Auf den Spuren von Frauen in der angewandten Kunst

Im Rahmen des Internationalen Mädchentags wurde am 11. Oktober 2015 eine Spezialführung für interessierte Mädchen durch das MAK DESIGN LABOR und die MAK-Schausammlung Wien 1900 angeboten. MAK-Kunstvermittlerin Laura Wagner begab sich mit den Teilnehmerinnen auf Spurensuche nach Künstlerinnen in der angewandten Kunst – darunter zeitgenössische Designerinnen wie Annika Frye (* 1985) und Pionierinnen der angewandten Kunst wie Birgit Jürgenssen (1949–2003), Adele List (1893–1983), Margaret Macdonald Mackintosh (1864–1933), Rosa Krenn (1884–1970) und Margarete Schütte-Lihotzky (1897–2000).

Ein besonders interessantes Objekt entdeckten die Mädchen in der MAK-Schausammlung Wien 1900: einen Zierschrank aus dem Jahr 1912. Dieser wurde für die Frühjahrsausstellung 1912 des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie (heute MAK) von der wenig bekannten und noch unerforschten Künstlerin Rosa Krenn entworfen. Rosa Krenn, geboren 1884 in St. Martin in der Steiermark, studierte zunächst an der Kunstgewerbeschule in Prag und von 1909 bis 1913 – ab 1911 bei Josef Hoffmann – an der Kunstgewerbeschule in Wien. Sie starb 1970 in Innsbruck.

Das Besondere an diesem Möbelstück ist nicht nur das auffällige, beinahe exotische Blattdekor des Schranks, das einen Kontrast zum quer furnierten Untergestell bildet, sondern vor allem die Tatsache, dass es von einer Frau gestaltet wurde. Um 1900 war Möbeldesign ein männerdominiertes Metier. Die Studentinnen der Kunstgewerbeschule waren vorwiegend in den Bereichen Keramik, Glas und Textilien tätig. Zu dieser Zeit wurde der Wunsch von Frauen nach Selbstbestimmung immer lauter. Weibliche Kreative und Intellektuelle meldeten sich zu Wort und legten so den Grundstein für die rechtliche Gleichstellung von Frauen in Österreich. Obwohl so wenig über Rosa Krenn bekannt ist, kann sie als Pionierin der Frauenbewegung gelten: Ihr Zierschrank ist eines der seltenen Beispiele für ein von einer Frau entworfenes Möbelstück.

Tipp: Die multimediale Tablet-App zur MAK-Schausammlung Wien 1900 gibt weitere Informationen und einen – wortwörtlichen – Einblick in den Zierschrank von Rosa Krenn: In einem Video kann das spannende Innenleben dieses sonst verschlossenen Möbelstücks betrachtet werden. Die App kann gratis auf das eigene Apple- oder Android-Tablet im iTunes Store sowie im Google Play Store heruntergeladen oder auf einem Leihgerät an der MAK-Kassa genutzt werden.

Ein Beitrag von Angelika Starkl, Praktikantin der Abteilung Kommunikation und Marketing

Valentin Ruhry – Bitcoin und Instagram


Valentin Ruhry in der Ausstellung, 2014
© MAK/Marlies Wirth

Valentin Ruhry ist bekannt für seine minimalistischen Skulpturen und seine absolute formale Konsequenz. Er versteht sich als Bildhauer mit recherchebasiertem, konzeptuellem Approach. Oft arbeitet der Künstler mit dem Medium Licht als Material, bzw. untersucht Alltagsobjekte auf ihre physikalisch messbaren Eigenschaften (wie Spannung, Reibung, etc.). Valentin (*1982 in Graz) studierte Bildhauerei bei Erwin Wurm an der Wiener Angewandten und am National College of the Arts in Oslo, Norwegen.

Bei einem mehrmonatigen Aufenthalt in den USA im Vorfeld der MAK-Ausstellung vertiefte der Künstler seine Recherchen zu dezentralen Märkten und alternativen Währungen, und dem „neuen“ Kunstmarkt, der auf sozialen Netzwerken wie Instagram über digitale Emotion getriggert wird. Bereits Anfang des Jahres hatte er gemeinsam mit dem Künstler Andy Boot ein Projekt gestartet, das sich im Kontext der Cyberwelt mit dem Kunstmarkt beschäftigt: Auf der Plattform www.cointemporary.com bieten Ruhry und Boot Arbeiten anderer Künstler unterschiedlicher Generationen zum Verkauf an. Bezahlt werden soll in der alternativen Währung Bitcoin, mit dem Ziel eine kritische Hinterfragung des faktischen Marktwerts von Kunstwerken anzukurbeln.

„Das Internet ist technisch gesehen eine dezentrale Infrastruktur, die sich jedoch durch die Omnipräsenz und das Zusammenwirken globaler Unternehmen immer mehr zu einer digitalen Diktatur entwickelt.“, sagt Valentin, der sich im Kontext mit der MAK-Ausstellung für wirtschaftsökonomische Grundlagen interessiert und u.a. auf den österreichischen Ökonomen Joseph Schumpeter (1883–1950) verweist.

