Simone Reimitz
Von jungen Menschen, für junge Menschen: (young)MAK gestaltet kreative Angebote
Junge Ideen, frische Perspektiven und ein gemeinsames Ziel: Mit (young)MAK hat sich seit 2021 eine Community (16–26 Jahre) formiert, wo junge Menschen das Museum für ein junges Publikum interessanter gestalten. Zunächst eine kleine Gruppe von Freunden, wuchs die Community kontinuierlich an, manche kommen, manche gehen wieder. (young)MAK ist mehr als nur ein Projekt – es ist ein Sprungbrett, ein kreatives Netzwerk und ein Raum für Diskurs. Hier haben junge Menschen die Möglichkeit, ihre Ideen zu verwirklichen, spannende Kontakte zu knüpfen und hinter die Kulissen zu blicken. Das Programm steht allen offen, die das Museum aktiv mitgestalten und innovative Ideen einbringen möchten. Simone Reimitz, Projektleiterin von (young)MAK, gibt gemeinsam mit den Mitgliedern Nóra Engelputzeder und Tara Momeni Einblicke in die Entwicklung der Community, ihre Herausforderungen und die Visionen, die sie antreiben.
Simone Reimitz, MAK Mitarbeiterin der Abteilung Kommunikation und Marketing, begleitet (young)MAK als Projektleiterin von Beginn an und entwickelt den Projektrahmen und Handlungsraum kontinuierlich weiter, um auf die Anforderungen und Ideen der sich permanent wandelnden Gruppe reagieren zu können.
Tara Momeni ist seit 2022 ein Teil von (young)MAK und studiert derzeit an Universität für angewandte Kunst, Cross-Disciplinary Strategies. Mit einem tiefen Interesse an postmigrantischen Gesellschaften und den Erfahrungen der zweiten Generation beschäftigt sich Tara häufig mit Identitäten und kulturellen Dynamiken von Menschen, die zwischen mehreren Welten navigieren.
Nóra Engelputzeder ist nun seit etwas mehr als einem Jahr bei (young)MAK. Sie ist bildende Künstlerin, organisiert Kulturevents und ist Mitglied des Kunstvereins „die Große“. Sie veranstaltet monatlich das Literaturevent „Zehnminutensalon“ mit und beteiligt sich auch international, an verschiedenen kreativen Projekten. Weiters studiert sie Geschichte an der Uni Wien.
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(young)MAK Kick Off im MAK Vortragssaal
© MAK
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Plenum in der MAK Lounge
© MAK
Eine Plattform für junge Leute
Simone Reimitz
Mir war von Anfang an wichtig, den jungen Leuten eine Stimme zu geben und ich versuche sehr darauf zu achten, den Mitgliedern für ihre Ideen und ihren Einsatz etwas zurückzugeben. Wir legen großen Wert darauf, allen an Projekten oder Arbeitsgruppen beteiligten, Sichtbarkeit zu geben, auf Social Media und der MAK Website. Mitglieder haben einerseits die Chance ihr Netzwerk zu erweitern, Künstler*innen, Kurator*innen und Museumsmitarbeiter*innen kennenzulernen, aber auch Programm mitzuentwickeln und dafür auch genannt zu werden. Bei der Programmgestaltung werden die Ideen der jungen Leute, die wir in Arbeitstreffen austauschen und weiterentwickeln, umgesetzt und das bisher mit großem Erfolg. Die Reihe Open Häkeln entwickelte sich zu zahlreichen anderen Open Formaten weiter.
Nóra Engelputzeder
Ja so bin auch ich zu (young)MAK gestoßen und darauf aufmerksam geworden. Mein Kollektiv „die Große“ wurde angefragt, bei einem Open Poetry Format dabei zu sein. Das war für unser Kollektiv eine super Chance in der MAK Säulenhalle eine neue Plattform zu bekommen.
Simone Reimitz
Und im Endeffekt hatten wir über hundert Besucher*innen, die Veranstaltung war ein großer Erfolg. Genau das ist glaube ich das Geheimrezept. Junge Leute, die junge Leute fördern und ihren Ideen und Vorschlägen Vertrauen schenken. Tara wie bist du eigentlich auf (young)MAK aufmerksam geworden?
