KUNSTVERMITTLUNG – ANALOG ODER DIGITAL?

Ein Interview mit Gabriele Fabiankowitsch (Leitung Bildungsprogramm und Führungen) und Beate Lex (Leitung Neue Lernkonzepte) über den Brückenschlag zwischen Publikum und Kunst

Allerorten übernehmen Computer und Roboter die Arbeit von Menschen. Wird auch die klassische Führung durch Multimedia verdrängt?

Gabriele Fabiankowitsch: Moderne Technologien stellen eine Bereicherung für die Kunstvermittlung dar. Das MAK hat beispielsweise zu den Schausammlungsbereichen Wien 1900Asien und Teppiche eine App für Tablets entwickelt. Sie bietet Zusatzinformationen, die in einem Textheft oder in Form von Objektbeschriftungen nicht gegeben werden können. Internetbasierte Inhalte kommen vor allem bei jungen Zielgruppen gut an. Obwohl sie direkt vor dem Original im MAK stehen, sehen sich Kinder und Jugendliche etwa die Gustav Klimts Entwurfszeichnungen für den Mosaikfries im Speisesaal des Brüsseler Palais Stoclet parallel am Tablet an. Sie erhalten so auch weiterführende Informationen – beispielsweise ein Bild des originalen Speisezimmers. Diese Daten kann ich allerdings überall abrufen. Das Original kann ich nur im Museum erleben. Auch zusätzliche Fragen können nur direkt mit den Kunstvermittlern diskutiert werden. Ich bin der Meinung, dass die Vorteile beider Welten – klassische und multimediale Vermittlung – ­kombiniert werden müssen.

Welche Rolle spielt Multimedia in der Kunstvermittlung mit dem jungen Publikum?

Beate Lex: Für Kinder werden vielerorts aufwendige Apps sowohl für Smartphones als auch für Tablets entwickelt. Darüber hinaus entstehen, wenngleich viel seltener, im Kontext von Sonderausstellungen inhaltlich, didaktisch und formal überzeugende Games für Kinder im Familien- und auch im Klassenverbund. Intelligenten Games sage ich eine große Zukunft voraus – auch mich würde es interessieren, im Rahmen einer passenden Sonderausstellung ein Spiel zu entwickeln.

Was konkret bietet das MAK für Kinder und Jugendliche an?

Beate Lex: Im MAK ist der Einsatz von Multimedia in der Vermittlungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen noch überschaubar. Die MAK-App, die für Tablets programmiert wurde, nutzen wir in Vermittlungssituationen, um Schülern über Videos Kontexte zu erschließen. Darüber hinaus sammeln wir derzeit Erfahrungen im Rahmen eines Forschungsprojekts gemeinsam mit der Universität für angewandte Kunst, Abteilung Fachdidaktik, und dem Unternehmen Fluxguide. Eine zur Ausstellung handWERK. Tradiertes Können in der digitalen Welt prototypisierte Smartwatch-App führt Schüler in der Berufsorientierungsphase über interaktive Inhalte an Handwerksberufe heran. Dabei bringen sie ihr Wissen als Gadget-erfahrene „Digital Natives“ ein, was ihnen ziemlich gut gefällt.

Wie wecken Sie das Interesse von Kindern und Jugendlichen, ins Museum zu kommen und eine Ausstellung zu besuchen?

Beate Lex: Unsere Adressaten sind für gewöhnlich Eltern oder Lehrer, da sie es sind, die die Museumsbesuche planen. Wir bemühen uns sehr, den Kindern zusätzlich zur inhaltlichen Auseinandersetzung die Möglichkeit zu bieten, selbst gestalterisch aktiv zu werden. Themen rund um die Digitalisierung stoßen bei Kindern auf großes Interesse. In den MAK Design Kids-Workshops für 8- bis 12-Jährige haben wir uns kürzlich mit Kriterien für ökologisch nachhaltiges Design auseinandergesetzt und Prototypen von „Smartphones mit Zukunft“ gebaut – die Workshops waren ausgebucht. Ein anderes Beispiel zu den Themen Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit: Zur Ausstellung handWERK. Tradiertes Können in der digitalen Welt bieten wir derzeit einen Workshop zu verantwortungsvollem Konsum an. Die Schüler lernen Begriffe wie Produktbiografie und Ökobilanz kennen und bedrucken anschließend einen Turnbeutel aus fair gehandelter Bio-Baumwolle, den sie mit nach Hause nehmen können. Mode ist gerade bei Jugendlichen ein Thema, das sie sehr interessiert, kommt es doch mitten aus ihrer Lebensrealität.

Wie setzt sich das MAK-Vermittlungsteam zusammen?

Gabriele Fabiankowitsch: Unser Vermittlungsteam setzt sich aus Absolventen der Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz und der Universität für angewandte Kunst Wien sowie aus zwei Kunsthistorikern zusammen. Einige davon sind selbst künstlerisch aktiv, das heißt, unsere kreativen Workshops werden bestens betreut. Wir sind ein junges Team, die meisten sind zwischen 20 und 35 Jahre alt. Vor allem bei Kinderworkshops ist das sehr positiv, Kinder mögen junge Kunstvermittler.

In welchen Sprachen werden im MAK Führungen angeboten?

Gabriele Fabiankowitsch: Neben Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch haben wir auch Führungen auf Chinesisch im Programm. Wir bieten auch individuelle Führungen für spezielle Themenwünsche an. Diese maßgeschneiderten, persönlichen Führungen sind übrigens ein Bereich, der mit Digitalisierung (noch) nicht abgedeckt werden kann.

Ein Beitrag von Sandra Hell-Ghignone für die Abteilung Presse und PR.

Tags , , ,