ZEITLO(O)S. DesignerInnen im Gespräch

Die Präsentation ZEITLO(O)S. Junges Design im Kontext der MAK-Schausammlung Wien 1900 zeigt neben klassischen Glasarbeiten von Adolf Loos Werke der Designschaffenden breadedEscalope, chmara.rosinke und Patrick Rampelotto. Wir haben die drei Designstudios nach ihren Inspirationsquellen befragt und wie das Spannungsfeld zwischen Museumsobjekt und kommerziellem Designprodukt ihre Arbeit beeinflusst.

Bar Non-Lieu © breadedEscalope

Als Inspirationsort, Forschungsstätte und Förderer für zeitgenössische DesignerInnen ist das MAK eine Drehscheibe der internationalen Designszene.

Mit seiner hervorragenden Sammlung von Designobjekten kommt das MAK bereits seit über 150 Jahren der Aufgabe nach, zeitgenössische Trends zu erkennen und die Vorstellungen von Gestaltung nachhaltig zu prägen. In diesem Sinne laden die MAK-Schausammlung Wien 1900 sowie das MAK DESIGN LABOR dazu ein, sich mit Entwicklungen von angewandter Kunst und zeitgenössischem Design auseinanderzusetzen.

breadedEscalope, chmara.rosinke und Patrick Rampelotto sind mit ihren Objekten bereits in der MAK-Sammlung vertreten. Warum die Wiener Moderne immer noch inspiriert und warum sich in ihren Arbeiten eine Kontinuität innovativer Designansätze ausmachen lässt, erklären die DesignerInnen im Interview:


breadedEscalope

Das 2008 von Sascha Mikel, Martin Schnabl und Michael Tatschl gegründete Wiener Designstudio breadedEscalope betrachtet sich als Plattform für experimentelles Design.

 

Welche klassischen Designer oder Designobjekte aus der MAK-Sammlung sind für euch bei der Entwicklung neuer Designideen Inspirationsquelle?

Unsere Bugholzküche (Love Me Bender) stand einmal ganz in der Nähe des Nachbaus der Frankfurter Küche von Margarete Schütte-Lihotzky im MAK DESIGN LABOR. Das war für uns eine besondere Auszeichnung. In unserer Auseinandersetzung mit Gestaltungsfragen treffen wir aber auch immer wieder auf Namen wie Josef Frank, Victor Papanek oder Adolf Loos, auf den wir uns ja auch mit der Bar Non-Lieu beziehen. Sie alle sind Gestalter, die aufgrund ihrer Ideen und ihres Engagements genreübergreifenden Einfluss auf die Entwicklung der Gesellschaft hatten.

Gibt es einen Unterschied zwischen Design als Museumsobjekt und Design als kommerzielles Produkt? Wenn Ja, welchen Einfluss hat das auf euch als Designer?

Produktdesign erprobt sich zuallererst im kommerziellen Rahmen, bis ein Objekt aufgrund seines Erfolgs oder Misserfolgs zu einem Museumsstück werden kann. Unsere freien  Arbeiten ergeben sich oft unabhängig von Maßstäben der klassischen Produktgestaltung. Sie versuchen nicht primär einem Gebrauchszweck gerecht zu werden, sondern eher Prozesse zu erforschen oder einem Betrachter als Anstoß für eine Auseinandersetzung zu dienen. Dabei entwickelt sich oft eine interaktive, narrative oder vermittelnde Komponente, die sich in Form einer Installation mitunter gut in Ausstellungen und Museen integriert.

Welche Stellung hat der Konsument bei der Entwicklung von Design?

Wir glauben, dass jede gestalterische Maßnahme eines Einzelnen einen kulturgeschichtlichen Wert aufweist und einen Einfluss auf den Designbegriff hat. Sei es durch Unterstützung der boomenden DIY- oder Maker-Communitys oder über Crowdfunding-Kampagnen. Auch der Einfluss von Open Design wird immer relevanter. Wir haben dieses Konzept im Rahmen des Projekts Collective Furniture vor zwei Jahren mit der Neuen Wiener Werkstätte umgesetzt und gemeinsam mit einer öffentlichen Community einen Arbeitstisch entwickelt. Wir gehen davon aus, dass Gestaltung vom Konsumenten ausgeht, dass jeder Mensch ein Gestalter ist und dass man in Zukunft mehr individuellen, kreativen Einfluss auf unsere Umwelt haben wird.


chmara.rosinke

Maciej Chmara und Anna Rosinke, beide in Gdynia (Polen) geboren, haben in Gdansk, Linz und Wien studiert und führen seit 2011 ihr Designstudio chmara.rosinke.

