Only Online: Das MAK rollt die Teppiche aus! Geknüpft-gewebtes im Web

15. Februar 2024

Forschung & Sammlung

Christian Michlits

Wie bereits am MAK Blog berichtet, bringt das MAK derzeit Dank des vom BMKÖS geförderten Projektes „MAK 3D – Digitalisate, Daten, Display“ erste 3D-Modelle einem interessierten Publikum zum Greifen nahe. Dabei dringt das Digitale MAK in beinahe alle Sammlungsbereiche vor. In einem wichtigen Abschnitt knüpfen wir nun bei den Teppichen an.

Wiener Jagdteppich, Detail, Safawidenreich, Zentraliran, Kashan, 1. Hälfte 16. Jh.
687 x 331 cm, ehemals Kaiserhaus, übernommen 1922
© Lois Lammerhuber/MAK

Bedeutung
Die MAK Sammlung Textilien und Teppiche zählt zu den wertvollsten und umfangreichsten ihrer Art. Die im MAK aufbewahrten Textilien umfassen die Zeit von der Spätantike bis heute; sie umspannen den Globus mit Stücken aus fast allen Teilen Asiens und Europas bis hin nach Südamerika. Im Zuge des Projektes konnten nun 20 Highlights des bedeutsamen Sammlungssegments Teppiche hochauflösend digitalisiert werden. Bis zur Neuaufstellung der MAK Schausammlung Teppiche im Jahr 2025 sind diese exquisiten Objekte nur online, dafür aber rund um die Uhr zu bestaunen.

Im Zuge des Projektes wurden zur selben Zeit auch die ersten acht von (bis zu Projektende) fünfzehn Kleidungsstücken von Dominic Juchum von der Firma Digilithic photogrammetrisch erfasst und auf Sketchfab eingespielt.

Photogrammetrie
Was ist eigentlich Photogrammetrie? So bezeichnet man Messmethoden, um aus Fotografien durch Bildmessung Form und Lage eines Objekts zu bestimmen. Das Ergebnis wird meistens als digitales Modell dargestellt.

Highlights der MAK Teppichsammlung: Photogrammetrische Aufnahmen

Provenienz
Doch nun bleiben wir einmal auf dem Teppich: 1907 kam mit Arthur von Scala ein bedeutender Teil der Teppiche aus dem ehemaligen Orient- bzw. Handelsmuseum ins MAK. Der bekannteste Teil der heutigen Sammlung gelangte auf einen Schlag wenige Jahre später ins Haus: Rund ein Drittel der Teppiche übernahm das MAK nach Ende des Ersten Weltkriegs aus dem Besitz der Habsburger.

Hintergrund
1891 fand im Gebäude der heutigen Wiener Börse die große Orientteppichausstellung des Handelsmuseums statt, zu der der bekannte Kunsthistoriker und MAK Kustode Alois Riegl einen Katalog verfasste. Unter den Exponaten befand sich der legendäre Wiener Jagdteppich (1. Hälfte 16. Jh., T 8336) sowie der einzige bekannte seidene Teppich aus der Dynastie der Mamluken (um 1500, T 8332).

Vergleichsweise spät fand der nach vogelähnlichen Motiven benannte, weißgrundige Teppich Vogel-Uschak (16. Jh., T 10780) seinen Weg ins MAK (1971). Zwar befanden sich gemäß Inventar weißgrundige Teppiche auch im Besitz der Habsburger, diese sind allerdings nicht erhalten.

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Wiener Jagdteppich (1. Hälfte 16. Jh.)  T8336 by MAK – Museum of Applied Arts, Vienna on Sketchfab

Der Spiralrankenteppich mit Tieren aus der Herat-Gruppe stellt ein Prunkstück der Safawidischen Hofkunst dar (T 8334). Der im 16. Jahrhundert in Herat entstandene Teppich wirft ein Licht auf ein dunkles Kapitel der Museumsgeschichte. Während der Weltwirtschaftskrise der 1920er Jahre kam es zu Veräußerungen von Prunkstücken der Sammlung. Über 40 Teppiche gelangten in den Handel. Der sogenannte „Emperor’s Carpet“ (16. Jh.) – das Pendant zu diesem Stück – befindet sich daher nach Umwegen heute im Metropolitan Museum in New York. Das Teppich-Paar wurde also vor knapp 100 Jahren (1925) getrennt.

