„Künstlerischer Geist bis ins kleinste Detail“ – Die Metallarbeiten im Haus am Stubenring

Das Österreichische Museum – so die Kurzbezeichnung des ehemaligen k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, heute MAK – bildet sich buchstäblich in den Schlosserarbeiten ab: Im Ferstel-Bau begegnet man den Initialen ÖM an vielerlei Stellen. Darüber hinaus tun sich (auch hinter den Kulissen) einige schmiedeeiserne Schätze auf, schildert Anne-Katrin Rossberg, Kustodin der Sammlung Metall und Wiener-Werkstätte-Archiv des MAK, in ihrem Beitrag im Rahmen der Blogserie zum Jubiläum 150 Jahre MAK-Gebäude am Stubenring.

Fenstergitter in der Lünette des Eingangsportals am Stubenring
© MAK/A.-K. Rossberg

„Die Außenseite des Gebäudes erweckt keine glänzenden Erwartungen“, hieß es in der Tageszeitung Die Presse am Samstag, dem 4. November 1871, dem Tag der feierlichen Schlusssteinlegung im neuen – und ersten! – Museum an der Wiener Ringstraße. Damit tat man zumindest dem prachtvollen vergoldeten Fenstergitter am Eingangsportal Unrecht. Sein Ornament fügt sich aus Doppeladlern als Zeichen der Monarchie und den Buchstaben OM (nach der Schreibweise „Oesterreichisches Museum“) zusammen. Wappentiere und Initialen sind zu einem feinen Gespinst verwoben, das neben der dekorativen Wirkung auch eine inhaltliche Aussage trifft.

Betritt man das Vestibül, den Eingangsbereich des Hauses, versteckt sich auf der linken Seite hinter der heutigen Garderobe eine Tür, die zur ehemaligen Schulstiege führt. Über sie gelangten die Studierenden der dem Museum angeschlossenen Kunstgewerbeschule zu ihren Klassenräumen im Souterrain, sowie im ersten und zweiten Stock. Das Stiegengeländer des Schlossermeisters Ignaz Gridl wurde in der Tagespresse als besonders schön hervorgehoben und zu den Sehenswürdigkeiten des Neubaus gezählt. Gridl zeichnete auch für die Geländer der sogenannten Balkone über den Oberlichtsälen sowie für die Eisenkonstruktionen der Oberlichtdächer verantwortlich.

 

Ein weiteres Unternehmen wurde mit der Herstellung sämtlicher Beschläge beauftragt: Die „Hof-Kunst-Bauschlosserei und Eisenconstructions-Werkstätte“ von Albert Milde fertigte die Türgriffe, Klinken und Schlüssellochverkleidungen nach den Vorstellungen des Architekten Heinrich von Ferstel an, der den Museumsbau im Renaissance-Stil entworfen hatte. Auch hier zeigen sich wieder die Initialen des Österreichischen Museums als Corporate Identity einer Institution, die sich der „Verbindung des Schönen mit dem Zweckmäßigen“ verschrieben hatte. Milde war Gründungsmitglied des Vereins zur Förderung der Kunstgewerbeschule, der über Jahrzehnte hinweg etliche Studierende mit Stipendien unterstützen sollte. Er war außerdem einer der vielen Gewerbetreibenden, die durch Schenkungen  ihrer Produkte die Sammlung des Museums kontinuierlich bereicherten. Von Milde stammen vor allem Beschläge, darunter ein Türklopfer, von dem sich fünf Fertigungsstufen erhalten haben: vom gegossenen Rohling bis zur fertigen Montierung, wie in einem Artikel über die „Techniken des Metallkunsthandwerks im Historismus“ in der Hauszeitschrift Alte und Moderne Kunst beschrieben ist.

 

Das Monogramm ÖM ziert auch zwei große Kandelaber an der Prunkstiege, die von der Säulenhalle zur Galerie führt. Ein Sockel trägt zudem die Signatur der für die gesamte Gasbeleuchtung zuständigen Firma Scheler, Wolff & Comp. „Von gediegener Zeichnung sind die Emails“, heißt es im Katalog zur Eröffnungsausstellung, und obwohl sie nicht zur eigentlichen Schau gehörten, „erwähnen wir sie dennoch als gute Arbeiten von [Josef] Chadt. Der vergoldete Metallgrund hat einen sehr satten angenehmen Ton, ein glanzloses tiefes Goldgelb.“ Im italienischen Renaissancestil von Ferstel entworfen, ist die Idee der Emaillierung der englischen Gotik entlehnt – ein wunderbares Beispiel für den Historismus, der sich der gesamten Kunstgeschichte bediente.

 

Die ursprüngliche Beleuchtung von Scheler, Wolff & Comp. ist nur mehr in alten Ansichten erhalten. Unter jedem Joch der Umgänge hingen vierarmige Luster, es muss außerordentlich feierlich gewirkt haben. So war der anfänglich zitierte Kritiker der Gebäudefassade vom Inneren umso freudiger überrascht: Der Raum wäre eines jeden Palastes würdig.

Einen weiteren Beitrag hierzu lieferten auch die Kandelaber, die den Aufgang vom Vestibül in die Säulenhalle flankieren. Ihre Inschrift besagt, dass sie 1882 auf Bestellung des Museums von Albert Samassa aus Laibach angefertigt wurden.

 

Derselbe Samassa führte auch die Glocke aus, die bis heute um viertel vor sechs das Ende der Besuchszeit einläutet. Das Gestell dazu entwarf Hermann Herdtle, Professor an der Kunstgewerbeschule, geschmiedet wurde es vom Hof-Kunstschlosser Valerian Gillar. Sowohl das Gestell als auch die Glocke zeigen erneut die Initialen ÖM – beides wurde von den Herstellern an das Museum gespendet, die damit nicht nur dem Haus ihre Ehre erweisen, sondern auch Beispiele ihrer mustergültigen Arbeit abliefern wollten.

Rudolf von Eitelberger, Mitbegründer des Museums und dessen erster Direktor, machte in seiner Rede zur Eröffnung des Hauses am Stubenring im November 1871 deutlich, dass das „österreichische“ im Namen des Museums nicht bloß ein Titel, sondern ein Prinzip sei. Es ging von Anbeginn um nicht weniger, als den Geschmack einer ganzen Nation zu heben und Österreich eine führende Rolle im Kunstgewerbe durch (Aus-)Bildung der Herstellenden und Konsument*innen zu verschaffen. Das Museumsgebäude sollte hierfür Sinnbild sein, durchgestaltet „im künstlerischen Geiste bis in das kleinste Detail“. Zur Erinnerung an die Eröffnung und die Idee der Gründer schuf der Bildhauer Karl Radnitzky eine Bronzemedaille, die personalisiert auch den Förder*innen des Österreichischen Museums überreicht wurde.

Ein Beitrag von Anne-Katrin Rossberg, Kustodin der MAK-Sammlung Metall und Wiener-Werkstätte-Archiv

 

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