Tara Momeni
Ich war damals zufällig auf der ersten (young)MAK Party (lacht).
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Open Häkeln in der MAK Säulenhalle
© MAK
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Open Häkeln in der MAK Säulenhalle
© MAK
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(young)MAK Party im Rahmen der Eröffnung La Turbo Avedon
© MAK/Johannes Hloch
Die Freiheit, mitzugestalten
Simone Reimitz
Und was hat dich an (young)MAK dann interessiert oder welche Chance hast du für dich gesehen?
Tara Momeni
Damals habe ich noch Kunstgeschichte studiert, und jeder Blick hinter die Kulissen einer Kulturinstitution war für mich eine große Hilfe, um mir meine berufliche Zukunft besser vorstellen zu können. Ich komme nicht aus einem Haushalt von Museumsgänger*innen, daher war das Museum als Institution für mich immer ein großes Geheimnis. Meine Einstellung war, so viel wie möglich dabei zu sein und dazuzulernen. Seit meiner Zeit bei (young)MAK habe ich wirklich viel gelernt. Es ist spannend zu sehen, wie eine so große Institution funktioniert – mit all ihren Regeln und Abläufen. Gleichzeitig hatten wir als Mitglieder die Freiheit, Veranstaltungen mitzugestalten, Leute einzuladen und wirklich tolle Events zu organisieren – unterstützt durch das gesamte Haus.
Nóra Engelputzeder
Ja es ist interessant und eine tolle Möglichkeit, die Institution im Hintergrund zu haben, die Location, die Website, die Mitarbeiter*innen, die uns bei der Umsetzung unserer Ideen unterstützen.
Tara Momeni
Aber es gibt natürlich auch Hürden durch die traditionell etablierten Strukturen, die man aufbrechen und hinterfragen muss. Wir haben uns auch oft die Frage gestellt, wie wir trotz unserer Positionierung innerhalb einer Institution kritisch und gesellschaftlich relevante Themen besprechen und vertreten können.
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Internes (young)MAK Come Together
© MAK
Visionen und Herausforderungen
Simone Reimitz
Ja stimmt, aber fangen wir von vorne an. Im letzten Jahr hat die Gruppe das Thema Diversität stark ins Zentrum der Diskussionen gerückt.
Tara Momeni
Ja, ab einem bestimmten Punkt haben wir uns die Frage gestellt, wie können wir diese Ressourcen, die uns (young)MAK bietet auch für Menschen zugänglich machen, die von der etablierten Kunst- und Kulturszene ausgeschlossen werden. Eine eigene Arbeitsgruppe, hat sich mit der Entwicklung eines Code of Conducts auseinandergesetzt, ein Workshop von D-Arts hat uns dabei unterstützt uns die richtigen Fragestellungen in Bezug auf die drei Ps (Programm, Publikum und Personal) zu stellen.
Nóra Engelputzeder
Ja also haben wir uns in einem ersten Schritt einmal selbst hinterfragt: Wer sind wir eigentlich? Zu diesem Zeitpunkt war unsere Gruppe noch sehr homogen und wir haben uns zum Ziel gesetzt, den Versuch zu starten, da etwas aufzubrechen. Wir haben diese Fragestellungen auch bei unserem Open Call eingebaut um dadurch gezielt Menschen anzusprechen, die ebenfalls eine offenere Kunstwelt mitgestalten wollen.
Simone Reimitz
Und findet ihr das hat funktioniert?
Tara Momeni
Natürlich ist das ein längerer Prozess, der nicht von heute auf morgen passiert. Es hat auf jeden Fall zu einem neuen gemeinsamen Nenner beigetragen, der gewisse Grundprinzipien sicherstellt. Es war ein wichtiger Schritt unsere neuen Leitlinien festzulegen und der neuen Gruppe beim Kick-Off im Herbst vorzustellen.
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Open Kino by (young)MAK mit dem Filmteam von EDELWEISS. Ein kritischer Liebesbrief an Österreich, 2023
© MAK
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Open Poetry mit dem Zehn-Minuten-Salon, 2023
© MAK
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Open Poetry mit dem Zehn-Minuten-Salon, 2023
© MAK
Simone Reimitz
Du meinst auch die Grundsätze zu überlegen nach denen wir Künstler*innen auswählen?
