Barbara Karl im Interview

Am 8. April öffnet die neugestaltete Schausammlung Teppiche wieder ihre Türen.
Wir haben uns mit Barbara Karl, Kustodin der Sammlung Teppiche und Textil unterhalten.

© MAK

 

 

Was ist für Sie persönlich das faszinierende an Teppichen? Woher kommt Ihr Interesse und wie würden Sie Ihren Zugang beschreiben?
Ich soll in wenigen Sätzen antworten… das ist bei der vielschichtigen Faszination, die die Objekte ausstrahlen, schwierig. Abgesehen davon, dass die Teppiche der Sammlung einzigartige Objekte von unvergleichbarer Qualität und Schönheit sind, bemühe ich mich um einen rationell wissenschaftlichen Zugang. Faszinierend ist neben der Farben und Formenvielfalt speziell die Tatsache, dass man an den Teppichen auch die Verbindungen zwischen unterschiedlichen Kultursphären nachvollziehen kann.

Was gefällt Ihnen persönlich am besten an der Neugestaltung? Gibt es ein Lieblingsobjekt?
Es ist wunderbar wie Michael Embacher das inhaltliche Konzept, das internationale Vernetzungen hervorstreicht, ins vernetzende Raumkonzept umsetzt!

Welche fünf Adjektive fallen Ihnen zur Neuaufstellung ein?
Zu viele!!

Gibt es zu einem Teppich eine schöne Geschichte?
Es gibt zu fast jedem Teppich, dessen Provenienz bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar ist, Geschichten. Eine große Anzahl von Objekten stammt aus dem Besitz der ehemaligen Herrscherdynastie der Habsburger und diente ehemals repräsentativen Zwecken.

Wie konstant ist die Auswahl der Objekte? Sind Wechsel in regelmäßigen Abständen angedacht?
Die Präsentation soll in regelmäßigen Abständen verändert werden. Wir gehen von ca. 3 Jahren aus.

Gibt es interessante Neuzugänge in der Sammlung aus den letzten Jahren?
Die Kosten für gute historische Teppichen sind so hoch, dass Ankäufe derzeit leider nicht in Frage kommen.

Teppiche waren auch immer Teil eines Austauschs zwischen Asien und Europa. Wie kann die Reise eines Teppichs aussehen?
Er wurde in Kairo gefertigt, auf dem Nil nach Alexandria transportiert, dort auf ein venezianisches Schiff verladen. In Venedig an einen Agenten des Kaisers verkauft und nach Wien transportiert. Das dauerte.

 

 

 

Zukunft mit Vergangenheit. Das MAK im 150. Jahr


© MAK

Von seinen Gründungsintentionen her war das 1863 initiierte k. k. Österreichische Museum für Kunst und Industrie eine Institution, die auf Innovation ausgerichtet war. Kritik an bestehenden Kunstmuseen im 19. Jahrhundert ebenso wie Forderungen, auch die Herstellungsverfahren der Ausstellungsstücke in den Museen angemessen zu berücksichtigen, führten zu neuen Ideen für eine angemessene museale Präsentation von Erzeugnissen der angewandten Kunst.

Gottfried Semper entwickelt im Jahr 1852 seinen „Idealplan“ für ein fiktives „metallotechnisches“ Museum. Semper projektierte nicht weniger als ein universelles Museum, dessen „historisch, ethnografisch und technologisch“ geordnete Sammlungen einen „Längsschnitt, Querschnitt und Grundriss“ durch die gesamte Kulturwissenschaft geben sollten. 150 Jahre Sammeln, Dokumentieren, Ausstellen bilden auch einen Wandel des Objektwertes in allen Dimensionen des Wortes „Wert“ ab. Die Sammlungen des MAK sind kultureller Beleg dieses Wandels. Auch als im Museum im wissenschaftlichen Bereich Beschäftigter macht man und denkt man diesen Wandel mit. Im besten Fall ist man Teil der Veränderung, im schlechtesten Fall wird man verändert. In jedem Fall wünschenswert ist das MAK als lebendige Institution im Austausch mit seinen BesucherInnen und NutzerInnen. Die Hausgeschichte des MAK ist auch Objekt- und Ideengeschichte, und es liegt an uns, die Objekte und die dahinterstehenden Ideen den BesucherInnen näherzubringen, die uns faszinieren. Keine Zukunft ohne Kenntnis der Vergangenheit. [RF]

 

 

Kurzinterview mit Johannes Wieninger, Kustode MAK-Sammlung Asien

Anlässlich der Neuaufstellung der MAK-Schausammlung ASIEN. China – Japan – Koreahaben wir mit Johannes Wieninger, dem Kustoden der Asien-Sammlung des MAK, gesprochen:

© MAK

 

Beschreiben Sie in fünf Stichworten die neue MAK-Schausammlung Asien!
• Die Sammlung ist Teil einer künstlerischen Arbeit.
• Tageslicht.
• Ein einmaliges Raumerlebnis, auf das man sich einlassen muss.
• Grafische Arbeiten sind in die Dauerausstellung integriert.
• Holz und Glas sind die einzigen verwendeten Materialien.

