25/10 KICK-OFF-EVENT

“MAP-Memory and Progress. Das MAK erforscht seine Zukunft” heisst ein neues Format in der Auseinandersetzung des MAK-Österreichisches Museum für angewandte Kunst mit seiner Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Im Sinne einer offenen Diskussion sucht das Haus nach neuen Wegen, kreativ auf eine fast hundertfünfzigjährige Geschichte unter Einbindung einer qualifizierten Öffentlichkeit zu reagieren.
Präsentationen und Diskussionsveranstaltungen ab dem 25. Oktober sollen die Grundideen, die zur Gründung des Hauses geführt haben in Erinnerung rufen.

Kick-Off-Event
Dienstag, 25. Oktober 2011, 12.30 Uhr
MAK-Säulenhalle, Stubenring 5, Wien 1
Einleitung
Dir. Christoph Thun-Hohenstein - zum Projekt
Vortrag
Rainald Franz - Zukunftsorientierte Blicke auf die Geschichte
des Österreichischen Museums für angewandte Kunst
Vortrag
Dir. Christoph Thun-Hohenstein
 - Erläuterung der künftigen
Positionierung des MAK und des neuen Mission Statement

Österreichisches Museum, Weiskirchnerstraße, um 1910

Österreichisches Museum, Weiskirchnerstraße, um 1910

Rainald Franz
Eine museale Institution als Motor des industriellen und ästhetischen Fortschritts. Zukunftsorientierte Blicke auf die Geschichte des Österreichischen Museums für angewandte Kunst

Von seinen Gründungsintentionen her war das 1863 initiierte k. k. Österreichische Museum für Kunst und Industrie eine Institution, die auf Innovation ausgerichtet war.

Kritik an bestehenden Kunstmuseen im 19. Jahrhundert ebenso wie Forderungen, auch die Herstellungsverfahren der Ausstellungsstücke in den Museen zu berücksichtigen, führten zu neuen Ideen für eine angemessene museale Präsentation von Erzeugnissen der angewandten Kunst. Gottfried Semper entwickelt im Jahr 1852 seinen „Idealplan“ für ein fiktives „metallotechnisches“ Museum. Semper projektierte nicht weniger als ein universelles Museum, dessen „historisch, ethnografisch und technologisch“ geordnete Sammlungen einen „Längsschnitt, Querschnitt und Grundriss“ durch die gesamte Kulturwissenschaft geben sollten. Damit ist sein Konzept dem heutiger Science-Museen vergleichbar.

In Österreich stand am Anfang der Förderung der mechanischen Künste die Gründung des Polytechnikums (1815) und des Niederösterreichischen Gewerbevereins (1839). Innovative Sammler und Denker wie der Direktor der Münzgraveurakademie Josef Daniel Böhm oder Rudolf von Eitelberger, erster Ordinarius für Kunstgeschichte an der Wiener Universität, suchten den erkannten Missstand einer mangelhaften Qualität der Gewerbeerzeugnisse durch Sammeln von Vorbildern und daran ausgerichteter Lehre zu beheben.

Die Gründung des „k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie“ erfolgte, genau wie die seines Vorbilds, des 1852 gegründeten South Kensington Museum (heute: Victoria and Albert Museum) in London, im Anschluss an eine Weltausstellung: Rudolf von Eitelberger war als österreichischer Korrespondent zur zweiten Londoner Weltausstellung 1862 entsandt worden und verfasste einen Bericht für das Kaiserhaus, in dem er die mangelnde Konkurrenzfähigkeit der österreichischen Kunstindustrie im internationalen Vergleich hervorhob und Vorschläge zu einer Reform und Gründung entsprechender Institutionen zur Gewerbeförderung in Österreich machte. In kaiserlichem Auftrag initiierte er 1863 das neue Museum, dessen erster Direktor er 1864 wurde.

Mit dem k. k. Österreichischen Museum für Kunst und Industrie wurde eine für Österreich neuartige Kulturinstitution gegründet, die nicht auf einer imperialen oder adeligen Sammlung fußte, sondern von Grund auf neu zusammengestellt wurde und eher einem bürgerlich-liberalen Konzept der Gewerbeförderung als adeliger Repräsentation entsprach. Geplant war ein modernes Museum, das sich an Bedürfnissen der Bevölkerung und der Produzenten orientieren sollte. Jakob von Falke, Mitbegründer und erster Kustos des Museums, stellte die programmatische Forderung nach einem Museum, das sich den „dynamischen Kräften von Wissen und Industrie anschließen sollte, die in der modernen Gesellschaft am Werk sind “. Die Statuten des Museums dokumentieren den grundsätzlich innovativen Zugang und bieten Ansätze für eine heutige Identifikation mit den formulierten Zielen.

