zu entwerfen. Daraus entwickelte sich der erste digitale Verbundkatalog grafischer Sammlungen, das GRAPHIKPORTAL, das seit 11. November 2017 für alle Interessierten online zugänglich ist.

Graphikportal

©3007wien

Bereits vor 20 Jahren wurde in der MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung erkannt, dass sich die Anforderungen, die an eine moderne Sammlung gestellt werden, verändern, woraufhin erste Schritte der Digitalisierung unternommen wurden. Wie in den meisten Kunstinstitutionen wurden die digitale Inventarisierung und das Online-Stellen der Sammlung als entscheidende Kriterien gewertet, um in der nationalen und internationalen Fachwelt wahrgenommen zu werden. Bis heute sind 160 000 Grafiken (Handzeichnungen, Ornamentstiche, Vorlagewerke, Gebrauchsgrafiken, Pläne und Plakate) auf www.sammlung.mak.at verfügbar, 34 000 Objekte davon wurden in das neue GRAPHIKPORTAL eingespielt.

Graphikportal

Israhel van Meckenem, Die Hasen, die den Jäger braten, um 1500, ©MAK

Für diese Digitalisierung sind verschiedene parallel laufende Arbeitsschritte notwendig: zum einen die Fotoerstellung mit Hochleistungsscannern, Buchwiegen und Kameras, zum anderen die wissenschaftliche Erschließung und genaue Beschreibung der Blätter. Durch das Zusammenspiel dieser bearbeiteten Daten und Bilder in einem gemeinsamen Portal entsteht die für viele KollegInnen und mich spannende Situation, dass wir plötzlich auf große Werkbestände vieler KünstlerInnen aus verschiedenen Sammlungen unmittelbar Zugriff haben. Diese digitale Vernetzung schafft auch Vorteile für das wissenschaftliche Arbeiten: Manchmal erhält man einen Treffer und merkt, dass dieses Blatt eine Vorstudie für ein anderes Werk ist, das sich ebenfalls im GRAPHIKPORTAL befindet.

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Bisher waren grafische Sammlungen wie Blackboxes: Außenstehende wussten kaum, um welche Bestände es ging. Wenn diese Objekte jetzt in großem Umfang digitalisiert und im Internet zugänglich gemacht werden, entsteht beim Publikum der Wunsch, die grafischen Arbeiten auch im Original zu sehen.

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©3007wien

Grafik war jahrhundertelang das wichtigste visuelle Medium der kulturellen Verständigung, bevor die Fotografie diese Führungsrolle übernahm. Mehrere Millionen Zeichnungen, Holzschnitte, Kupferstiche oder Radierungen berühmter MeisterInnen, vom Mittelalter bis zur Moderne, werden in Sammlungen auf der ganzen Welt aufbewahrt. Diese Kunstwerke – Druckgrafiken und Zeichnungen, die kaum jemand jemals zu Gesicht bekommt – warten darauf, entdeckt zu werden. Sie lagern, vor Licht geschützt, wohlverwahrt in Kisten und Mappen. Mit dem GRAPHIKPORTAL (www.graphikportal.org) wird dieser verborgene Schatz endlich digital gehoben.

Ein Beitrag von Kathrin Pokorny-Nagel, Leitung MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung/Archiv