Who Slept in This Bed? The Question of the Provenance of Prince Eugene’s Chintz Bed

Barbara Karl, curator of the MAK Textiles and Carpets Collection, writes about a unique object: Prince Eugene’s chintz bed, which has been part of the MAK collection since 1942.

© Barbara Karl

These Indian chintz furnishings for a four-poster bed were originally part of a complete room setting in Schloss Hof, a hunting castle in the Marchfeld near Vienna that in 1725 was bought by Prince Eugene of Savoy (1663–1736), the Paris-born Habsburg military commander. In 1755 the castle was acquired by Maria Theresia for the imperial family.

Today this single bed and six covers for chairs survive of what originally was an en-suite room furnishing; the wall-hangings have not survived. The material, cotton, suggests it was the summer furnishing of the room. The bed-hangings consist of a tester, a counterpane, eight valences, and three curtains. The lower parts of the dyed and painted Indian cotton panels used for the bed feature a strongly stylized rocky landscape populated by human figures and wild animals. Disproportionately large shoots grow out of the rocks and wind upwards, issuing fantastic, mainly red flowers and coiled leaves in different shapes. Small birds fill the spaces between the individual flourishing branches. The design is strikingly similar to the so-called Ashburnham hanging in the V&A (IS. 156-1953) and is presumably contemporary with it and others in this design. The colors are somewhat faded from use, under the seams as well as on the surface, which suggests a different use of the textile before being adapted for this bed. It is lined with blue silk and blue linen.

While building and furnishing his palaces, Prince Eugene acquired large numbers of textiles in England, the Netherlands, and France. These also included the present bed as well as a surviving room-setting of appliquéd Indian chintz in chinoiserie designs and a set of Indian embroidered bed furnishings. After the Prince’s death in 1736, an inventory of Schloss Hof was drawn up. One room was mentioned explicitly as being decorated en suite with Indian printed cotton (room number 31). It included, among other things, a double bed and six ordinary chairs—which matches the number of surviving covers at the MAK. Evidence from technical analysis suggests that the two single beds now at the MAK were originally a double bed. The inventory also matches with the surviving beds in the description of the blue-and-white braids and the blue lining. Thus, it is quite probable that the beds are the same as the one mentioned in the inventory. Most likely, the double bed was adapted for two single beds during the 19th century, long after the death of the Prince Eugene.

This text by MAK curator Barbara Karl was written for the exhibition The Fabric of India, which will be on view from 3 Oct 2015 to 10 Jan 2016 at the Victoria and Albert Museum in London. Prince Eugene’s chintz bed will be on loan from the MAK for the exhibition, where visitors will have a rare opportunity to see it. The conservation project was carried out by Edith Oberhumer and Philippine Lagardère.

Foto © MAK/Georg Mayer

Mobile Reporting: das Smartphone als Radiostudio. Eine Kooperation von MAK und Radio ORANGE 94.0

Die Radiobeiträge sind beim Workshop zu Mobile Reporting entstanden, einer Kooperation der VIENNA BIENNALE 2015: IDEAS FOR CHANGE mit Radio ORANGE 94.0. Es werden zwei der sogenannten „Demonstratoren“ der Ausstellung 2051: Smart Life in the City  vorgestellt. An jeweils nur einem Tag haben die TeilnehmerInnen mit einer App für Smartphone und Tablet einen Radiobeitrag erstellt, der dann im Programm Stadtradio Orange gesendet wurde.

© Radio Orange

Radiobeitrag: ZIMMER – KÜCHE – BAD, Die Wohnung (Demonstrator 9)

Im Rahmen der Ausstellung 2051: Smart Life in the City der VIENNA BIENNALE regt ein Eins-zu-eins-Modell einer Wohnung mit verschiebbaren Wänden zum Nachdenken über den eigenen Wohnraum und die Zukunft des Zusammenlebens an. BesucherInnen des Demonstrators Die Wohnung sprechen über Flexibilität, Beständigkeit und die Bedeutung von Beweglichkeit als Lebens- und Wohnprinzip:

Ein Beitrag von Marlene Maier, zuständig für die Betreuung des Demonstrators Die Wohnung

Radiobeitrag: DIALOG – NETZWERKE, Die Schule (Demonstrator 1)

Die #openschoool hat sich zum Ziel gesetzt, Lehren und Lernen durch Dialog und Netzwerke zu ermöglichen. Im Unterschied zu traditionellen, hierarchisierten Bildungssystemen stehen dabei menschliche Beziehungen im Mittelpunkt:

Ein Beitrag von Ana-Maria Radulescu, Praktikantin für die VIENNA BIENNALE 2015: IDEAS FOR CHANGE und Bettina Steurer, Teilnehmerin am Workshop zu Mobile Reporting

Die erstellten Beiträge können auf der Website stadtradio.o94.at nachgehört werden.
Die Kooperation ist eine von vielen Formen der Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Akteuren im Rahmen der Ausstellung 2051: Smart Life in the City.

