TELL US YOUR STORY

Wir feiern unseren 150. Geburtstag und suchen Geschichten, Filme und Fotos für eine filmische Retrospektive.

© MAK/Wißkirchen

Zum Jubiläum werfen wir einen Blick zurück:
Wie hat sich dieser Ort der Kunst, der Interaktion und der Interkreativität in der kollektiven Erinnerung seiner BesucherInnen erhalten? Was ist an Filmen, Fotografien, Souvenirs oder Memorabilien über die Jahre erhalten geblieben?

 

Für die filmische Retrospektive suchen wir nun private, historische Fotos, Filme und Erinnerungsstücke. Der österreichische Künstler, Kurator, Kunst- und Medientheoretiker Peter Weibel wird das eingelangte Material zu einem künstlerischen Film verdichten. Im Oktober 2014 wird der Film im Rahmen einer MAK-Veranstaltung und in Anwesenheit von Peter Weibel präsentiert.

„Fotografien und Filme zeigen, was die Menschen interessiert hat und belegen den Bedeutungswandel des MAK vom Schaufenster der Industrieproduktion zum Design- und Kunstmuseum“, erläutert Peter Weibel sein Interesse an diesem Projekt.
Kollektive Erinnerungen gehören zum Kern jeder Kultur. Vor dem Hintergrund seiner traditionsreichen Geschichte möchte sich das MAK als Teil des kulturellen Gedächtnisses darstellen.

 

 

Einreichungen und Fragen jeglicher Art an:

MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst
Stubenring 5, 1010 Wien
150Jahre@MAK.at

Einreichungen bis zum 30. Juni 2014
Filmpremiere: Oktober 2014

Zur Neuaufstellung der Teppichsammlung

Das Datum der Eröffnung rückt näher, die Planung steht, die letzten Ungewissheiten sind beseitigt. Bleibt die Hoffnung, dass alles glatt geht.

© MAK

 

Die Neuaufstellung bedeutet einen riesigen Aufwand für die Textilabteilung. Im Vorfeld wurde die Textilrestaurierung verstärkt um einige der Teppiche für die Präsentation zu bearbeiten. Stücke wurden gewaschen, Altrestaurierungen beseitigt, Fehlstellen kaschiert, Klettbänder aufgenäht. Insgesamt sind während der Vorbereitungszeit fünf Restauratorinnen um das Wohlergehen der Teppiche bemüht.

© MAK

Der Platz ist knapp. Zudem werden die kuratorischen Konzepte überdacht, verworfen, ergänzt. Texte werden verfasst, lektoriert, verändert und schließlich gedruckt. Sitzungen, Meetings, Begehungen. Einerseits kommt es zu unerwarteten Verzögerungen, andererseits lösen sich manche Probleme von selbst; die Arbeit bleibt dennoch ein Kampf gegen die Zeit. Bei all der Betriebsamkeit hört man auf, die Überstunden zu zählen. Diese spannende Zeit der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Teppich erlebt jeder Mitarbeiter der Sammlung anders, gemein ist uns der Enthusiasmus für das Projekt.

 

Als ich 15 Jahre alt war…

Anlässlich des 150. Geburtstags des MAK haben wir die KuratorInnen, KustodInnen des Hauses nach Ihren ganz persönlichen Erinnerungen gefragt. Wir beginnen die Serie mit Christian Witt-Dörring.  In jüngster Vergangenheit leitete er als Kurator die Neuaufstellung der Schausammlung Wien 1900:

© MAK

 

Als ich 15 Jahre alt war, begann sich meine kleine fremdbestimmte Welt zu öffnen. In der abgeschirmten Atmosphäre des großelterlichen Haushalts aufgewachsen, erlebte ich, wie in jeder Hinsicht ein Bewusstsein für Fragen der adäquaten Formen herrschte. Gesellschaftliche sowie ästhetische Normen wurden mir als selbstverständliche, sich bedingende Einheit vermittelt. Von ihrer Erfüllung schien der weitere Lebensweg abhängig zu sein. Überraschenderweise funktionierte jedoch die Welt außerhalb des geschützten Familienbereichs nach anderen Rezepten. Es begannen sich Fragen zu stellen, die nach einer Antwort suchten. Auf der Suche nach diesen zog mich unter anderem ein Ort immer wieder an. Er war fremd, aber doch familiär – die menschenleeren Säle des Museums für angewandte Kunst. Es gab zwar keine Antworten, aber Stimulation für weitere Fragen, die mich schließlich Kunstgeschichte studieren ließen. Die Fragen blieben, konnten aber präzisiert werden und führten zu meinem Dissertationsthema über ein Sujet der Möbelgeschichte, das nur im Rahmen von Kulturgeschichte und Stilgeschichte zu verstehen und zu lösen war. Der Abschluss meines Studiums und die damals als beruflich wenig zukunftsträchtig angesehene Spezialisierung auf ein Thema des Kunstgewerbes eröffneten mir schließlich 1977 eine Anstellung im Museum für angewandte Kunst. So hatte mich die Suche nach Antworten auf Fragen der Funktion des menschlichen Alltags an eine Institution geführt, die in deren Lösung jedoch keine Priorität sah. Ein Schrank war nicht ein Kleiderschrank, sondern ein Renaissance-, Barock-, Biedermeier- oder Jugendstilschrank. Ob Kulturgeschichte oder Stilgeschichte, Geschichte blieb der gemeinsame Faktor, aus dem ich versuchte zu erfahren, warum ich bin, wie ich bin. Vom Heute ausgehend galt es, eine obsolet gewordene zivilisatorische Schichte nach der anderen zu lüften und damit den ursprünglichen Sinn heutiger Verhaltensmuster, die a priori keine Relevanz mehr hatten, zu begreifen. Fasziniert von den Auswirkungen des steten Wertewandels, dem der Mensch ausgesetzt ist, erfuhr ich, wie sich einengende Verhaltensmuster relativierten, Grundsätzliches sich absetzte und Fragen endlich beantwortet wurden.

