Die ersten Einreichungen

Ein Lehrzeugnis der Kunstgewerbeschule
Foto: © MAK

Letzte Woche startete der Aufruf zum Jubiläumsprojekt rund um kollektive Erinnerungen und das MAK. Das MAK wird 150. Jahre alt und so schauen wir zurück. Wir fragten wie sich dieser Ort der Kunst, der Interaktion und der Interkreativität in der kollektiven Erinnerung seiner BesucherInnen erhalten hat. Was ist an Filmen, Fotografien, Souvenirs oder Memorabilien über die Jahre erhalten geblieben?

Teile einer Handtasche
Foto: © MAK

 

Ein Stickrahmen aus Holz
Foto: © MAK

Heute wurden die ersten Objekte im MAK abgegeben: Es sind Erinnerungsstücke an eine Tante Maria, die 1909 – 1912 an der Kunstgewerbeschule war. Am 10. Jänner wurde sie „freigesprochen“ und schloss die Lehre Kunststickerei erfolgreich ab.
1909 wurde Kunstgewerbeschule und das Museum getrennt. Die Kunstgewerbeschule (heute: die angewandte) bleibt dem Ministerium für „Cultus und Unterricht“ unterstellt. Außerdem wurde nach dreijähriger Bauzeit der Erweiterungsbau des Museums (heute: Weiskirchnerstraße 3, Wien 1) eröffnet. Das Museum erhielt dadurch Räume für Sonder- und Dauerausstellungen.

Noch bis zum 30. Juni können Erinnerungsstücke im MAK abgegeben oder an 150Jahre@MAK.at gesendet werden. Weitere Informationen: hier

Das MAKlite

Das MAK wird 150. Jahre alt. Wir haben Rudolf Wuits, Leitung der Zentralen Dienste, nach seinem ganz persönlichen Highlight gefragt.

© MAK

Einer der Highlights war die Eröffnung und Inbetriebnahme des MAKlite von James Turrell im Jahre 2004. Schon die Installation war eine Herausforderung. Aber nichts gegen die Eröffnung: Noever wollte einen Megaevent daraus machen und dies gelang uns auch.

© MAK/Georg Mayer

Zuerst ersuchten wir die MA 46 (Abteilung Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten der Stadt Wien) um eine Genehmigung der Sperre der Nebenfahrbahn Stubenring zwischen Oskar-Kokoschka-Platz und Weiskirchnerstraße. Außerdem erfragten wir ein Parkverbot in diesem Bereich, um Platz für die zu erwartenden Besuchermassen zu schaffen. Nachdem beides genehmigt wurde, versuchten wir das Unmögliche: eine Genehmigung zur Sperre der Ringstraße. Schließlich erreichten wir nach harten Verhandlungen, dass die Ringstraße teilweise und für kurze Zeit gesperrt wurde.

Dann begann der Spaß. Wir bauten auf die Ladefläche eines GMC eine Halterung. Am Abend brachten wir den GMC zum Oskar-Kokoschka-Platz. Dort stieg Turrell auf den GMC und stellte sich auf die Ladefläche, wo er sich an der Halterung festhalten konnte. Dann setzte sich der GMC ­­– begleitet von vier Securitys – über die gesperrte Ringstraße in Schritttempo Richtung MAK in Bewegung. In Höhe des Haupteinganges hielt der Chauffeur, Herr Hohler-Rössel, das Auto an. Die Securitys sicherten das Auto nach allen Richtungen so ab, wie wenn jeden Moment der amerikanische Präsident ankommen würde. Dann streckte James Turrell ­– begleitet von tausenden Blicken – seinen rechten Arm Richtung MAK aus und betätigte einen Laserpointer. In diesem Augenblick schaltete sich das MAKlite ein (durch einen Techniker, der zeitgleich den Schalter im Haus betätigte) und alle waren total begeistert. Sogar der ORF machte einen Live-Einstieg.

 

 

 

Barbara Karl im Interview

Am 8. April öffnet die neugestaltete Schausammlung Teppiche wieder ihre Türen.
Wir haben uns mit Barbara Karl, Kustodin der Sammlung Teppiche und Textil unterhalten.

© MAK

 

 

Was ist für Sie persönlich das faszinierende an Teppichen? Woher kommt Ihr Interesse und wie würden Sie Ihren Zugang beschreiben?
Ich soll in wenigen Sätzen antworten… das ist bei der vielschichtigen Faszination, die die Objekte ausstrahlen, schwierig. Abgesehen davon, dass die Teppiche der Sammlung einzigartige Objekte von unvergleichbarer Qualität und Schönheit sind, bemühe ich mich um einen rationell wissenschaftlichen Zugang. Faszinierend ist neben der Farben und Formenvielfalt speziell die Tatsache, dass man an den Teppichen auch die Verbindungen zwischen unterschiedlichen Kultursphären nachvollziehen kann.

