Eitelberger und Ferstel – Visionär und Baukünstler

Der zweite Beitrag der MAK-Blogserie zum Jubiläum 150 Jahre MAK-Gebäude am Stubenring widmet sich den zwei wichtigsten Persönlichkeiten in der Frühzeit der Geschichte des Museums: Rudolf Eitelberger von Edelberg – Gründer und erster Direktor des MAK, sowie Heinrich von Ferstel – Architekt und Bauherr. Aline Müller, Mitarbeiterin der MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung/Archiv, analysiert ihre Beziehung zueinander und schildert die Entstehung ihrer im Museum prominent platzierten Denkmäler.

 

Als Rudolf Eitelberger im Jahr 1866 den Auftrag für den Bau seines neuen Museums vergab, kam für ihn von vornherein nur eine Person in Frage. Entgegen des bei großen Bauprojekten oft üblichen Prozederes einer ausgeschriebenen Konkurrenz, wie etwa beim Bau der neuen Hofmuseen, entschied sich Eitelberger für eine Direktvergabe. Er wählte dafür jenen Architekten, der bereits das temporäre Ausstellungsgebäude im kaiserlichen Ballhaus für seine museale Nutzung als Kunstgewerbemuseum adaptiert hatte, und mit dem er seit seiner Zeit am k. k. Polytechnischen Institut freundschaftlich verbunden war: Heinrich von Ferstel.

„Er war der Typus eines hübschen Wieners – sein ausserordentlicher Fleiss und seine enthusiastische Hingabe an die Kunst, speciell an die Architektur“ faszinierten Eitelberger, wie er in seinen Gesammelten Kunsthistorischen Schriften (Wien, 1879) festhält. 1828 geboren, galt Heinrich von Ferstel als einer der aufstrebendsten Jungarchitekten Wiens. Ab 1844 am Polytechnischen Institut als Schüler eingeschrieben, vervollständigte er seine künstlerische Ausbildung durch den gleichzeitigen Besuch der Abendschule an der k. k. Akademie der bildenden Künste. In diese Zeit fiel auch die erste Begegnung mit Rudolf von Eitelberger, der auf der Suche nach einem Lehrstuhl für Kunstgeschichte war. Gemeinsam mit einigen Schulkameraden trat Ferstel an ihn heran und forderte diesen dazu auf, für die Schüler des Polytechnikums Vorträge über Kunstgeschichte zu halten. Bereits damals schien ihn die strebsame und tatkräftige Art des um zehn Jahre jüngeren angehenden Architekten Eitelberger fasziniert zu haben, mit dem er von nun an in stetiger Verbindung stand.

Eitelbergers Schriften wie auch der rege Briefverkehr bezeugen eine starke, mit den Jahren wachsende freundschaftliche Bindung. Vor allem Ferstels Briefe sprechen ab Mitte der 1870er Jahre eine sehr intime Sprache. Man sorgte sich um die Gesundheit des anderen, verbrachte gemeinsame Abende mit der Familie und musizierte in der Ferstelschen Villa zu Grinzing. Man schätzte sich und vertraute einander, vor allem in beruflichen Dingen: Du weißt wie werthvoll mir Dein Rath in Dingen der Kunst von jeher gewesen ist – und da er stets wolgemeint ist, so bleibt er auch nie erfolglos.(Heinrich von Ferstel, Brief vom 15.1.1875, Wien Bibliothek)

Eitelberger nannte Ferstel einen Baukünstler, schätzte dessen fundierte kunsthistorische Bildung, ebenso wie sein Streben nach Schönheit und Rhythmus in der Architektur. Eigenschaften die sich im neuen Bau des Österreichischen Museums deutlich niederschlagen. Mit der Renaissance als Leitmotiv wurden die Pläne in engem gemeinsamen Austausch ausgearbeitet. Nicht das Großartige stand im Vordergrund, sondern Harmonie und Poetik.

Auch in den Jahren nach der Eröffnung des Baus am Stubenring blieb Ferstel weiterhin eng mit dem Museum verbunden. Bereits 1873 vollendete er den Erweiterungsbau für die Kunstgewerbeschule und seine Vorträge waren ein fester Bestandteil des laufenden Vorlesungsprogramms. So ist es nicht verwunderlich, dass Eitelberger ihm nach seinem frühen Tod am 14. Juli 1883 – er verstarb im Alter von 55 Jahren – ein gebührendes Denkmal im Zentrum des prachtvollen Stiegenhauses des Museums setzen ließ.

