Interview zur Ausstellung Mapping Bucharest: Art, Memory, and Revolution 1916–2016 mit Bärbel Vischer

Kurzinterview zur Ausstellung Mapping Bucharest: Art, Memory, and Revolution 1916–2016 mit Bärbel Vischer, Kustodin der Sammlung Gegenwartskunst des MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst

Ausstellungsansicht, 2015, VIENNA BIENNALE 2015: IDEAS FOR CHANGE, Mapping Bucharest: Art, Memory, and Revolution 1916–2016, MAK-Ausstellungshalle, Andreea Ciobîcă, What we cannot touch in others, 2015 © MAK/Aslan Kudrnofsky

Viele Werke zeichnen sich durch bestimmte Medien aus: Collagen, Objets trouvés etc. Könnte man behaupten, dass dieses Charakteristikum ein Zeichen des Mangels an Materialien im kommunistischen System ist?

Die zeitgenössischen Medien sind universell. Die Rahmenbedingungen im kommunistischen System forderten die Kunst heraus, die KünstlerInnen Ion Grigorescu, Geta Brătescu, Eugenia Pop, Ana Lupas, Horia Bernea oder Ion Bizan entwickelten in dieser Zeit ihre bedeutendsten Arbeiten.  Zudem fällt auf, dass viele KünstlerInnen mit Materialien wie Textil und Keramik arbeiten – in der zeitgenössischen Kunst spannende, aber bis heute auch subversive Medien. In vielen Arbeiten der jüngeren KünstlerInnen wie Ciprian Mureşan ist die politische Dimension des künstlerischen Konzepts spürbar.

Was macht die rumänische Kunst so hip? Ist es vielleicht auch der Mut, klassische Darstellungsformen wie etwa die Malerei anzuwenden?

Die rumänische Kunstszene erfindet sich durch Eigeninitiative neu und lebt auch durch die lange Tradition der Diaspora. Leider unterscheiden wir im Kunstdiskurs immer noch zwischen Nationalitäten, ähnlich wie in der Politik oder im Sport. Rumänische Kunst ist Teil der europäischen Kultur – so wurde beispielsweise die historische Avantgarde von rumänischen KünstlerInnen wie Constantin Brâncuși, den Dadaisten, Isidore Isou oder Daniel Spoerri mitentwickelt. Gegenwärtig fordern Adrian Ghenie und Victor Man die zeitgenössische Malerei heraus.

Inwiefern spielt Gender für die Ausstellung eine Rolle – für das Verhältnis Künstlerinnen/Künstler und „weibliche“/„männliche“ Positionen?

Die ausgewogene Zusammenstellung der KünstlerInnen hat sich aus der Recherchearbeit in Rumänien und über die Grenzen hinweg ergeben. Die Unterscheidung von „weiblichen“ und „männlichen“ Positionen halte ich für problematisch, denn es gibt verschiedene Konzepte von Geschlecht. In der Ausstellung werden KünstlerInnen unterschiedlicher Generationen zusammengebracht, ca. zwei Drittel der vorgestellten ProtagonistInnen waren außerhalb der rumänischen Kunstszene bis jetzt unbekannt bzw. war ihre Arbeit bisher nicht zugänglich.

Was hat es mit dem Titel der Ausstellung auf sich? Was genau wird vermessen?

In der Ausstellung wird der rumänische Kulturraum thematisiert, der sich durch Europa zieht. Teil der Ausstellung sind beispielsweise auch Skulpturen der Deutschen Alexandra Bircken. Im Vordergrund steht die künstlerische Arbeit, die in dieser Gegenüberstellung gleichzeitig eine Verbindung zwischen scheinbar unterschiedlichen Kulturen herstellt. In Birckens und Eugenia Pops Werken kommen Elemente miteinander in Berührung, die einen ungewöhnlichen Blick auf die Entwicklung neuer skulpturaler Formen ermöglichen.


Die Fragen stellten Noëmi Leemann und Sara Alavi Kia für die Abteilung Neue Lernkonzepte

Credits:
Ausstellungsansicht, 2015
VIENNA BIENNALE 2015: IDEAS FOR CHANGE, Mapping Bucharest: Art, Memory, and Revolution 1916–2016, MAK-Ausstellungshalle, Andreea Ciobîcă, What we cannot touch in others, 2015 © MAK/Aslan Kudrnofsky

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