Was hat Kaiser Maximilian I. mit dem MAK zu tun?

Das „Maximilianjahr“ 2019 erinnert anlässlich des 500. Todesjahres von Kaiser Maximilian I. an einen der größten Herrscher der Vergangenheit. Genau heute vor 500 Jahren, am 12. Jänner 1519, verstarb der populäre habsburgische Kaiser. Das MAK würdigt zu diesem Jubiläum einen  verborgenen Schatz, der mit ihm in Verbindung steht: den handschriftlichen Reisebericht des „Salzbarons“ Hans Herzheimer für die Jahre 1514–19, in dem er Begebenheiten mit Maximilian I. beschreibt.

Portrait von Kaiser Maximilian I., nach Albrecht Dürer Deutschland 16. Jahrhundert, Holzschnitt KI 264 ©MAK Reisebericht Hans Herzheimer
Portrait von Kaiser Maximilian I., nach Albrecht Dürer
Deutschland 16. Jahrhundert, Holzschnitt ©MAK

Kaiser Maximilian I. (1459–1519) zählt zu den schillerndsten Persönlichkeiten des ausgehenden Mittelalters. Seine dynastische Heiratspolitik im Hause Habsburg und seine Kriegspolitik prägten die beginnende Renaissance. Als Wegbereiter einer neuen europäischen Staatsführung und Kultur verschaffte er sich bleibendes Ansehen. Die Förderung zahlreicher Künste und Wissenschaften machte den „letzten Ritter“ unvergesslich.

Das weiße Gold des Mittelalters

Der aufwendige Lebensstil und die vielen Kriege, die Maximilian führte, waren allerdings sehr kostenintensiv. Er war auf Darlehen reicher Familien und Bergwerkserträge angewiesen. Neben dem Silberabbau kam der Salzgewinnung – dem „weißen Gold des Mittelalters“ – als wesentliche Einnahmequelle große Bedeutung zu. Der aus bayrischem Adelsgeschlecht stammende Hans Herzheimer (nach 1464–1532) wurde von Maximilian mit der Verwaltung der kaiserlichen Saline in Bad Aussee betraut und erlangte dadurch großen Reichtum. Als „Salzbaron“ schuf Herzheimer sich sein eigenes Andenken durch zahlreiche Stiftungen, die er in Form von Schrifttafeln an Kirchenwänden verewigen ließ, sowie durch außergewöhnliche Handschriften, wie etwa seinem Reisebericht.

Reisebericht Hans Herzheimer, 1514-19, BI 21517, ©MAK
Reisebericht Hans Herzheimer, 1514-19 ©MAK

Der Reisebericht des „Salzbarons“ Hans Herzheimer

Dieses 300 Seiten umfassende Konvolut stellt eine Zimelie von einzigartigem Wert innerhalb der MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung dar. Der Salzmagnat beschreibt darin neben den damaligen Lebensweisen seine Kontakte mit Kaiser Maximilian I. und führt Aufzeichnungen über seine ausgedehnten Reisen.

Reisebericht Hans Herzheimer, 1514-19, BI 21517, ©MAK
Reisebericht Hans Herzheimer, 1514-19 ©MAK
Reisebericht Hans Herzheimer, 1514-19, BI 21517, ©MAK
Reisebericht Hans Herzheimer, 1514-19 ©MAK

Im Mittelpunkt des Berichts steht Herzheimers Reise nach Sachsen in den Jahren 1518/19. Ausführlich schildert er die besuchten Residenzbauten, Kirchen, Sehenswürdigkeiten und andere Eindrücke. Sein Besuch in Wittenberg etwa, wo seine beiden Söhne studierten, berichtet von einer Stadt, in der Luther lehrte. Während dieser Reise erhält Herzheimer Nachricht vom Tode Maximilians und liefert einen ausführlichen Bericht über die Umstände seines Todes. Ein seltener Augenzeugenbericht der Wahlversammlung zur Kaiserwahl in Frankfurt am Main, zu der Herzheimer gemeinsam mit Kurfürst Friedrich III. von Sachsen reiste, verdeutlicht sein Naheverhältnis zum Kaiserhaus.

Reisebericht Hans Herzheimer, 1514-19, BI 21517, ©MAK
Reisebericht Hans Herzheimer, 1514-19 ©MAK
Reisebericht Hans Herzheimer, 1514-19, BI 21517, ©MAK
Reisebericht Hans Herzheimer, 1514-19 ©MAK

Ein Reisebericht mit Seltenheitswert

Reiseberichte sind Zeugnisse der Mobilität ihrer Zeit, die Augenzeugenschaft der Verfasser und die Subjektivität der Wahrnehmung verschaffen ihnen besonderen Wert. Zumeist werden darin Fernreisen thematisiert – in aller Regel Pilgerfahrten nach Jerusalem, Santiago de Compostela oder Rom. Reiseberichte durch Deutschland sind selten, wodurch dem in der MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung verwahrten Band umso größere Bedeutung zukommt.

Reisebericht Hans Herzheimer, 1514-19, BI 21517, ©MAK
Reisebericht Hans Herzheimer, 1514-19 ©MAK

Mit diesem Reisebericht besitzt das MAK ein wichtiges Zeitdokument, das Einblicke in die Denkart und das Leben eines Adeligen um 1500 erlaubt und das vielfältige Nachrichten zum Alltag bei Hofe, aber auch zur großen Politik der Zeit liefert. Die Bedeutung dieses Werkes war bereits vielen vorangegangenen Generationen bewusst. Doch erst 2008 entstand auf Initiative von Enno Bünz, Professor an den Universitäten Leipzig und Dresden, gemeinsam das Projekt einer vollständigen Transkription der Handschrift.

Im heurigen Gedenkjahr soll diese Publikation nun tatsächlich realisiert werden. Ein derartiges wissenschaftliches Publikationsprojekt, welches als Randthema innerhalb der von Blockbustern geprägten Zeit zu bezeichnen ist, kann nicht hoch genug geschätzt werden.

Ein Beitrag von Kathrin Pokorny-Nagel, Leitung MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung/Archiv

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