Tara Momeni
Ja, es geht darum zu überlegen, welche Fragen stelle ich mir, wenn ich Künstler*innen einlade. Wir wollen bei der Auswahl sicherstellen, dass ihre Positionierung gesellschaftlich relevant ist und dass wir dadurch auch Themen ins Museum bringen können die andernfalls vielleicht keinen Raum finden in etablierten Kulturinstitutionen.
Nóra Engelputzeder
Um in diesem Zusammenhang möglichst authentisch und erfolgreich zu bleiben, ist es wichtig, unseren Code of Conduct als „lebendes“ Dokument zu sehen, das sich permanent weiterentwickelt. Es bringt nichts, sich einmal Regeln des Miteinanders aufzuschreiben und dann stur danach zu handeln. Der Code of Conduct ist ein Versprechen, dass wir unsere Werte stets neu verhandeln und wir uns als Kollektiv immer weiterbilden müssen. Wir haben etwa beim letzten Plenum die Fragen, die wir uns bei der Programmgestaltung stellen wollen, gemeinsam weitergedacht: „Wie steht es um die gesellschaftliche Relevanz des Programms? Greift es zeitgenössische Fragen auf? Wen wollen wir mit dem Programm erreichen?“
Simone Reimitz
Hier ist es uns aber auch wichtig nicht zu komplex zu werden und den Prozess der Ideenfindung nicht zu analytisch zu denken, auch kreativ bleiben zu können, aber eben mit den Fragen im Hinterkopf. Oder?
Tara Momeni
Ja, ich glaube, dass wir uns manchmal in kleinen Definitionsdebatten verloren haben, aber das Gehört auch zu dem Prozess, in dem wir uns befinden. Das Wichtigste ist, dass wir uns alle bewusst sind, dass dieser Prozess länger anhalten wird und dass wir sicherlich auch Fehler machen werden, aus denen wir hoffentlich lernen, um unseren Prozess zu verbessern. Es ist wichtig, den Raum für Diskussionen trotzdem offen zu halten, um uns weiterzuentwickeln und dabei die Kreativität nicht zu bremsen.
Nóra Engelputzeder
Ja es stimmt schon, dass bei uns das Kreative im Zentrum steht, junge Menschen, die sich ausleben möchten. Aber da wir das nicht in einem luftleeren Raum machen, hat unser Schaffen eben politische Implikationen. Es liegt an uns, Vorurteile und angelernte Unterdrückungsmechanismen in uns selbst abzubauen und nicht blind den gesellschaftlichen Handlungsmustern zu folgen. Für uns als (young)MAK ist es umso wichtiger, dass wir uns nicht auf lang existierenden Strukturen ausruhen, sondern unseren Handlungsspielraum nutzen, um Veränderung einzuleiten. Und ich denke, dass wir mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung unserer Werte und das riesige Potential von Kunst generell viel besser ausschöpfen können! Da braucht(e) es eben einiges an Denken, Reden, und Unterstützung von Expert*innen wie D-Arts. Wichtig ist aber, dass wir kontinuierlich, schrittweise auch entsprechend handeln. Ach, ich freu mich auf unsere weiteren Projekte.
Simone Reimitz
Und das Bemerkenswerte ist, wie diese neuen Blickwinkel auch auf die Institution wirken. Sowohl beim Austausch mit den Kurator*innen oder Mitarbeiter*innen entstehen Fragen, Diskussionen, Denkanstöße, die wieder zu einer Bewegung beitragen. Und darum finde ich geht es als Museum, wenn wir sozial und gesellschaftlich relevant bleiben wollen. Uns zu trauen, uns wirklich zu öffnen und in Diskurs mit dem (jungen) Publikum zu treten, um von ihm zu lernen.
Ein Beitrag von Simone Reimitz, MAK Mitarbeiterin der Abteilung Kommunikation und Marketing, Projektleitung (young)MAK
Sehr spannend und Mega wichtig junge Menschen mit ein zu beziehen!