Was können wir von Corona lernen?

Unter dem Motto Lernen von Corona lädt das MAK FUTURE LAB zur offenen und individuellen Teilnahme an einem neuen Ausstellungssetting im MAK FORUM ein: Seit dem 17. Juni 2020 wächst die Installation Lernen von Corona mit den Beiträgen der BesucherInnen. Im Interview verrät Janina Falkner, Neue Lernkonzepte, MAK, die Inhalte und Resonanzen der partizipativen Ausstellung.

 

MAK: Wie kam es zur partizipativen Ausstellung Lernen von Corona im Rahmen des MAK FUTURE LAB?

Janina Falkner: Das Format MAK FUTURE LAB beinhaltet vor allem diskursive und interaktive Angebote, wie Veranstaltungen, Workshops, Hackerthons/interdisziplinäre Forschungstage. Besonders in diesen krisenhaften Zeiten wollten wir auf diskursive Teilnahmemöglichkeiten, die wir als Kernaufgabe des MAK FUTURE LAB sehen, nicht verzichten – das allerdings unter Berücksichtigung der Corona Schutz-Richtlinien.

Zudem lag natürlich das Thema auf der Hand. Corona zeigt auf so viele Weisen die Fragilität unseres Zusammenlebens auf, es macht so manches sichtbar, was schon lange problematisch ist. Im MAK DESIGN LAB ist es uns ein Anliegen, unsere BesucherInnen in ihrer/seiner Rolle als „ZukunftsdesignerInnen“ anzusprechen. Corona betrifft uns alle – ein guter Moment um auch voneinander zu lernen.

Das MAK FUTURE LAB positioniert Design als Motor gesellschaftlicher Veränderung – gegenwärtig speziell im Hinblick auf die Klimakrise und einen notwendigen Wandel unseres Ressourcen-intensiven Lebensstils, der auf Kosten unseres Lebensraums und unserer Lebensqualität geht. „Wie geht Veränderung?“ so lautet die Frage, die uns im Rahmen des MAK FUTURE LAB fortlaufend beschäftigt. Durch den Stillstand während der Pandemie kam es zu Änderungen von Gewohnheiten und Alltagsmustern. Dadurch setzen wir uns alle nicht nur konzeptuell mit alternativen Alltagsszenarien und Ideen von Gesellschaft auseinander, sondern ob wir wollen oder nicht, erlebten und erleben wir diese am eigenen Leib. Manches davon geht vielleicht leichter als gedacht, für einiges sind wir sogar dankbar, anderes inspiriert uns zu einem anhaltenden Umdenken. Vieles zeigt uns deutlich, was wir zwar als Ausnahme akzeptieren können, aber nicht als neues Normal. Insofern liegt es nahe, dass wir uns die Veränderungen während des Lock Down und danach, die wir alle sehr unterschiedlich und doch gemeinsam erlebt haben und erleben, bewusstmachen, sie nicht vergessen, davon und vor allem mit- und voneinander lernen!

Das Format einer Mitmachausstellung ist simpel, aber wie wir glauben, dafür geeignet.

 

MAK: Die Ausstellung lädt zu einer offenen und individuellen Teilnahme ein. Was können die BesucherInnen im Zuge der Ausstellung erleben? Welche Themen werden behandelt?

JF: 22 Fragestellungen, Statements, Zitate stehen analog zu Verfügung. BesucherInnen können sich mit spezifischen Aspekten und möglichen Konsequenzen der Pandemie und des Lock Down auseinandersetzten, ihre Beiträge hinterlassen, um von anderen rezipiert zu werden. Worksheets wurden dazu von LWZ gestaltet. Es geht um Fragen, wie wir seit Corona über Arbeit, Schule, Wohnen, Klimamaßnahmen, ökologisches und soziales Verhalten, und Wirtschaftswachstum nachdenken, wie sich unsere Zeiteinteilung verändert, was wir mehr wertschätzen oder Angst haben zu verpassen, und vieles mehr.

 

MAK: Was können das MAK als Museum und die künstlerischen Disziplinen zur Frage der Krise als Chance zur Veränderung beitragen?