 

 

 

Zukunft mit Vergangenheit. Das MAK im 150. Jahr


© MAK

Von seinen Gründungsintentionen her war das 1863 initiierte k. k. Österreichische Museum für Kunst und Industrie eine Institution, die auf Innovation ausgerichtet war. Kritik an bestehenden Kunstmuseen im 19. Jahrhundert ebenso wie Forderungen, auch die Herstellungsverfahren der Ausstellungsstücke in den Museen angemessen zu berücksichtigen, führten zu neuen Ideen für eine angemessene museale Präsentation von Erzeugnissen der angewandten Kunst.

Gottfried Semper entwickelt im Jahr 1852 seinen „Idealplan“ für ein fiktives „metallotechnisches“ Museum. Semper projektierte nicht weniger als ein universelles Museum, dessen „historisch, ethnografisch und technologisch“ geordnete Sammlungen einen „Längsschnitt, Querschnitt und Grundriss“ durch die gesamte Kulturwissenschaft geben sollten. 150 Jahre Sammeln, Dokumentieren, Ausstellen bilden auch einen Wandel des Objektwertes in allen Dimensionen des Wortes „Wert“ ab. Die Sammlungen des MAK sind kultureller Beleg dieses Wandels. Auch als im Museum im wissenschaftlichen Bereich Beschäftigter macht man und denkt man diesen Wandel mit. Im besten Fall ist man Teil der Veränderung, im schlechtesten Fall wird man verändert. In jedem Fall wünschenswert ist das MAK als lebendige Institution im Austausch mit seinen BesucherInnen und NutzerInnen. Die Hausgeschichte des MAK ist auch Objekt- und Ideengeschichte, und es liegt an uns, die Objekte und die dahinterstehenden Ideen den BesucherInnen näherzubringen, die uns faszinieren. Keine Zukunft ohne Kenntnis der Vergangenheit. [RF]

 

 

Kurzinterview mit Johannes Wieninger, Kustode MAK-Sammlung Asien

Anlässlich der Neuaufstellung der MAK-Schausammlung ASIEN. China – Japan – Koreahaben wir mit Johannes Wieninger, dem Kustoden der Asien-Sammlung des MAK, gesprochen:

© MAK

 

Beschreiben Sie in fünf Stichworten die neue MAK-Schausammlung Asien!
• Die Sammlung ist Teil einer künstlerischen Arbeit.
• Tageslicht.
• Ein einmaliges Raumerlebnis, auf das man sich einlassen muss.
• Grafische Arbeiten sind in die Dauerausstellung integriert.
• Holz und Glas sind die einzigen verwendeten Materialien.

Wie kann man sich die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Tadashi Kawamata im Zuge der Neugestaltung vorstellen?
Wir haben Kawamata angesprochen und er hat zugesagt. Da er im letzten Jahr sehr viele Projekte verwirklicht hat, war es keine kontinuierliche Diskussion. Wir haben einander in Paris und Wien mehrmals getroffen, und praktisch ab der ersten Skizze Ideen entwickelt. Kawamata hat seine Raumidee zur Diskussion gestellt, als Antwort habe ich ein inhaltliches Konzept formuliert. Es war also ein Prozess, Idee und Konzept wurden in E-Mails kommuniziert und bei persönlichen Begegnungen konkretisiert.

Wie viel Zeit benötigt die Vorbereitung eines Projekts dieser Größenordnung?
Eineinhalb Jahre.

Was gefällt Ihnen persönlich am besten an der Neugestaltung?
Die Zusammenarbeit mit Künstlern habe ich seit 2009 laufend praktiziert – erstmals im Rahmen der Ausstellung CHAWAN. Teeschalen, damals hat Heinz Frank einige seiner Objekte präsentiert.
Mit Tadashi Kawamata verlassen wir die Stufe der „Parallelaktionen“, die Sammlungspräsentation wird mit der Arbeit des Künstlers verschmelzen. Das stellt eine neue Qualität für beide dar – für die MAK-Sammlung wie auch für Kawamata.
Möglicherweise werden einige BesucherInnen, solche, die vor allem traditionelle Aufstellungen bevorzugen, enttäuscht sein – dann wird es an uns liegen, ihnen dieses Konzept näherzubringen. Es ist eine Herausforderung für die Kunstvermittlung, es wird möglicherweise auch Diskussionen geben, wie man mit einer musealen Sammlung umgehen soll.

Am 19. Februar gibt es im Anschluss an den Vortrag von Tadashi Kawamata noch ein Q&A mit Tadashi Kawamata und Johannes Wieninger.
Der Vortrag wird live gestreamt, Fragen können via twitter (#askkawamata) und über unsere Facebookpage eingesendet werden.