Der nächste Workshop findet am Samstag, 5. September 2015, 10:00–17:00 Uhr im MAK statt.

Der Eintritt ist frei; Anmeldung unter stadtradio@o94.at

 

 

Interview zur Ausstellung Mapping Bucharest: Art, Memory, and Revolution 1916–2016 mit Bärbel Vischer

Kurzinterview zur Ausstellung Mapping Bucharest: Art, Memory, and Revolution 1916–2016 mit Bärbel Vischer, Kustodin der Sammlung Gegenwartskunst des MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst

Ausstellungsansicht, 2015, VIENNA BIENNALE 2015: IDEAS FOR CHANGE, Mapping Bucharest: Art, Memory, and Revolution 1916–2016, MAK-Ausstellungshalle, Andreea Ciobîcă, What we cannot touch in others, 2015 © MAK/Aslan Kudrnofsky

Viele Werke zeichnen sich durch bestimmte Medien aus: Collagen, Objets trouvés etc. Könnte man behaupten, dass dieses Charakteristikum ein Zeichen des Mangels an Materialien im kommunistischen System ist?

Die zeitgenössischen Medien sind universell. Die Rahmenbedingungen im kommunistischen System forderten die Kunst heraus, die KünstlerInnen Ion Grigorescu, Geta Brătescu, Eugenia Pop, Ana Lupas, Horia Bernea oder Ion Bizan entwickelten in dieser Zeit ihre bedeutendsten Arbeiten.  Zudem fällt auf, dass viele KünstlerInnen mit Materialien wie Textil und Keramik arbeiten – in der zeitgenössischen Kunst spannende, aber bis heute auch subversive Medien. In vielen Arbeiten der jüngeren KünstlerInnen wie Ciprian Mureşan ist die politische Dimension des künstlerischen Konzepts spürbar.

Was macht die rumänische Kunst so hip? Ist es vielleicht auch der Mut, klassische Darstellungsformen wie etwa die Malerei anzuwenden?

Die rumänische Kunstszene erfindet sich durch Eigeninitiative neu und lebt auch durch die lange Tradition der Diaspora. Leider unterscheiden wir im Kunstdiskurs immer noch zwischen Nationalitäten, ähnlich wie in der Politik oder im Sport. Rumänische Kunst ist Teil der europäischen Kultur – so wurde beispielsweise die historische Avantgarde von rumänischen KünstlerInnen wie Constantin Brâncuși, den Dadaisten, Isidore Isou oder Daniel Spoerri mitentwickelt. Gegenwärtig fordern Adrian Ghenie und Victor Man die zeitgenössische Malerei heraus.

Inwiefern spielt Gender für die Ausstellung eine Rolle – für das Verhältnis Künstlerinnen/Künstler und „weibliche“/„männliche“ Positionen?

Die ausgewogene Zusammenstellung der KünstlerInnen hat sich aus der Recherchearbeit in Rumänien und über die Grenzen hinweg ergeben. Die Unterscheidung von „weiblichen“ und „männlichen“ Positionen halte ich für problematisch, denn es gibt verschiedene Konzepte von Geschlecht. In der Ausstellung werden KünstlerInnen unterschiedlicher Generationen zusammengebracht, ca. zwei Drittel der vorgestellten ProtagonistInnen waren außerhalb der rumänischen Kunstszene bis jetzt unbekannt bzw. war ihre Arbeit bisher nicht zugänglich.

Was hat es mit dem Titel der Ausstellung auf sich? Was genau wird vermessen?

In der Ausstellung wird der rumänische Kulturraum thematisiert, der sich durch Europa zieht. Teil der Ausstellung sind beispielsweise auch Skulpturen der Deutschen Alexandra Bircken. Im Vordergrund steht die künstlerische Arbeit, die in dieser Gegenüberstellung gleichzeitig eine Verbindung zwischen scheinbar unterschiedlichen Kulturen herstellt. In Birckens und Eugenia Pops Werken kommen Elemente miteinander in Berührung, die einen ungewöhnlichen Blick auf die Entwicklung neuer skulpturaler Formen ermöglichen.


Die Fragen stellten Noëmi Leemann und Sara Alavi Kia für die Abteilung Neue Lernkonzepte

Credits:
Ausstellungsansicht, 2015
VIENNA BIENNALE 2015: IDEAS FOR CHANGE, Mapping Bucharest: Art, Memory, and Revolution 1916–2016, MAK-Ausstellungshalle, Andreea Ciobîcă, What we cannot touch in others, 2015 © MAK/Aslan Kudrnofsky

#openschoool: vom Bloggen, Lehren und Lernen

Montagnachmittag. Jakob, Anna und Dario von der #openschoool sitzen im Alois-Drasche-Park neben der Ape, der mobilen Schule, in der Wiese. Jakob hat seinen Laptop aufgeklappt. Anna und Dario essen Croissants.