Wie kann man sich die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Tadashi Kawamata im Zuge der Neugestaltung vorstellen?
Wir haben Kawamata angesprochen und er hat zugesagt. Da er im letzten Jahr sehr viele Projekte verwirklicht hat, war es keine kontinuierliche Diskussion. Wir haben einander in Paris und Wien mehrmals getroffen, und praktisch ab der ersten Skizze Ideen entwickelt. Kawamata hat seine Raumidee zur Diskussion gestellt, als Antwort habe ich ein inhaltliches Konzept formuliert. Es war also ein Prozess, Idee und Konzept wurden in E-Mails kommuniziert und bei persönlichen Begegnungen konkretisiert.

Wie viel Zeit benötigt die Vorbereitung eines Projekts dieser Größenordnung?
Eineinhalb Jahre.

Was gefällt Ihnen persönlich am besten an der Neugestaltung?
Die Zusammenarbeit mit Künstlern habe ich seit 2009 laufend praktiziert – erstmals im Rahmen der Ausstellung CHAWAN. Teeschalen, damals hat Heinz Frank einige seiner Objekte präsentiert.
Mit Tadashi Kawamata verlassen wir die Stufe der „Parallelaktionen“, die Sammlungspräsentation wird mit der Arbeit des Künstlers verschmelzen. Das stellt eine neue Qualität für beide dar – für die MAK-Sammlung wie auch für Kawamata.
Möglicherweise werden einige BesucherInnen, solche, die vor allem traditionelle Aufstellungen bevorzugen, enttäuscht sein – dann wird es an uns liegen, ihnen dieses Konzept näherzubringen. Es ist eine Herausforderung für die Kunstvermittlung, es wird möglicherweise auch Diskussionen geben, wie man mit einer musealen Sammlung umgehen soll.

Am 19. Februar gibt es im Anschluss an den Vortrag von Tadashi Kawamata noch ein Q&A mit Tadashi Kawamata und Johannes Wieninger.
Der Vortrag wird live gestreamt, Fragen können via twitter (#askkawamata) und über unsere Facebookpage eingesendet werden.

Was macht künstlerische Forschung?

Out of the Box – Die aktuelle Ausstellung der Universität für angewandte Kunst Wien wirft Fragen zur Praxis der künstlerischen Forschung auf. Wie können neue wissenschaftliche Erkenntnisse durch Kunst entstehen?

© ecm/Universität für angewandte Kunst Wien

© ecm/Universität für angewandte Kunst Wien

Mit Hilfe von zehn Projekten können sich die BesucherInnen selbst ein Bild davon machen, wie künstlerische Forschung funktioniert. In Workshops, Vorträgen, Rundgängen und zusätzlicher Literatur wird im Rahmen der Ausstellung die Möglichkeit der ausführlichen Beschäftigung mit Fragen an die künstlerische Forschung geboten.

© ecm/Universität für angewandte Kunst Wien

© ecm/Universität für angewandte Kunst Wien

© MAK

Im Zuge des Projekts NO-ISBN von Bernhard Cella können BesucherInnen beispielsweise vor Ort ein Buch mit Hilfe einer Heidelberger Druckmaschine drucken.

Neben den Installationen finden die BesucherInnen auch 28 Begriffe im Raum, die die Kunstforschung beschreiben. Diese Wörter lassen eine Vielzahl an Kombinationen zu, die die Vielfältigkeit der künstlerischen Forschung und ihrer Projekte symbolisieren sollen.

© MAK

© faksimile_digital/kainz

Die Projekte wurden im Laufe eines Open Call von KuratorInnen des /ecm-Lehrgangs  eingereicht und schließlich wurden zehn Installationen ausgewählt, die nun in der Ausstellung zu besichtigen sind. Jene Projekte, die nicht ausgestellt sind, werden im Out of the Box-Blog vorgestellt.

 

 

 

23/11 ARCHITEKTUR

MAK-Schausammlung 20./21. Jahrhundert Architektur

MAK-Schausammlung 20./21. Jahrhundert Architektur

Architektur
Kustodin MAK-Sammlung Gegenwartskunst: Bärbel Vischer
Impulsreferate

Jakob Dunkl, Architekt, Wien
Marie-Therese Harnoncourt, Architektin, the next ENTERprise – architects, Wien
Christian Kühn, Institut für Gebäudelehre / Studiendekan, Technische Universität Wien
Dietmar Steiner, Direktor, Architekturzentrum Wien
Mittwoch, 23. November 2011, 12.30–14.30 Uhr

MAK-Säulenhalle

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