JF: „Learn to Unlearn“ heißt ein Projekt der Designerin Lina Marie Köppen, das wir im MAK DESIGN LAB zeigen. Es gehört zu einer der Rollen von gegenwärtigem Design, Gewohnheiten zu verändern, um Muster aufzubrechen und neue Lösungsansätze zu wagen. Krise zwingt uns andere Wege zu gehen. Das MAK setzt sich aktiv mit Innovationen und herausfordernden Lebensbedingungen auseinander, die unser Zusammenleben gefährden, deren bewusster, kritischer und sinnvoller Umgang aber auch Chancen bieten kann, unsere sozioökologischen Gefüge zum positiven zu verändern. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Klimawandel fordern uns auf umzudenken, kreativ zu sein, zu handeln, aktiv zu gestalten. Als Museum für angewandte Kunst sehen wir es als Aufgabe, uns mit Herausforderungen, Krisen, Konsequenzen und deren Gestaltungsprozessen kreativ auseinanderzusetzten, Mut und Lust zur aktiven Teilnahme zu machen, nicht nur zu informieren, zu inspirieren und sondern auch zu aktivieren.

 

MAK: Und was können wir aus Sicht der BesucherInnen lernen? Welche Beiträge wurden von den BesucherInnen eingebracht?

JF: Die Reaktionen sind erfreulicherweise zu vielfältig, um sie in ein paar Sätzen zusammenzufassen, was es ja auch interessant macht, sich die Reaktionen vor Ort anzusehen – auch deshalb, weil vieles kreativ gestaltet und zeichnerisch hinterlassen wurde und wird.

Das Thema stößt jedenfalls auf Resonanz bei den TeilnehmerInnen. Die Frage der Solidarität scheint viele zu beschäftigen. Auch wenn der Wunsch nach Gemeinschaft da ist, und die Krise das Gefühl der Solidarität stärkt, wirken einige skeptisch, was die Langfristigkeit betrifft. Dass Menschen letztlich von Corona gelernt haben werden, immer genug Klopapiervorrat zuhause zu haben, lautet zum Beispiel so ein kritischer Kommentar dazu. Die Forderung von Corona für die Klimakrise zu lernen, liest sich häufig. Eine TeilnehmerIn schreibt, dass er/sie Soziale Medien zum ersten Mal als sozial wahrgenommen hat. Der Ruf nach Digitalisierungskompetenz in den Schulen liest sich häufig, der Wunsch nach Reform des Bildungssystems hat Stimmen. Das Zeitdiagramm (wie habe ich meine Zeit vor und in dem Lock Down verbracht und wie stelle ich es mir in Zukunft vor) wird gerne befüllt. Dazu, wie der Lebensraum Stadt und das Verhältnis von Stadt und Land neu gedacht werden kann, habe ich Skizzen von grünen Flächen, Bäumen, Bewegungsraum und Fahrrädern gesehen. „35 Stunden Arbeit reichen“ war eine Meldung, oder die Forderung nach einem Universal Basic Income. Auf die Fragen wie wir dem Wachstumszwang entkommen können, lautet eine Reaktion: „Niemand zwingt uns zu wachsen!“. Darauf hätte ich persönlich gern geantwortet: „Eben doch! das ist das Problem, dass Dinge die wir nicht mehr wollen, unsere Existenzgrundlage sind“. Aber die TeilnehmerIn hat recht und wirft eine wichtige Frage auf. Wer zwingt uns?

 

MAK: Mit welchem mentalen Mehrwert sollen die BesucherInnen die Installation im MAK FORUM verlassen? Was bleibt von Lernen von Corona, wie geht das MAK mit den Beiträgen um?

JF: Es geht uns darum, das gesellschaftlich unglaublich präsente Thema COVID-19 im Kontext von Inhalten wie Arbeit, Pflege, Digitalisierung, Gestaltung von Alltag und Lebensraum und vor allem Klimawandel, die wir im MAK DESIGN LAB und in der neuen CREATIVE CLIMATE CARE GALERIE ansprechen, zu positionieren. Wir hoffen, dass die Mitmachausstellung nicht nur einen Beitrag leistet, Design erweitert zu denken, sondern den Umgang mit der Corona-Pandemie bewusst als Gestaltungsaufgabe wahrzunehmen. Zum Nachdenken und Darüber reden anzuregen ist nur ein Aspekt. Wir gewinnen interessante Stellungnahmen von unseren BesucherInnen, die uns in unserer laufenden und lebendigen Auseinandersetzung mit Gegenwarts- und Zukunftsfragen beschäftigen werden.

 

Die MAK-Ausstellung Lernen von Corona im Rahmen des MAK FUTURE LAB ist noch bis 27. September 2020 im MAK FORUM zu sehen.

Das Interview führte Cäcilia Barani, MAK-Presse und Öffentlichkeitsarbeit

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