Victor Tilgner, Büste Heinrich von Ferstel, 1877, Terracotta © MAK/Georg Mayer

Prominent in Szene gesetzt und bereits vom Eingang her weithin sichtbar, erweiterte Josef von Storck mit seinem Entwurf den seit 1871 bestehenden Schlussstein um die marmorne Porträtbüste, sowie eine Widmungstafel und zwei rahmende, vergoldete Bronzegirlanden. Als ausgewiesener Spezialist für Ferstel-Büsten – zwei weitere befinden sich in der Votivkirche und in der Universität – wurde der österreichische Bildhauer Victor Tilgner mit der Anfertigung der Büste beauftragt. Vor einem Rundfeld aus schwarzem belgischen Marmor platziert, heben sich die feine, in weißem Laaser Marmor gemeißelten Züge des Architekten deutlich ab. Das tragende Postament, das im Atelier Francini in Wien gefertigt wurde, schafft eine Verbindung zum Schlussstein. Die von Johann Schindler modellierten und von der Wiener Firma Dziedzinski & Hanusch ausgeführten Bronzegirlanden verbinden dagegen die einzelnen Elemente zu einem harmonischen Ganzen.

Um den Zeitraum bis zur Fertigstellung des Denkmals zu überbrücken, bediente man sich vorerst in der eigenen Sammlung. Eine bereits vorhandene, ebenfalls von Victor Tilgner entworfene Terracottabüste des Architekten, die 1878 als Geschenk des k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht ans Haus gekommen war, wurde als interimistische Lösung mit einem Lorbeerkranz geschmückt und im Stiegenhaus aufgestellt. Die feierliche Enthüllung des Denkmals fand schließlich am 30. Mai 1884 statt.

Zusammen mit den Gedenktafeln des Unternehmers Eduard Ritter von Haas, des Malers und Graphikers Ferdinand Laufberger und des Glasfabrikanten Ludwig Lobmeyr wurde das Stiegenhaus zu einer Ehrenhalle für einige der prägendsten Persönlichkeiten in der Geschichte des Museums. Den krönenden Abschluss bildet das Eitelberger-Denkmal am oberen Ende der Treppe. Um dafür Raum zu schaffen, musste zuerst ein Gipsabguss von Raphael Donners Flussgott Die Traun (1739) weichen. Diese Figur des Providentiabrunnens am Neuen Markt (ehem. Mehlmarkt) lehnte über der Brüstung, um mit seinem erhobenen Dreizack die Besucher*innen zu empfangen.

Hermann Klotz, Denkmal Rudolf von Eitelberger, 1885–1887, Laaser Marmor, Bronze
© Mona Heiss/MAK

Nach Eitelbergers Tod am 18. April 1885 wurden die Professoren der Kunstgewerbeschule Otto König, August Kühne und Hermann Klotz mit der Anfertigung der ersten Entwürfe beauftragt. Noch im November desselben Jahres fiel die Wahl des einberufenen Eitelberger-Denkmal-Komitees auf den Entwurf von Hermann Klotz. Nach der ersten öffentlichen Präsentation des Gipsmodells im November 1886 nahm die Fertigstellung allerdings noch ein weiteres Jahr in Anspruch. Um eine Basis für das neue Denkmal zu schaffen, wurde die bestehende Brüstung zum Treppenhaus hin um eine Verkröpfung erweitert. Darauf aufbauend, erhebt sich ein Sockel aus Laaser Marmor, der die bronzene Büste Eitelbergers trägt. Geschmückt wird der Sockel von einer, mit dem Weiß des Marmors kontrastierenden, in Bronze ausgeführten Lorbeeren-Girlande, sowie von zwei sitzenden Putten, die ein Buch als Symbol für die Kunstgeschichte und ein Prunkgefäß als Symbol für das Kunstgewerbe in Händen halten. Alle verwendeten Materialen wurden kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Berndorfer Metallwarenfabrik von Artur Krupp steuerte den Rohguss aus Bronze bei, während die Union-Baugesellschaft den Marmor für den Sockelfuß sowie dessen Bearbeitung besorgte. Die Bronzearbeiten wurden von Hermann Klotz unter Mitarbeit von Alois Hanusch modelliert und ziseliert.

Am 4. November 1887, anlässlich des 16-jährigen Jubiläums zur Eröffnung des Gebäudes am Stubenring, wurde die Büste feierlich enthüllt. So blickt Eitelberger seit nunmehr 134 Jahren über die Brüstung des ersten Stocks hinab in die Säulenhalle, um weiterhin über sein Museum zu wachen. Im Rücken einige seiner wichtigsten Förderer und Freunde, allen voran der Architekt Heinrich von Ferstel.

 

Ein Beitrag von Aline Müller, Mitarbeiterin der MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung/Archiv

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