Dabei gibt es auch eine Verbindung zu Marshall McLuhan, der in seinem Buch The Global Village das World Wide Web fast dreißig Jahre bevor es erfunden wurde als „weltumspannende Dorfgemeinschaft“ prophezeite. Die „digitale Diktatur“ findet sich auch in Dave Eggers The Circle (2013) wieder, wo das Prinzip Sharing is Caring in die totale Transparenz umkippt.

Am Donnerstag, 20. November um 17 Uhr sprechen Valentin Ruhry und MAK-Kuratorin Marlies Wirth in der Ausstellung über das Internet, Apple, und die Folgen!

 

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#ValentinRuhry

 

 

 

Instawalk im MAK

Am 4.10. fand in Kooperation mit @IGersAUSTRIA ein Instawalk im MAK statt. Wir haben für Euch noch einmal die schönsten Bilder rausgesucht:

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by thomaskhom

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by igersaustria.at

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by birgit2817

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by famiglia_vienna

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by oliverroth

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by christinekhom

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by famiglia_vienna

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by apattym

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by conmion

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by misterflopatrick

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by gregorsideris

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by igersaustria.at

 

 

Schön wars!
Bis zum nächsten Mal.

Folgt dem MAK auf Instagram: MAK_VIENNA

 

 

Jan Boelen in dialog with Indy Johar

As places where design is debated now and will be debated in the future, what is the duty and purpose of museums of applied arts? Which themes are relevant to everyday life? Which objects should be collected? And in what way and for what purpose?

The MAK posed these questions to nine globally renowned design pioneers. They participated in an experiment to investigate the significance of a collection of exemplary objects as a source of inspiration. In the process, each pioneer could have discussions with a person of his or her choosing—so-called “muses”—in the course of which they would shed light on the future of the applied arts, as well as share their perspectives on museums of applied arts. The result was a stimulating dialogue, which looks not only at the past but also tries to imagine the future!

Jan Boelen engages in a dialogue with London-based architect Indy Johar. They delve into questions about the museum as a laboratory for global knowledge and reflect upon the concepts of authorship, ownership, and (intellectual) property—issues that are very important for a museum.

Jan Boelen in dialog with Indy Johar / 150 Years of the MAK from MAK Wien on Vimeo.

Jan Boelen is founder and director of the Z33 House for Contemporary Art in Hasselt, Belgium, and head of the Social Design Department at the Design Academy in Eindhoven. Indy Johar is a designer of digital platforms for co-working. For Jan Boelen, design is political to the core, for it affects our production methods, our social structures, as well as our thoughts and feelings. When considering a collection of the future, he came up with a single object: Curiosity Cabinet (2014)—a cabinet by Commonplace Studio that demonstrates the limits of what is collectable.

Visitors of the exhibition EXEMPLARY: 150 YEARS OF THE MAK — FROM ARTS AND CRAFTS TO DESIGN are invited to use the online participation platform to comment on and contribute to this unique collection of exemplary objects.

 

App-Stories #2: Eintauchen in die MAK-App und ihre Features

 

Authentische Einblicke durch Videos, persönliche Audiokommentare von KuratorInnen, SammlungsleiterInnen und RestauratorInnen des MAK, greifbare Kontexte durch Originalfotos, Schnappschüsse von BesucherInnen und Comics internationaler ZeichnerInnen – das und mehr bietet ab 16.9. die neue MAK-App für Tablets. Fürs Erste tauche ich in das Feature „entdecken“ ein:

 

Eine Seite, die mit Schränken, Tassen, Vasen, Stühlen, Tischen, Kissen, Gläsern, Büchern möbliert ist. Dazwischen vereinzelte Verben – „schreiben“, „lieben“, „feiern“ und viele andere begegnen mir. Aber Vorsicht: Besser, ich gewöhne mich nicht an diesen Anblick, denn die Seite wird nie wieder so aussehen, wie ich sie jetzt vor mir sehe – sie baut sich stets aufs Neue auf, zeigt sich mir laufend in neuem Kleid, mit neuen Nachbarschaften von Gegenständen und Verben.

Ich lasse mich von einem Gegenstand zum nächsten treiben und nehme ersten Kontakt mit den Gegenständen, die die MAK-Schausammlung Wien 1900. Design / Kunstgewerbe 1890­–1938 bevölkern, auf. Ich grabe tiefer und finde mehr über einen einzelnen Gegenstand heraus: Ich entscheide mich für einen Schrank und höre einen Audio-Beitrag, der von seinen ursprünglichen BesitzerInnen erzählt, sehe ein Video, das mir einen Blick in sein Inneres ermöglicht, oder ich entdecke Fotos des früheren Aufstellungsortes. Ich tauche immer tiefer in die Welt der angewandten Kunst ein, tippe ein Verb an und stocke. Was hat „weinen“ mit einem Schrank zu tun?

Sich überraschen lassen und ab 16.9. die MAK-App downloaden!

 

von Beate Lex, Leitung Neue Lernkonzepte, MAK