Jakob: „Das MAK hätte gerne einen Beitrag für den offiziellen MAK Blog. Hat jemand Ideen?“

Anna und Dario blicken nachdenklich in die Ferne.

Anna: „Wir müssen unbedingt schreiben, was wir machen.“

Jakob: „Wie meinst du das genau?“

Anna: „Ja, das Konzept von Van BoCrowducation. Damit will er ja das Wissen der Menschen zum Allgemeingut machen, damit jeder was davon hat – so, dass jeder was lernt und jeder etwas lehren kann …“

Dario: „Gute Idee. Jakob, du hast ja eh den #openschoool-Campus auf der Website eingerichtet. Da sollen sich die Leute gleich eintragen, egal ob sie lernen wollen oder lehren.“

Eine ältere Dame, die ihren Hund an die Ape „äußerln“ lässt, mischt sich ein: „Was haben die Leut’ eigentlich davon? Kriegt der Lehrer da ein Geld?“

Jakob: „Zeugnisse stellen wir keine aus und zahlen können wir nix. Aber immerhin haben die Menschen die Gewissheit, dass sie mit ihrem Wissen etwas Gutes getan haben; die anderen haben dafür was gelernt – so wie beim Jonglierworkshop. Haben Sie das mitbekommen?“

Ältere Dame: „Ach so, ja. Da gab es auch was zu essen. Das war gut.“

Anna: „Und auch weitere Workshops werden schon bald stattfinden. Zum Beispiel kann man am 24. August von Laurentius Gesangsimprovisation lernen und es ist ein Spanisch-Crashkurs mit Lucia geplant.“

Dario grinst: „Endlich passiert was.“

Ältere Dame: „Hm, wenn ich es mir so überlege, könnte ich anderen beibringen, wie man sich um Hunde kümmert. Mein Enkerl muss mir dann halt mit dem Internet helfen. Da kenn ich mich überhaupt nicht aus.“

Jakob: „Weltklasse! Wenn Ihr Enkelkind will, kann es diesen Workshop dann auch auf unserer Lernplattform veröffentlichen. Vielleicht finden sich dann noch mehr Leute, die dabei mitmachen.“

Ältere Dame: „Ich kann dem Felix ja mal davon erzählen!“

Die ältere Dame zieht mit ihrem Hund weiter.

Anna: „Da fällt mir gerade ein, hat Matthias schon jemanden gefunden, der ihm ein bisschen Türkisch beibringen könnte?“

Dario: „Leider nein, aber ich hoffe, er findet bald jemanden.“

Jakob: „Sollen wir das auch in unserem Blogeintrag erwähnen?

Anna: „Auf jeden Fall, vielleicht findet sich ja so jemand, der Matthias weiterhelfen möchte.“

Bild: Die #openschoool steht für die Speakout Mondays bereit. © Dario Summer

Jakob: „Ja, und dann gibt es noch die Speakout Mondays, über die wir unbedingt im Blogeintrag berichten sollten. Zu denen kommt sogar Van Bo.“

Dario: „Cool. Anna, organisierst du das?“

Anna: „Ja, ich mach da einiges. Die Speakouts finden an vier Montagen im August statt.“

Dario: „Kannst du dann im Beitrag irgendwie erklären, was die Speakouts genau sind? Ich hab mir das noch gar nicht so genau angeschaut.“

Anna: „Kein Problem, also ein Speakout ist kurz, persönlich, pur und auf Englisch. Es geht um Inhalte, die man nicht googeln kann, und darum, möglichst frei zu sprechen. PowerPoint und Konsorten sind dementsprechend bei Speakouts ein No-Go.“

Dario: „Englisch? Das finde ich nicht sehr ,open‘. Dadurch schließen wir schon einige Leute aus und wir heben uns total ab, weil wir damit schon ein relativ hohes Sprachniveau voraussetzen. Ich glaube nicht, dass wir so die Leute hier im Alois-Drasche-Park erreichen.“

Anna: „Aber nur so können die Speakouts auch einer internationalen Studierendengemeinde zugänglich gemacht werden. Ab Oktober sollen diese nämlich als Onlinekurs auf iversity.org online gestellt werden und für mehr als 10 000 Studierende aus China, Indien, Malaysia, den USA etc. aufgerufen werden. Und Speakout Mondays sind ja nur ein Teil der #openschoool. Mit unseren anderen Aktivitäten versuchen wir, wirklich alle anzusprechen. Etwa möchten wir nicht nur mit unserem Campus alle einbeziehen, sondern auch mit unserem Cookboook.“