Die Sammlung des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, die Hauptwerke der angewandten Kunst aus allen Epochen und Materialien umfassen sollte, wurde interkulturell angelegt und bot und bietet die einzigartige Möglichkeit, Entwicklungen etwa der Formgebung durch Jahrhunderte, anhand unterschiedlichster Materialien und in verschiedenen Kulturen zu verfolgen.

Heute fungiert das Österreichische Museum für angewandte Kunst – im Sinne der Museumsdefinition von Boris Groys – als „intelligenter Speicher“, der Wissenschaftler, Vermittler und interessierte Öffentlichkeit anzieht. Durch Vermittlung und Dokumentation in neuen Medien und Publikationen werden die Sammlungen in immer neuen Zusammenhängen präsentiert und so die gesellschaftlichen Ansprüche an die Lehr-, Lern- und Genussinstitution Museum gerechtfertigt. Die große Tradition der Innovation des MAK prädestiniert es dafür, auch im 21. Jahrhundert die Rolle eines Erneuerers auszufüllen. Denn angewandte Kunst ist jene Kunst, die uns am nächsten sein sollte.

Dir. Christoph Thun-Hohenstein
Erläuterung der künftigen Positionierung des MAK und des neuen Mission Statement

Unter dem Titel „MAP – Memory and Progress“ initiiert Christoph Thun-Hohenstein, seit 1. September 2011 Direktor des MAK, eine museumsinterne wie öffentliche Auseinandersetzung mit dem Profil und konzeptuellen Auftrag des MAK in seinem historischen Kontext. Die Ergebnisse sollen in die künftige Herangehensweise des Museums an angewandte Kunst, Design, Architektur sowie Gegenwartskunst einfließen und eine Entscheidungsgrundlage für die künftigen Aktivitäten des Hauses bilden.

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Die fast 150-jährige Geschichte des als Österreichisches Museum für Kunst und Industrie gegründeten MAK und seine Vielfalt legen eine inhaltliche Sichtung der Sammlungs- und sonstigen Aktivitätsbereiche des Museums und eine zukunftsorientierte Analyse seines Gedächtnisses nahe. Durch die kritische Auseinandersetzung mit dem Stellenwert dieses kulturellen Gedächtnisses (memory) und mit den Möglichkeiten der Weiterentwicklung des Museums (progress) soll in öffentlich zugänglichen Diskussionsveranstaltungen, ergänzt durch einen weblog, eine Landkarte (map) für die Zukunft des Hauses erstellt werden.

Im Zuge dieses diskursiven Projekts wird ein Bogen von den Gründungsüberlegungen des Hauses bis zum sich wandelnden Museumsbegriff im 21. Jahrhundert gespannt. Basierend auf evaluierenden und konzeptuellen Überlegungen stellt das wissenschaftliche Team des Museums in einem Parcours wesentliche Aspekte der MAK-Sammlung und ausgewählte Sonderthemen vor und diskutiert anschließend mit speziell geladenen Expertinnen und Experten wie Paola Antonelli, Gerald Bast, Christian Höller, Christian Kühn, Oswald Oberhuber, Dietmar Steiner, Martin Fritz, Peter Weibel u.a. Ideen und konkrete Vorschläge des MAK für seine künftige Positionierung.

Über die Plattform „MAKblog“ (blog.MAK.at) wird die Öffentlichkeit eingeladen, sich auch virtuell an „MAP – Memory and Progress“ zu beteiligen und Anregungen zu posten. Zusätzlich werden Statements der eingeladenen Expertinnen und Experten eingeholt.

Die Ergebnisse dieses experimentellen Diskurses werden im Rahmen einer konzeptuellen Ausstellung (Eröffnung: 14.2.2012, Ausstellungsdauer: 15.2.–25.3.2012) erfahrbar gemacht. Kuratiert vom MAK, gestaltet von Krüger & Pardeller, bietet diese Arbeitspräsentation Gelegenheit zu weiterer Information und Stellungnahme, wobei zusätzlich auch ein Rahmenprogramm zusammengestellt wird, das im Speziellen das Thema Museum beleuchtet.

Im Rahmen des Kick-Offs wird auch zum ersten Mal das neue Mission Statement des MAK einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert.

>> Präsentation

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