Franz Josef Altenburg – der „altmodische Übereinanderstapler“

Anlässlich des 80. Geburtstages des österreichischen Keramikkünstlers Franz Josef Altenburg und der MAK-Ausstellung FRANZ JOSEF ALTENBURG. Block, Haus, Turm, Gerüst, Rahmen gibt Rainald Franz, Kustode MAK-Sammlung Glas und Keramik, auf dem MAK-Blog einen Einblick in sein Leben und Werk.

Genau zwanzig Jahre ist es her, dass das MAK Franz Josef Altenburg eine Ausstellung ausgerichtet hat. Nun ist er mit der Schau FRANZ JOSEF ALTENBURG. Block, Haus, Turm, Gerüst, Rahmen zurückgekehrt.

Die Jubiläumsausstellung wurde am 16. März 2021, in Anwesenheit des Künstlers, einen Tag nach seinem 80. Geburtstag geöffnet. Für die Ausstellung wurden mit dem in der Nähe von Schwanenstadt (OÖ) lebenden Künstler ganz neue, bis 2019 entstandene, noch nicht gezeigte Arbeiten ausgewählt. Dazu kommen Keramiken, die für das umfangreiche Werk Altenburgs, das über sechs Jahrzehnte entstand, von Bedeutung sind: In einem sehr persönlichen Prozess mit dem Künstler wurden Objekte gewählt, die entweder Teil einer größeren Serie sind – wie den „Häusern“, „Stiegen“, „Podesten“, „Kulissen“ bis hin zu „Blöcken“, „Türmen“, „Gerüsten“, „Containern“ und „Rahmen“. Besondere Stücke, die der Künstler für sich zurückbehalten hat, werden hier erstmals gezeigt. Die mit Ausstellungsarchitekt Michael Embacher und unter kuratorischer Mithilfe von Cäcilia Putschek, der Tochter des Künstlers, entstandene „Franz Josef Altenburg-Stadt“ bietet den Besucher*innen im wörtlichen Sinne einen Überblick über Altenburgs Werk auf einem ungewöhnlichen Podest mit ungewöhnlicher Oberfläche.

 

Franz Josef Altenburg, 1941 in Bad Ischl geboren als Sohn des Erzherzogs Clemens Salvator von Toskana, selbst Urenkel Kaiser Franz Josephs I., besuchte die Ortweinschule in Graz und die Salzburger Sommerakademie bei Oskar Kokoschka. Er arbeitete zuerst in der Hallstätter Keramik bei Gudrun Witke-Baudisch (1907–1982), in deren Künstler- und Architektenkreis er eingeführt wurde. Die Entdeckung des Tons verhinderte den Weg in die Architektur, auch wenn Altenburg den Grundriss als Ausgangspunkt vieler seiner Objekte anführt. In der Hallstatt Keramik-Werkstatt erlernte er das Handwerk und wurde geprüfter Hafnermeister. Daran schlossen sich über zwanzig Jahre Tätigkeit für die Gmundner Keramik als Entwerfer an.

Daneben ging Altenburg seinen Weg in die Keramikkunst konsequent weiter, mit eigenem Atelier in der Gmundner Keramik, das er mit Anton Raidel teilte und 1968 bis 1997 nutzte. Seit 1974 hatte er sein eigenes Werkstatt-Atelier in einem Bauernhof in Asperding bei Breitenschützing in Oberösterreich. Der Künstler wurde mit dem Oberösterreichischen Kulturpreis und dem Heinrich Gleißner Preis ausgezeichnet. Im August 2021 wird ihm das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik im Rahmen eines Festaktes in der dann schon zugänglichen Personale in der Kaiservilla in Bad Ischl verliehen werden. Diese Ausstellung wird das MAK in Kooperation mit der Oberösterreichischen Landes-Kultur GmbH ausrichten.

 

Wie viele seiner Arbeiten und die Gruppe mit dem Titel „Gerüst“, so gibt auch die mittlerweile sechs Jahrzehnte dauernde Arbeit Altenburgs dem keramischen Schaffen in Österreich einen Halt und eine Struktur. Das Material Keramik ist das Mittel seines Ausdrucks. Er bringt die Keramik als Medium gewissermaßen „zum Sprechen“. Seine Arbeiten können als angewandte Kunst und als autonome künstlerische Intervention im alltäglichen Raum betrachtet werden. Altenburg sagt selbst von sich, er sei in der „Schule der Materialgerechtigkeit aufgewachsen. Es gibt Grenzen, aber, wenn man sich nicht daranhält und es trotzdem funktioniert, ist es auch gut. Wenn etwas geht, dann geht es.“ Über seine Auffassung sagt der Keramiker: „Ich folge den Spuren, die der Überlebenskampf mit sich bringt: Ich mache Kacheln, Gefäßkeramik und Kunst.“