Dario: „Hmm, ich bin nicht ganz davon überzeugt, weil ich glaube, dass wir so die Leute verschrecken und die Idee untergeht. Ich verstehe aber, dass auch das mit der iversity wichtig ist …“

Anna: „Aber ihr kommt eh zu den Speakouts, oder?“

Jakob: „Klar! Ich bin schon sehr gespannt auf Erwin Bauer. Er wird am 10. August zum Thema Inspiration & Design über Inclusive Design sprechen.“

Dario: „Inspiration & Design – darauf freu ich mich. Was gibt es denn sonst noch?“

Anna: „Education & Commitment am 17. August und Resources & Subsequent Use am 24. August. Der Bio-Landwirt und Unternehmer Martin Rohla spricht etwa am 24. August über How to make business without being an egoist. Auch vom MAK konnten wir jemanden für ein Speakout gewinnen: Noëmi Leemann, die Leiterin der Abteilung Neue Lernkonzepte, spricht am 17. August über Museums not for representation. Ein Speakout, das mich persönlich besonders interessiert!“

Jakob: „Das klingt prima. Mag das jemand von euch fürs MAK in eine schriftliche Form bringen?“

AutorInnen: Jakob Listabarth, Anna Möstl und Dario Summer

Credits:
Header: Die #openschoool steht für die Speakout Mondays bereit. © Dario Summer
Die mobile Schule und ihr Erbauer Alexander Naumann © Jakob Listabarth
Der erste richtige Workshop der #openschoool: Wir jonglierten im Park. © Anna Möstl
Jakob erklärt bei The Essence 15, der Jahresausstellung der Universität für angewandte Kunst Wien, die Idee der #openschoool. © Jakob Listabarth

 

Die Klimadebatte im Museum ist auch eine Frage der Zukunft von Sammlungsobjekten

Für Objekte in Ausstellungsräumen und Depots ist eine möglichst konstante Temperatur zentral. Insbesondere kurzfristige Schwankungen schaden organischen Materialien wie etwa Holz und Textil sehr, weshalb die Bedeutung des Klimas für die Restaurierungsabteilungen in Museen schon lange ein wichtiges Thema ist. Trotzdem gibt es heute – vor dem Hintergrund des viel diskutierten Klimawandels – neue Überlegungen, denn Klimaanlagen sind teuer und belasten die Umwelt.

Grundsätzlich sind Gebäude mit viel Baumasse und wenig Lichteinfall der beste Aufbewahrungsort für wertvolle Objekte. Kirchen hatten früher ausgeklügelte Belüftungssysteme, um ihre Schätze vor Hitze und Feuchtigkeit zu schützen und auch Museumsbauten sind teilweise mit Belüftungsschächten ausgestattet. Beate Murr, stellvertretende Leiterin der Restaurierungsabteilung des MAK, erklärt: „Die technologischen Entwicklungen seit der Industrialisierung waren nicht nur ein Segen; das Kühlen mit Klimaanlagen und das übertriebene Heizen im Winter führen oft zu kurzfristigen Schwankungen, etwa wenn die Klimaanlage ausfällt oder wenn anlassbezogen ganz plötzlich stärker geheizt wird.“

Lüftungs- und Klimazentrale © MAK/Nathan Murell

Unter dem Begriff der Präventiven Konservierung diskutiert die Fachwelt der RestauratorInnen diese Problematik heute mit nachhaltigeren Zielen: Das wichtigste Prinzip ist, die Entstehung von Schäden durch optimale klimatische Lagerungsbedingungen, sorgsame Handhabung und eine konservatorisch fachgerechte Präsentation zu vermeiden. Bei bestehenden Schäden wird oft eine reine Konservierung – die Bewahrung des gealterten Ist-Zustandes – der Restaurierung vorgezogen. Letztere, so Beate Murr, bedeute einen größeren Eingriff und habe einen nicht mehr vorhandenen Zustand als Ziel, der Raum für Spekulationen biete. Dies wiederum könne möglicherweise der Authentizität des Werkes nicht gerecht werden.

Für die Entscheidung über den Umgang mit einem beschädigten Sammlungsobjekt, ob es eher konserviert oder restauriert werden soll, gibt es kein Grundrezept, nur Tendenzen. Primäres Ziel ist es, jeden Schaden präventiv zu vermeiden, und hier kommt das konstante Klima wieder entscheidend ins Spiel.


Der Beitrag entstand nach einem Gespräch von unserer Autorin Noëmi Leemann aus der Abteilung Neue Lernkonzepte mit Beate Murr, stellvertretende Leiterin der Restaurierungsabteilung des MAK.

Credits:
Lüftungs- und Klimazentrale © MAK/Nathan Murell