Laozi in den Tiroler Bergen. Ein Bildbeitrag zu Harald Gsallers Transformation des Gottes Shoulao

19. Juni 2018

Objekte im Fokus

Der Geist des Tals stirbt nicht;
man nennt ihn die mystische Mutter.
Die Tür zur mystischen Mutter
ist der Ursprung der Wirklichkeit.
Diese Offenbarung setzt sich ewig fort
und scheint unaufhörlich bestehen zu bleiben.
(Kapitel 6 des Daodejing des Laozi)

Laozi in den Tiroler Bergen bezieht den Topos „Der Geist des Tals“ von Laozi auf die Topologie eines dünn besiedelten Tales in den Tiroler Alpen, als ob Laozi das Dorf Boden besucht hätte. Diese Fiktion verknüpfte der in Tirol geborene bildende Künstler und Autor Harald Gsaller in seiner für das MAK geschaffenen Lecture SHOU. LONGEVITY mit Bildern und Texten zur daoistischen Meditationspraxis des Zuowang (Sitzen in Vergessenheit) aus der Tang-Zeit. Einen Auszug daraus stellen wir hier im MAK-Blog vor.

Harald Gsaller hat das Format „Artist’s Lecture, ein Subgenre der Lecture Performance“ entwickelt, das sich in einer offenbar endlos fortsetzbaren Lecture-Reise durch Sammlungen und Galerien mit dort beheimateten Objekten, die mit den Ideen des Daoismus in Beziehung stehen, auseinandersetzt.

Die persönliche Begegnung mit den religiös determinierten Bildnissen und deren Verknüpfung mit entsprechenden Texten und Erinnerungen an Landschaftsformationen ergeben eine Folge von immer wieder neuen Bild-Text-Kombinationen und Erkenntnissen. Im MAK ließ sich Harald Gsaller von Darstellungen des Shoulao, der daoistischen Gottheit des langen Lebens, inspirieren.

Shoulao (Gott des langen Lebens) China, 19. Jahrhundert, Wurzelholzschnitzerei © MAK Laozi

Shoulao (Gott des langen Lebens), China, 19. Jahrhundert, Wurzelholzschnitzerei, © MAK

Der Adept/die Adeptin tritt, nach Jahren der Übung, aus dem Körper – er/sie tritt die Rückkehr (fan) an. Eine Rückkehr zu einem Zustand, als die Welt noch nicht geschieden war, in Himmel und Erde, in die zehntausend Dinge.

Betrachten Sie Shoulao, den Gott des langen Lebens, in Ruhe, betrachten Sie die Form seines Kopfes.

 

Wann ist der Daoist/die Daoistin soweit?

„Wenn man Schneeflocken und Blüten fallen sieht, und die Zeit gekommen ist, den Menschen-Körper zu verlassen, so lass die Vorstellung des Verlassens aufkommen und lenke diese auf die große Leere.“

Zitat nach: Charles Luk in Alchemy and Immortality, Weiser, San Francisco 1973, Kapitel The Egress/Das Hinaustreten.

„Der Gott des langen Lebens Shoulao zeigt (die Adepten transformierend) verschiedene Gesichter“ © Harald Gsaller Laozi

„Der Gott des langen Lebens Shoulao zeigt (die Adepten transformierend) verschiedene Gesichter“
© Harald Gsaller

„Der Gott des langen Lebens Shoulao zeigt (die Adepten transformierend) verschiedene Gesichter“ © Harald Gsaller Laozi

„Der Gott des langen Lebens Shoulao zeigt (die Adepten transformierend) verschiedene Gesichter“
© Harald Gsaller

„Der Gott des langen Lebens Shoulao zeigt (die Adepten transformierend) verschiedene Gesichter“ © Harald Gsaller Laozi

„Der Gott des langen Lebens Shoulao zeigt (die Adepten transformierend) verschiedene Gesichter“
© Harald Gsaller

Harald Gsaller (geb. 1960) ist bildender Künstler und Autor und lebt in Wien. haraldgsaller.at

Die Artist’s Lecture SHOU. LONGEVITY fand am Dienstag, 29. Mai 2018 um 18 Uhr in der MAK-Schausammlung Asien statt.

Ein Beitrag von Johannes Wieninger, Kustode MAK-Sammlung Asien

Kommentare

  • Ein faszinierender Beitrag! Die Verknüpfung von Laozi’s Gedanken mit der Tiroler Bergwelt und Gsallers Performance im MAK ist wirklich inspirierend. Die Idee, den „Geist des Tals“ in den Alpen wiederzufinden, regt zum Nachdenken an. Besonders gefällt mir, wie die daoistische Meditationspraxis des Zuowang durch Bilder und Texte lebendig wird. Gsallers „Lecture-Reise“ klingt nach einem endlosen Quell neuer Erkenntnisse. Danke für diese interessante Einführung!

  • Dieser Bildbeitrag ist wirklich faszinierend! Die Verknüpfung von Laozi mit den Tiroler Bergen und Gsallers Interpretation des „Geist des Tals“ ist eine wunderbare Idee. Es ist spannend zu sehen, wie daoistische Meditationspraxis und Landschaftserinnerungen zu neuen Bild-Text-Kombinationen führen. Die Idee der endlos fortsetzbaren Lecture-Reise finde ich besonders ansprechend, da sie immer wieder neue Perspektiven auf die Objekte und ihre Bedeutung eröffnet. Eine sehr inspirierende Auseinandersetzung mit dem Thema!

  • Ein faszinierender Beitrag! Die Verknüpfung von Laozi’s Weisheit mit der alpinen Landschaft Tirols ist eine wunderschöne und unerwartete Idee. Harald Gsallers Ansatz, die daoistische Meditation des Zuowang mit der Topologie der Berge zu verbinden, regt zum Nachdenken an. Besonders interessant finde ich die Idee der „endlos fortsetzbaren Lecture-Reise“ durch Sammlungen und Galerien. Es ist beruhigend zu wissen, dass die Auseinandersetzung mit solchen tiefgründigen Themen immer wieder neue Perspektiven und Erkenntnisse hervorbringen kann. Danke für diesen inspirierenden Einblick!

  • Dieser Bildbeitrag ist wirklich faszinierend! Die Idee, Laozi und den Taoismus in den Tiroler Alpen zu verorten, ist unglaublich inspirierend. Harald Gsallers Verknüpfung von Landschaft, Text und daoistischer Meditationspraxis finde ich sehr gelungen. DieLecture-Reise durch Sammlungen und Galerien klingt unheimlich spannend. Vielen Dank für diesen Einblick in seine Arbeit!

  • Die Verbindung von daoistischer Innerlichkeit, Shoulaos Langlebigkeit und der rauen Tiroler Bergwelt wirkt wie ein stilles, überraschend starkes Gespräch zwischen fernöstlicher Philosophie und alpiner Landschaft.

  • I almost put it in the post, but I am a huge Philadelphia Flyer fan right now. I don’t really see the Sabres or Preds catching Seattle but would welcome a run from them as well.

  • Hunyuan 3D sagt:

    Sehr interessanter Artikel. Die Verbindung von Laozi und der Tiroler Kultur ist faszinierend.

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