Was gefällt Ihnen persönlich am besten an der Neugestaltung? Gibt es ein Lieblingsobjekt?
Es ist wunderbar wie Michael Embacher das inhaltliche Konzept, das internationale Vernetzungen hervorstreicht, ins vernetzende Raumkonzept umsetzt!

Welche fünf Adjektive fallen Ihnen zur Neuaufstellung ein?
Zu viele!!

Gibt es zu einem Teppich eine schöne Geschichte?
Es gibt zu fast jedem Teppich, dessen Provenienz bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar ist, Geschichten. Eine große Anzahl von Objekten stammt aus dem Besitz der ehemaligen Herrscherdynastie der Habsburger und diente ehemals repräsentativen Zwecken.

Wie konstant ist die Auswahl der Objekte? Sind Wechsel in regelmäßigen Abständen angedacht?
Die Präsentation soll in regelmäßigen Abständen verändert werden. Wir gehen von ca. 3 Jahren aus.

Gibt es interessante Neuzugänge in der Sammlung aus den letzten Jahren?
Die Kosten für gute historische Teppichen sind so hoch, dass Ankäufe derzeit leider nicht in Frage kommen.

Teppiche waren auch immer Teil eines Austauschs zwischen Asien und Europa. Wie kann die Reise eines Teppichs aussehen?
Er wurde in Kairo gefertigt, auf dem Nil nach Alexandria transportiert, dort auf ein venezianisches Schiff verladen. In Venedig an einen Agenten des Kaisers verkauft und nach Wien transportiert. Das dauerte.

 

 

 

Resopaldüfte in einem grauen Haus

Rainald Franz, Leiter der Sammlung Glas und Keramik über seine ersten Erinnerungen an das MAK.

© MAK

 

Meine ersten Erinnerungen aus Kindertagen, die sich mit dem MAK, damals noch das Österreichische Museum für angewandte Kunst, verbinden, sind von einem ganz besonderen Geruch geprägt: dem der Ausdünstungen von Sperrholz und Resopal.

In den frühen 1970er Jahren war ich mit meinem Vater zumindest zweimal in Wien Gast des damaligen Museums, das über Gästezimmer im Dachgeschoss der Weiskirchnerstraße, dort wo sich heute die Restaurierung befindet, verfügte. Die Gästezimmer waren, gemäß dem damaligen modernen Geschmack und jenseits aller Sorgen um giftige Ausdünstungen, mit einer Orgie aus Pressspanholz ausgestattet, die den Gast mit einem bleibenden Geruchserlebnis empfingen. Die Fassade des Museums war damals noch grau/schwarz von Kohlenruß, die Dauerausstellungen sahen aus, als wären sie seit Jahrzehnten nicht angetastet worden. Mit meinen Eltern besuchte ich die ersten „Blockbuster“ im damaligen MAK wie 5000 Jahre Kunst aus China – und sowohl meine Mutter wie auch mein Vater publizierten über Objekte aus den Sammlungen. Anders als der Geruch der in den Tee getauchten Madeleine, den Marcel Proust in seinem Auf der Suche nach der verlorenen Zeit beschreibt, hat sich der Resopalgeruch bei mir zwar auch eingeprägt, jedoch ohne dass dieses Geruchserlebnis jetzt Anlass zu sentimentaler Rückschau böte. Wien in den 1970er Jahren und das Österreichische Museum für angewandte Kunst waren für mich geprägt vom Grau und diesem speziellen Formaldehydgeruch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

TELL US YOUR STORY

Wir feiern unseren 150. Geburtstag und suchen Geschichten, Filme und Fotos für eine filmische Retrospektive.

© MAK/Wißkirchen

Zum Jubiläum werfen wir einen Blick zurück:
Wie hat sich dieser Ort der Kunst, der Interaktion und der Interkreativität in der kollektiven Erinnerung seiner BesucherInnen erhalten? Was ist an Filmen, Fotografien, Souvenirs oder Memorabilien über die Jahre erhalten geblieben?

 

Für die filmische Retrospektive suchen wir nun private, historische Fotos, Filme und Erinnerungsstücke. Der österreichische Künstler, Kurator, Kunst- und Medientheoretiker Peter Weibel wird das eingelangte Material zu einem künstlerischen Film verdichten. Im Oktober 2014 wird der Film im Rahmen einer MAK-Veranstaltung und in Anwesenheit von Peter Weibel präsentiert.

„Fotografien und Filme zeigen, was die Menschen interessiert hat und belegen den Bedeutungswandel des MAK vom Schaufenster der Industrieproduktion zum Design- und Kunstmuseum“, erläutert Peter Weibel sein Interesse an diesem Projekt.
Kollektive Erinnerungen gehören zum Kern jeder Kultur. Vor dem Hintergrund seiner traditionsreichen Geschichte möchte sich das MAK als Teil des kulturellen Gedächtnisses darstellen.

 

 

Einreichungen und Fragen jeglicher Art an:

MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst
Stubenring 5, 1010 Wien
150Jahre@MAK.at

Einreichungen bis zum 30. Juni 2014
Filmpremiere: Oktober 2014