VORTRAG „Ausstellungen herbeireden“ von Herbert Lachmayer

Mit der künstlerischen Forschungspraxis Staging Knowledge hat der Kulturphilosoph Herbert Lachmayer ein Ausstellungsformat kreiert, welches Geschmacksintelligenz, als eigenständige Erkenntnisform des „ästhetischen Urteils“ mit abstrakten Theorie-Diskursen und intuitivem Denken spannungsträchtig zu verbinden weiß. Sogenannten „cultural content“ kann man sich weder „reinziehen“ noch innerlich „runterladen“.
Diese neue Bildungs- und Kulturtechnik Staging Knowledge folgt der Idee eines „experimentellen Übens“, die beinhaltet, dass jegliche Strategie zur Vermittlung kulturellen Wissens stets auch Forschungsstrategie sein soll, und auch umgekehrt. Dem sinnlich-performativen „Herbeireden“ solcher Ausstellungen auf Basis intensiver wissenschaftlicher Recherche korrespondiert (nach der Eröffnung) die Phase einer permanent bespielten Wissensbühne mit Publikum durch obsessives „Weiterreden“ des kuratorischen Teams in der Ausstellung – für deren gesamte Laufzeit. Inspiriert vom Konzept der Affektmodulation im 18. Jahrhundert, dem „Bespaßen“ und „Begeistern“ als lustbegleitende Wirkung der Konversation, vergegenwärtigt Staging Knowledge die gesellschaftliche Erfahrung, dass „Geisterzeugung“ libidinös besetzbar sein kann. Und empfiehlt, den Sublimationsvorgang „Denken“ vor allem auch als emotional-unbewusste Erregungsstrategie wahrzunehmen, als eine zeitgemäß attraktive Form der „Subjekt-Behauptung“ heute – eine kreative wie alltagskulturelle Erfüllung der Sehnsucht nach Individualismus. Sich dem Anspruch der Theorie-Diskurse, über Kunst & Kultur eine ausschließlich textfundierte Deutungsmacht zu besitzen, vorauseilend zu unterwerfen mag vergleichbar naiv (oder alter-naiv) sein, als sich dem herrschenden LifeStyle-Diktat in Fragen des persönlichen Geschmacks auszuliefern – und damit die Möglichkeit, eigene LebensArt zu entfalten, zu verpassen.

Herbert Lachmayer, geb. 1948 in Wien, lehrt als Professor an der Kunstuniversität Linz die Studienrichtung Staging Knowledge, welche er auch als künstlerische Forschungsstrategie an der Bauhausuniversität Weimar und der Stanford University in Palo Alto, Kalifornien unterrichtet. Er leitet das von ihm gegründete DA PONTE Research Center – for Applied Humanities and Opera Studies in Wien und ist Kurator zahlreicher kulturgeschichtlicher Ausstellungen.

Prof. Herbert Lachmayer
Ausstellungen Herbeireden
18.3.2012, 19.30 Uhr
MAK-Vortragssaal
Vortrag im Rahmen der Ausstellung Magie der Vielfalt. Das MAK als angewandter Raum der Zukunft (15.2.−25.3.2012).

 

 

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