EOOS zu KLIMAWANDEL

Das Wiener Designstudio EOOS konzipierte und gestaltete im Rahmen der VIENNA BIENNALE FOR CHANGE 2019 die Ausstellung KLIMAWANDEL! Vom Massenkonsum zur nachhaltigen Qualitätsgesellschaft. Für die wichtigen Zukunftsthemen Mobilität, Energie, Nahrungsmittel und Kreislaufwirtschaft präsentiert EOOS in der Schau im MAK DESIGN LAB vier konkrete Utopien, die unseren Alltag und den Klimawandel betreffen: Ein Auto, eine Küche und einen Kühlschrank, ein Solardach und eine öffentliche Ladestation für Elektrofahrzeuge. Wir haben Harald Gruendl, einen der drei EOOS Masterminds, zum Gespräch über die Ausstellung getroffen:

EOOS arbeitet mit großen Brands wie Adidas, Zumtobel, bulthaup, Walter Knoll, LAUFEN u. v. a. m. In den letzten Jahren habt ihr euch verstärkt dem Thema Social Design gewidmet: Was motiviert euch dazu?

Harald Gruendl: Im Design sind dringend neue Strategien gefordert, um den notwendigen Wandel von einer Kultur des Massenkonsums in eine Qualitätsgesellschaft zu vollziehen. Die von EOOS entwickelten Projekte stellen den Status Quo in Frage und schlagen neue Alternativen dazu vor, die eine breite Diskussion über den Wandel und seine rasche Umsetzung anstoßen sollen. Wir beschäftigen uns dabei bewusst mit alltäglichen Produkten, um sichtbar zu machen, was in unserem unmittelbaren Umfeld möglich ist.

 

In der Ausstellung im MAK zeigt ihr das „SOV – Social Vehicle“. Was unterscheidet dieses Auto von anderen?

HG: Das SOV ist leicht, selbst herstellbar und ressourcenschonend: Es kann mit einer „Open Design“ Lizenz in kleinen, lokalen Werkstätten gebaut, verbessert und repariert werden und es verbraucht gerade mal ein Zehntel der Ressource eines e-Golfs. In der Ausstellung wird die Idee des Social Vehicles in partizipativen Designworkshops, an denen alle Interessierten teilnehmen können, weiterentwickelt.

 

In einem eurer Texte sprecht ihr von den Wirtschaftswunderjahren des 21. Jahrhunderts – wie ist das zu verstehen?

HG: Sie haben gerade begonnen. Sie sind mit Schlagwörtern wie Energiewende, Entkarbonisierung des Verkehrs, Kreislaufwirtschaft, Bioökonomie, Gemeinwohlorientierung und einem umweltverträglichen CO2-Fußabdruck von uns allen verbunden. Was es dazu braucht, ist eine mutige Politik, eine aktive Zivilgesellschaft und Wirtschaftstreibende, die den Wandel von einer linearen in eine kreislauffähige, ressourcenschonende Wirtschaft rasch umsetzen.

Kreislaufwirtschaft ist ein Bereich, der euch bereits bei eurem Beitrag für die Architekturbiennale 2016 beschäftigt hat und auch in KLIMAWANDEL! ein wichtiges Thema darstellt: Ihr zeigt unter dem Titel „Kitchen Cow“ das Modell einer Küche. Was verbindet eure Küche mit der Kuh und was hat sie mit Kreislaufwirtschaft zu tun?

HG: Diese Küche untersucht die Möglichkeit, aus Nahrungsabfällen wieder Energie zum Kochen zu produzieren. Nahrungsabfälle werden dabei über eine Kurbel zerkleinert, gelangen über eine „Speiseröhre“ in den gläsernen Magen. Der Fermenter kann aus 1,5 kg Bioabfällen innerhalb von 20 Tagen 132 Liter Biogas erzeugen, das gesammelt und wieder zum Kochen verwendet werden kann. Zum Vergleich: Drei Kilogramm Bioabfall ermöglichen den Betrieb eines starken Gasbrenners für eine Stunde. Wir nutzen hier das Methan der Küchenkuh – im Gegensatz zu ihr frisst das System aber alle biologischen Abfälle, auch Fleisch.

 

Wichtig ist uns ein Umdenken dahingehend anzustoßen, dass man Produkte in Form bringt und aus der Fabrik hinausschiebt, ohne sich weiter darum zu kümmern. Nur wenn man versucht, den gesamten Kreislauf eines Produkts mitzudenken, kann Kreislaufwirtschaft umgesetzt werden. Auch Eigentümerschaft ist in diesem Zusammenhang neu zu überlegen – es gibt viele Dinge, die man nicht besitzen muss. Design betrifft auch das Entwickeln von Produktservicekonzepten.

Die Ausstellung KLIMAWANDEL! Vom Massenkonsum zur nachhaltigen Qualitätsgesellschaft ist noch bis 6. Oktober 2019 im MAK DESIGN LAB zu sehen.

Das Interview führte Susanne Haider, art:phalanx

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