MUSEUM IN MOTION

Videos sind aus dem Alltag der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken und haben nicht zuletzt durch Social Media enorm an Bedeutung in der Kommunikation gewonnen. Jasmin Roth und Stephan Göschl vom Designstudio CIN CIN arbeiten seit 2015 an der visuellen Kommunikation des MAK mit und geben in ihrem Gastbeitrag Einblicke, wie sie diesem Trend schon früh Rechnung getragen haben.

Die professionelle Zusammenarbeit mit dem MAK begann, als die VIENNA BIENNALE 2015 nur noch wenige Wochen zu sehen war und CIN CIN mit deren Videodokumentation beauftragt wurde. Das war der Start einer bis heute anhaltenden Partnerschaft im Hinblick auf die Ankündigung von Ausstellungen in Form von kurzen Trailern.

Seitdem wurden gemeinsam mit der Marketing-Abteilung des MAK insgesamt 19 Videos realisiert. Zusätzlich kamen ein Spot für den MAK DESIGN SHOP und die MAK-Signation dazu.

Die MAK-Signation

„Die Signation sollte jedem vom Museum veröffentlichten Video vorangestellt werden, seien es Vorträge, Podiumsdiskussionen oder Hintergrundberichte, um damit einheitlich zu kommunizieren und, ähnlich wie bei bekannten Serien, gleich zu Beginn wiedererkannt zu werden”, so Jasmin Roth.

Weil eine Signation nur drei bis vier Sekunden lang ist, musste die Gestaltung umso prägnanter sein. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf dem exakten Timing und der perfekten Abstimmung von Logoanimation und Sound. Wenn wir einen Trailer erstellen, nehmen wir uns die Freiheit heraus, mit der Signation individuell umzugehen, und zwar so, dass die wenigen ersten Sekunden schon stilistisch das jeweilige Thema der Ausstellung ankündigen.

Die Essenz unendlicher Möglichkeiten

Einen Trailer zu erstellen ist insofern eine kreative Spielwiese für uns als Designer*innen, als dass zusätzlich zur grafischen Arbeit die Animation und die Verwendung von Musik unzählige Möglichkeiten bieten. Ausstellungstrailer dauern in der Regel nur zwanzig bis dreißig Sekunden. Daher ist der Umfang der Informationen, die vermittelt werden können, auf die Eckdaten wie Titel und Laufzeit beschränkt. Am wichtigsten ist es aber, dass die Essenz der Ausstellung in Bewegtbild übersetzt wird, Betrachter*innen neugierig werden und Lust auf einen Besuch im Museum bekommen.

„Als reizvoll sehen wir dabei vor allem die Herausforderung, innerhalb dieser kurzen Zeit einen klassischen Spannungsbogen in der Dramaturgie aufzubauen, oder auch mit dem Gegenteil davon zu experimentieren, nämlich die Konventionen des Storytelling bewusst aufzuheben“, so Stephan Göschl.

Der Trailer zur aktuellen Ausstellung BUGHOLZ, VIELSCHICHTIG. Thonet und das moderne Möbeldesign geht sehr abstrakt mit den ikonischen Formen der gezeigten Möbelentwürfe um.

Worauf es bei Ausstellungstrailern ankommt

Unsere Arbeit für die unterschiedlichen Ausstellungen lässt uns immer wieder in neue Themengebiete eintauchen. Da wir vom Konzept bis hin zum Dreh, dem Schnitt und der Animation alles selbst verantworten, müssen wir uns inhaltlich einarbeiten, um die jeweils richtige „Sprache“ für die Thematik zu finden. Als Ausgangspunkt dienen dabei entweder die Presseinformationen und -fotos oder Texte aus dem Ausstellungskatalog, manchmal aber auch zusätzlich der Dreh vor Ort in der Ausstellung selbst. Dieser kann, wenn überhaupt, immer erst unmittelbar vor der Eröffnung stattfinden, da bis dahin meist noch der Aufbau in vollem Gange ist.

Top Rankings am YouTube-Kanal

Die Spots, die CIN CIN zum einen für die Ausstellung SHUNGA. Erotische Kunst aus Japan und zum anderen für SAGMEISTER & WALSH: Beauty  gemacht hat, belegen die Listenplätze 1 und 2 im Ranking der meistgesehenen Videos auf dem YouTube-Kanal des MAK:

Ein Plädoyer für mehr Sichtbarkeit für Kunst, Kultur und Design

Wir sind vehemente BefürworterInnen davon, Kunst, Kultur und Design ebenso stark zu bewerben wie das die herkömmliche Werbung für Konsumprodukte tut. Jeder kennt Trailer und ihre emotionale Wirkung vor allem aus der Filmbranche. Warum sollte man dieses Potential nicht auch zur Bewerbung im musealen Kontext einsetzen? Mit unserer Arbeit wollen wir dazu beitragen, einen kulturellen Gegenpol zur Flut an kommerziellen Bildern, ob online und im visuellen Rauschen des Stadtbilds, zu schaffen.

Ein Gastbeitrag von Stephan Göschl und Jasmin Roth vom Designstudio CIN CIN – Motion, Print & Web Design aus Wien.
Website: www.cincin.at
Instagram: @cincin_vienna

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