Der sogenannte „Prunkschrank des Prinzen Eugen“ im MAK

Für die kommenden zwei Jahre wird ein besonderes Prunkstück in der MAK-Schausammlung Barock Rokoko Klassizismus gezeigt: der sogenannte „Prunkschrank des Prinzen Eugen“, den das MAK seit 1998 als Leihgabe des KHM verwahrt. Hinter diesem imposanten Möbelstück, dessen Authentizität der damalige Direktor des MAK, Eduard Leisching, in einem Vortrag im Jahr 1912 aus gutem Grund bezweifeln musste, steckt eine spannende Geschichte. Tatsächlich handelt es sich bei dem Prunkschrank des Prinzen Eugen um ein Objekt, dessen angebliche Provenienz erst im 19. Jahrhundert, durch das Anbringen eines komplexen Figurenprogramms, vorgetäuscht wurde.

Der Korpus des Prunkschranks besteht aus schwarz gebeiztem Birnenholz und ist durch Zierelemente aus Schildpatt, silberne Auflagen und allegorische Silberstatuetten gegliedert. Die detailliert gearbeiteten Elemente fügen sich inhaltlich zu einer Apotheose des Prinzen Eugen, dessen Büste inmitten der Komposition prangt. Innen ist das Möbelstück verspiegelt und mit einem Stich der Schlacht von Peterwardein (1716) versehen. Im Kunsthandel war der Kabinettschrank als Arbeit des Augsburger Goldschmieds Johann Andreas Thelott (1655–1734) und vermeintliches Geschenk Kaiser Karls VI. an Prinz Eugen anlässlich der besagten Schlacht angepriesen worden. Kunstsammler Gustav von Benda erwarb den Prunkschrank beim Antiquar Meyer Salomon in Dresden und übergab ihn schließlich 1905 als Geschenk an die kunsthistorischen Sammlungen des österreichischen Kaiserhauses.

Bereits vor über 100 Jahren wusste Eduard Leisching von manchen Schöpfern einzelner Komponenten persönlich, dass die silbernen Figuren erst im späten 19. Jahrhundert entstanden sein konnten. Sie hatten ihm bereitwillig und stolz darüber berichtet, ihr Handwerk in diesem mit 25 Kilogramm Silber verzierten Möbel wiedererkannt zu haben, und waren sich keineswegs darüber im Klaren, an einer „Fälschung“ mitgearbeitet zu haben.

Im Zuge dieses Vortrags, der 1913 auch in den Mitteilungen des Museen-Verbandes gedruckt wurde, konstatierte Leisching für Österreich-Ungarn seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine beachtliche Rolle als Kunstfälscher-Zentrum – besonders im Bereich der Silberschmiedekunst. Er führte das unter anderem auf einen „relativ unterentwickelten Kunsthandel in unseren Ländern“ und eine „Überproduktion“ an einseitig in den Kunstgewerbeschulen und kunstgewerblichen Fachschulen ausgebildeten Handwerkern zurück. Seiner Auffassung nach waren zahlreiche Handwerker durch eine sinkende Nachfrage an – in alten Techniken gefertigten – Gütern quasi in die Fälschertätigkeit gedrängt worden.

Aufgrund Leischings Verortung und der Ausstellung des Objekts anlässlich der Schau Gefälschte Kunstwerke im Kunsthistorischen Museum im Jahr 1937 wurde der Prunkschrank des Prinzen Eugen über die letzten Jahrzehnte als „Fälschung“ wahrgenommen, in Depots verwahrt und auch in keiner Publikation über Prunkschränke aufgeführt. Erstmals seit 80 Jahren bietet sich nun die Gelegenheit, einen Blick auf dieses besondere Stück zu werfen. Normalerweise steht an seiner Stelle ein anderes Glanzstück der MAK-Sammlung, das jedoch bis voraussichtlich 2019 im MAK restauriert wird: ein 1776 von David Roentgen für den Generalgouverneur der österreichischen Niederlande, Prinz Karl Alexander von Lothringen, gefertigter Kunstschrank, der als stilprägende Meisterleistung deutscher Tischlereikunst bezeichnet werden kann.

In Kooperation mit dem Institut für Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst Wien wurde auch der Prunkschrank des Prinzen Eugen zwischen 2015 und 2017 von Michael Bollwein, Johannes Ranacher und Christoph Schragl in den Werkstätten des MAK restauriert. Durch eine Untersuchung Bollweins konnten einzelne Details zur Geschichte dieses Möbels geklärt werden: während der Korpus nun eindeutig in das späte 17. Jahrhundert datiert werden kann, dürfte das Möbel an sich im Verlauf der Geschichte wohl mehrfach umgestaltet und mit verschiedenen Zierelementen ergänzt worden sein.

Die technischen Untersuchungen bestätigen Leischings These, dass der Bezug zu Prinz Eugen erst später – durch das komplexe Figurenprogramm – hergestellt wurde. Es handelt sich aber nicht, wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts vermutet, um eine „Totalfälschung“. In seiner Diplomarbeit möchte Michael Bollwein das Stück nicht einmal als „Teilfälschung“ kategorisieren, da die „ausführenden Handwerker nicht das Ziel der Ausführung einer Fälschung“* verfolgten. Der Prunkschrank des Prinzen Eugen stellt eine selbstständige, an sich wertvolle kunstgewerbliche Arbeit dar und darf als solche nun auch in der Schausammlung des MAK gewürdigt werden.


Diese und weitere der 30 Detailfotografien zu diesem Objekt sind auch unter sammlung.mak.at abrufbar. Seit Februar 2017 bietet die neu konzipierte MAK-Sammlung online der Öffentlichkeit Zugang zu Stammdaten und Bildinformationen von über 230 000 Objekten.

* Ausführlicheres zur Restaurierung des Objekts kann in Michael Bollweins Diplomarbeit Der sogenannte „Prunkschrank des Prinzen Eugen“, Untersuchung, Bestandsklärung und Musterrestaurierung (Wien 2016) nachgelesen werden.

Ein Beitrag von Lara Steinhäußer für die Abteilung MAK-Presse und PR.
alle Fotos: © MAK/Georg Mayer

 

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