Umsetzung
Ziel dieses Teilprojektes war es nun, einige dieser Highlights der Teppichsammlung digital zu präsentieren, ehe die Teppiche wieder einen festen Ort im Bereich der Dauerausstellung erhalten. Wir wollten einerseits den wissenschaftlichen Zugang bedienen und die Teppiche so hochauflösend scannen, dass ihre motivischen Details und die Knüpftechnik, die diesen Teppichen zu Grunde liegt, mittels Zoom-Funktion ergründet werden kann. Andererseits sollten die Teppiche als 3D-Modell auch von unterschiedlichen Winkeln betrachtet werden können.

Für die Umsetzung der photogrammetrischen Teppichaufnahmen wurde die Firma 7reasons beauftragt. Hausintern mussten wir einen Raum finden, der groß genug war, dass möglichst zwei Teppiche gleichzeitig aufgelegt werden konnten. Dadurch konnte dann immer ein Teppich von den Expert*innen des MAK aufgelegt, gewendet bzw. weggeräumt werden, während ein anderer gerade unter der Linse war. Der gesuchte Raum musste zudem einheitlich beleuchtet sein. Lichtschwankungen konnten die Messungen erschweren und ein anders beleuchtetes Detailfoto alle Aufnahmen eines Teppichs ruinieren. Glücklicherweise fand sich eine Woche in den Herbstferien, in der die untere Ausstellungshalle des MAK zur Verfügung stand. Das nutzten wir gleich dreifach, denn auch das hausinterne 3D-Scannen sowie die Aufnahme der ersten Kleidungsstücke verlegten wir zeitlich und räumlich dahin.

Schließlich war es so weit und die Expert*innen der Firma 7reasons rückten mit einer eigens für das MAK-Projekt entwickelten Web-Cam (das „e“ im Sinne des Wortspiels bitte lang lesen) an, mit der Details bis in den letzten Knoten aufgenommen werden sollten. Christian Sovis von 7reasons hatte dafür eine fahrbare Brücke mit einer Kamera konstruiert und vor Ort zusammengebaut.

In regelmäßigen Abständen wurden überlappende Detailaufnahmen der Teppiche angefertigt, die später vom Computer zusammengerechnet wurden. Jeder Teppich wurde von der Vorderseite sowie der Rückseite aufgenommen, um zukünftige wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit den Objekten durch ihre Darstellung im digitalen Raum zu erleichtern.

Die Durchführung erfolgte dank der präzisen Vorbereitung seitens der Firma und des MAK deutlich schneller als gedacht, so dass spontan anstelle der fünfzehn geplanten Highlights zwanzig erfasst werden konnten.

 

Gewebtes im Web
Für den 3D-Projektteil lässt sich der Fortschritt übrigens auf unserer Sketchfab-Seite mitverfolgen.

Sketchfab-Links:

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MAK Teppichsammlung – Carpets Collection
by MAK – Museum of Applied Arts, Vienna
on Sketchfab

Ausblick
Auf keinen Fall wollen wir unter den Teppich kehren, wie es mit dem Projekt weitergeht. Ende Jänner wurden die übrigen sieben für das Projekt vorgesehenen Kleidungsstücke von der Firma Digilithic photogrammetisch erfasst. Neben der weiteren internen Erfassung quer durch die Sammlung sind als Highlights die – ebenfalls zusammen mit der Firma 7reasons umgesetzten – Prunkstücke, nämlich der Roentgenschrank (1775 bis 1776, H 269) und ein Puppenhaus (19. Jh., H 1724-1) zu erwähnen. Zudem wird in der MAK Bibliothek und Kunstblättersammlung gerade der Nachlass der bedeutenden österreichischen Architekturpionierin Anna Lilja-Praun digitalisiert.

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