Experiment „AppliedGuide“. Hat künstliche Intelligenz im Museum Platz?

Ausgehend von der These, dass sich die Welt in den nächsten 30 Jahren drastischer verändern wird als in den 150 Jahren davor, nimmt die Ausstellung ÄSTHETIK DER VERÄNDERUNG. 150 Jahre Universität für angewandte Kunst Wien u. a. die Zukunft in den Fokus. Fragen zur musealen Präsentation und zur Wissensvermittlung spielen dabei eine wichtige Rolle. In Form des digitalen Ausstellungsguides AppliedGuide – erreichbar über den Facebook-Messenger bzw. unter facebook.com/appliedguide – finden sich diese Überlegungen in der Ausstellung im MAK wieder.

Ausstellungsansicht_ÄSTHETIK DER VERÄNDERUNG im MAK © Kristina Satori/MAK
Ausstellungsansicht „ÄSTHETIK DER VERÄNDERUNG. 150 Jahre Universität für angewandte Kunst Wien“, MAK-Ausstellungshalle © Kristina Satori/MAK

Die Zukunft in den musealen Kontext zu holen, ist freilich eine Herausforderung. Denn wie soll etwas gezeigt werden, das es noch nicht gibt? Wie kann ein Raum mit immateriellen Ideen anstelle von anschaulichen Artefakten gefüllt werden?

Eines ist klar: Die Zukunft lässt sich nicht vorhersehen. Wir können aber sehr wohl Denkanstöße liefern, Fragen und Thesen aufstellen und Ideenräume eröffnen. Wir können uns darüber Gedanken machen, wie sich die großen Veränderungen, die wir aktuell erleben, auf die Gesellschaft auswirken und wir können versuchen, nicht nur passiver Teil dieses Veränderungsprozesses zu sein, sondern ihn aktiv mitzugestalten – als Universität, als Individuum oder als Gesellschaft.

 

Insofern versteht sich der zweite Teil der Ausstellung ÄSTHETIK DER VERÄNDERUNG als Entdeckungsreise und Expedition in ein unbekanntes Gebiet. Bei diesem Unterfangen werden nicht nur Tendenzen in Bildung, Kunst und Gesellschaft zum Vorschein gebracht, sondern auch die Präsentation im Museum an sich hinterfragt: Wie soll Wissensvermittlung in Zukunft aussehen und welchen Einfluss werden digitale Technologien und das Internet zum Beispiel auf Ausstellungen haben? Als täglicher Begleiter hat das Smartphone bereits Einzug ins Museum gehalten.

Chatbots als interaktive Museumsguides

Chatbots sind Dialogsysteme, die natürliche Gespräche imitieren, indem sie auf bestehende Datenbanken zugreifen. Sie agieren dabei irgendwo zwischen intelligenter Suchmaschine und künstlicher Intelligenz. Wobei der Begriff Chatbot etwas irreführend ist. Im Gegensatz zu Siri und Alexa, zwei prominenten Beispielen künstlicher Intelligenz, sind Chatbots sehr simpel gestrickt: Sie reagieren auf Stichwörter und Befehle nach strikten Mustern und sind dabei nur bedingt flexibel. Gespräche mögen vielleicht im ersten Moment natürlich wirken, entpuppen sich aber schnell als Fake. Gerade Ausstellungen sind dadurch charakterisiert, dass es einen definierten Pool an kuratierten Inhalten gibt, wodurch die Limitierung von Chatbots hier auch reizvoll und nützlich sein kann.

"AppliedGuide", Screenshot
„AppliedGuide“, Screenshot

Unser AppliedGuide verrät in kurzen kuratierten Texten, Bildern, Videos und GIFs Wissenswertes und Unterhaltsames zu den Ausstellungsstücken und KünstlerInnen. Es werden Verbindungen zwischen den einzelnen Exponaten hergestellt, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind. Dabei gibt es drei Möglichkeiten, mit dem AppliedGuide zu kommunizieren:

  • Es können zum einen Zahlencodes, die an den Objektbeschriftungen angebracht sind,
  • zum anderen in den Ausstellungstexten fett markierte Begriffe eingegeben werden.
  • Darüber hinaus enthält der Guide ein kleines Menü, über das bestimmte Inhalte aufgerufen werden können.
"AppliedGuide", Screenshots
„AppliedGuide“, Screenshots

Die BenutzerInnen steuern zur Gänze selbst, ob, wann, wo und in welcher Reihenfolge sie Informationen abrufen möchten. Sie haben mit dem Chatbot die Möglichkeit, den Ausstellungsbesuch, ihren eigenen Interessen entsprechend, mitzugestalten und auch zu Hause auf die bezogenen Informationen zurückzugreifen – die Ausstellung wird somit auch zum „Take-away“.

Sieht so die Zukunft des Museums aus? Wer weiß. Sicher ist, dass sich die Vermittlung von Wissensinhalten mit der Digitalisierung extrem verändert hat und sich auch weiter verändern wird. Mit neuen Technologien im musealen Bereich zu experimentieren macht großen Spaß. Es gibt uns gleichzeitig die Möglichkeit, dem digitalen Wandel nicht nur zuzusehen, sondern sich Technologien anzueignen und Hemmschwellen zu verringern. Vor allem aber bestimmen wir die Entwicklung mit und behalten dabei gleichzeitig die notwendige Skepsis.

Die Ausstellung ÄSTHETIK DER VERÄNDERUNG. 150 Jahre Universität für angewandte Kunst Wien war von 15. Dezember 2017 bis 15. April 2018 im MAK zu sehen.
Eine Kooperation der Universität für angewandte Kunst Wien und des MAK

Ein Beitrag von Martina Schöggl, Kuratorische Assistenz, Universität für angewandte Kunst Wien
Konzeption und Umsetzung AppliedGuide: Martina Schöggl, Amira Ben Saoud

Tags , , , ,