 

Der Modellcharakter des Kunstwerks wird bei Altenburg in einem viel umfassenderen Sinn angelegt, denn es geht bei den „Türmen“ nicht etwa nur um eine Nähe zu Wirkungsfeldern, sondern um den konkreten Bezug eines vorrübergehenden Dazwischen – zwischen Objekt und Wirklichkeit. Altenburg macht nicht nur gute Objekte aus Keramik, er überschreitet die Möglichkeiten der Keramik und sucht diese optimal für plastische Konzepte in verschiedenen Funktionszusammenhängen anzuwenden. Schon 2006 hat die österreichische Schriftstellerin Elisabeth Rathenböck erkannt, dass Altenburg das Material Ton aus dem Formenkanon der Gefäßkeramik entlässt, weil er eine gewisse Rationalität in der Formgebung erreicht, die mit der gefühlsbetonten Geschichte des Materials in einem Widerspruch zu stehen scheint, ohne sie zu verleugnen. Altenburg führt die Minimalisten wie Donald Judd, aber auch seinen einstigen Ateliergenossen in der Gmundner Keramik Anton Raidel als künstlerische Wegbegleiter an. In der Keramik Franz Josefs drückt sich diese in seiner Affinität zur Architektur aus. Er bezeichnet sich selbst als „altmodischen Übereinanderstapler“ im Sinne der Architektur.

 

Das Werk von Franz Josef Altenburg ist von Gefäßformen und architektonischen Elementen, von mehr oder weniger regelmäßigen, reduzierten Konstruktionen geprägt. Er arbeitet seit mehr als 60 Jahren ausschließlich mit Ton. Seine Verbundenheit mit der Region wird in seinen Arbeiten deutlich. Wenn man in Asperding die Umgebung betrachtet, in der Franz-Josef Altenburg lebt, wird die von ihm wenig geschätzte Verbindung seiner Arbeit zu Formen der bäuerlichen Handwerkskultur deutlich. Die Holzstösse, Zäune, Klötze, die Geometrien in der kultivierten Landschaft. Auch hier ein Reflex zum Schaffen eines Donald Judd, etwa in Marfa: Franz Josefs Keramik hat sich die Umwelt „akkulturiert“

Der österreichische Kunsthistoriker Peter Baum schrieb über den „Einzelgänger der Keramik“: „Altenburgs Arbeiten sind Resultat bewusst angestrebter Einfachheit und ebensolcher Abstraktionsvorgänge …“.

Altenburg hat in seiner Kunst eine einzigartige und unverkennbare Formensprache gefunden. Seine Keramiken haben nichts Erzählerisches und sind fern vom Figürlichen. Ihre abstrakten Formen entsprechen auf besondere Weise dem Material der Erde. Das Elementare dieses Grundstoffes verwandeln sie in die Gestalt von Gebautem, Geschichtetem, Aufgetürmtem, Gestapeltem. Aus Erde geformt vergegenwärtigen diese Gebilde geistige Wirklichkeiten.

Die Ausstellung FRANZ JOSEF ALTENBURG. Block, Haus, Turm, Gerüst, Rahmen ist bis zum 25. April 2021 im MAK FORUM zu sehen.

Ein Beitrag von Rainald Franz, Kustode MAK-Sammlung Glas und Keramik

 

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3 Gedanken zu „Franz Josef Altenburg – der „altmodische Übereinanderstapler““

  1. Sehr beeindruckender Überblick unterschiedlicher Keramik-Miniatur-Architekturen eines österr. Ausnahmekünstlers, denen immer auch ein gewisser Nutz-Charakter innewohnt und somit diese Arbeiten unmittelbar machen. Bin schon lange Fan u. Sammler von F-J.

  2. Lieber und sehr verehrter Franz Josef Altenburg!
    Lieber und sehr geehrter Rainald Franz!

    Habe eben Ihren Film gesehen und den Ausstellungskommentar gelesen und möchte meiner übergroßen Freude Ausdruck geben, einfach wunderbar! Herzliche Glückwünsche!

    Habe Sie beide seit Jahren nicht mehr gesehen und gesprochen… in einer Zeit die still steht und sich so noch schneller und herausfordernder bewegt, hat Ihre Kunst, lieber Franz Josef an Strahlkraft nochmals gewonnen!

    Herzliche Grüße und Chapeau!
    Johannes Deutsch

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