 

 

Welche klassischen Designer oder Designobjekte aus der MAK-Sammlung sind für euch bei der Entwicklung neuer Designideen Inspirationsquelle?

Ich kann die Antwort nicht an einzelnen Designern oder Objekten festmachen, da ja meistens eher Details oder der Kontext einen zu etwas inspirieren. Wenn einen das Objekt selbst inspiriert, dann stockt der Designprozess und es entsteht im besten Fall eine Hommage und im schlimmsten Fall eine zeitgenössische Kopie. Aber sicher hat uns die Strenge Josef Hoffmanns sehr bei unserer Arbeit beeinflusst. Vor der Neuaufstellung haben wir auch jede Woche viel Zeit in der ehemaligen MAK-Studiensammlung im Untergeschoss wie auch in der Thonet-Ausstellung im Parterre verbracht.

Gibt es einen Unterschied zwischen Design als Museumsobjekt und Design als kommerzielles Produkt? Wenn Ja, welchen Einfluss hat das auf euch als Designer?

In den Augen vieler Betrachter gibt es diesen Unterschied, für uns persönlich nicht. Zu Hause benutzen wir selbst viele Objekte, die delikat sind oder schon Museumscharakter haben. Auch museales, limitiertes, konzeptuelles Design oder wie auch immer man es bezeichnen will, ist irgendwo ein kommerzielles Produkt und wird gekauft, gesammelt, benutzt oder eben nur betrachtet.

Welche Stellung hat der Konsument bei der Entwicklung von Design?

Das muss man von unterschiedlichen Seiten betrachten. Im klassischen Produktdesign hat der Konsument von Anfang an eine tragende Rolle, schon allein durch die Festlegung des Preises. Im Bereich des konzeptuellen Designs glaube ich, ist es möglich, ohne den Konsumenten im Kopf zu arbeiten. Wenn die Idee dahinter stark genug ist, findet sich immer jemand, der eine ähnliche Haltung, ästhetische Vorliebe oder den gleichen Humor hat. Diese Arten von Design sind auch um einiges persönlicher.


Patrick Rampelotto
 

Patrick Rampelotto, in Sterzing/Vipiteno (Italien) geboren, studierte an der Universität für angewandte Kunst Wien bei Professor Borek Sipek und Ross Lovegrove. Seit 2009 ist er als selbstständiger Designer tätig.

Welche klassischen Designer oder Designobjekte aus der MAK-Sammlung sind für dich bei der Entwicklung neuer Designideen Inspirationsquelle?

Das MAK verfügt über eine unglaublich große und interessante Möbelsammlung, die nur teilweise ausgestellt ist, aber voller Überraschungen steckt. Ich bin auf zukünftige Ausstellungen gespannt und neu präsentierte Objekte, die mich inspirieren.

Patrick Rampelotto, Tagesliege Josephine, Wien, 2013

Gibt es einen Unterschied zwischen Design als Museumsobjekt und Design als kommerzielles Produkt? Wenn Ja, welchen Einfluss hat das auf dich als Designer?

Im besten Fall landet ein kommerzielles Produkt im Museum. Andersrum kann man anlässlich einer Ausstellung freier arbeiten – das Benutzen wird auf das Betrachten reduziert. Wenn man es mit Skifahren vergleicht, dann wäre es wie der Unterschied zwischen Slalom und Super-G, einfach zwei Disziplinen. Die Stellung des Konsumenten ist sehr hoch, man macht es schlussendlich nicht für sich selbst, sondern für die anderen.

 

Die Interviews wurden im Rahmen der Präsentation ZEITLO(O)S. Junges Design im Kontext der MAK-Schausammlung Wien 1900 geführt, die vom 10. – 12. November im Rahmen der „Die Presse“ Design 2017 im MAK gezeigt wird.

 

 

 

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