Resopaldüfte in einem grauen Haus

Rainald Franz, Leiter der Sammlung Glas und Keramik über seine ersten Erinnerungen an das MAK.

© MAK

 

Meine ersten Erinnerungen aus Kindertagen, die sich mit dem MAK, damals noch das Österreichische Museum für angewandte Kunst, verbinden, sind von einem ganz besonderen Geruch geprägt: dem der Ausdünstungen von Sperrholz und Resopal.

In den frühen 1970er Jahren war ich mit meinem Vater zumindest zweimal in Wien Gast des damaligen Museums, das über Gästezimmer im Dachgeschoss der Weiskirchnerstraße, dort wo sich heute die Restaurierung befindet, verfügte. Die Gästezimmer waren, gemäß dem damaligen modernen Geschmack und jenseits aller Sorgen um giftige Ausdünstungen, mit einer Orgie aus Pressspanholz ausgestattet, die den Gast mit einem bleibenden Geruchserlebnis empfingen. Die Fassade des Museums war damals noch grau/schwarz von Kohlenruß, die Dauerausstellungen sahen aus, als wären sie seit Jahrzehnten nicht angetastet worden. Mit meinen Eltern besuchte ich die ersten „Blockbuster“ im damaligen MAK wie 5000 Jahre Kunst aus China – und sowohl meine Mutter wie auch mein Vater publizierten über Objekte aus den Sammlungen. Anders als der Geruch der in den Tee getauchten Madeleine, den Marcel Proust in seinem Auf der Suche nach der verlorenen Zeit beschreibt, hat sich der Resopalgeruch bei mir zwar auch eingeprägt, jedoch ohne dass dieses Geruchserlebnis jetzt Anlass zu sentimentaler Rückschau böte. Wien in den 1970er Jahren und das Österreichische Museum für angewandte Kunst waren für mich geprägt vom Grau und diesem speziellen Formaldehydgeruch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zur Neuaufstellung der Teppichsammlung

Das Datum der Eröffnung rückt näher, die Planung steht, die letzten Ungewissheiten sind beseitigt. Bleibt die Hoffnung, dass alles glatt geht.

© MAK

 

Die Neuaufstellung bedeutet einen riesigen Aufwand für die Textilabteilung. Im Vorfeld wurde die Textilrestaurierung verstärkt um einige der Teppiche für die Präsentation zu bearbeiten. Stücke wurden gewaschen, Altrestaurierungen beseitigt, Fehlstellen kaschiert, Klettbänder aufgenäht. Insgesamt sind während der Vorbereitungszeit fünf Restauratorinnen um das Wohlergehen der Teppiche bemüht.

© MAK

Der Platz ist knapp. Zudem werden die kuratorischen Konzepte überdacht, verworfen, ergänzt. Texte werden verfasst, lektoriert, verändert und schließlich gedruckt. Sitzungen, Meetings, Begehungen. Einerseits kommt es zu unerwarteten Verzögerungen, andererseits lösen sich manche Probleme von selbst; die Arbeit bleibt dennoch ein Kampf gegen die Zeit. Bei all der Betriebsamkeit hört man auf, die Überstunden zu zählen. Diese spannende Zeit der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Teppich erlebt jeder Mitarbeiter der Sammlung anders, gemein ist uns der Enthusiasmus für das Projekt.

 

Zukunft mit Vergangenheit. Das MAK im 150. Jahr


© MAK

Von seinen Gründungsintentionen her war das 1863 initiierte k. k. Österreichische Museum für Kunst und Industrie eine Institution, die auf Innovation ausgerichtet war. Kritik an bestehenden Kunstmuseen im 19. Jahrhundert ebenso wie Forderungen, auch die Herstellungsverfahren der Ausstellungsstücke in den Museen angemessen zu berücksichtigen, führten zu neuen Ideen für eine angemessene museale Präsentation von Erzeugnissen der angewandten Kunst.

Gottfried Semper entwickelt im Jahr 1852 seinen „Idealplan“ für ein fiktives „metallotechnisches“ Museum. Semper projektierte nicht weniger als ein universelles Museum, dessen „historisch, ethnografisch und technologisch“ geordnete Sammlungen einen „Längsschnitt, Querschnitt und Grundriss“ durch die gesamte Kulturwissenschaft geben sollten. 150 Jahre Sammeln, Dokumentieren, Ausstellen bilden auch einen Wandel des Objektwertes in allen Dimensionen des Wortes „Wert“ ab. Die Sammlungen des MAK sind kultureller Beleg dieses Wandels. Auch als im Museum im wissenschaftlichen Bereich Beschäftigter macht man und denkt man diesen Wandel mit. Im besten Fall ist man Teil der Veränderung, im schlechtesten Fall wird man verändert. In jedem Fall wünschenswert ist das MAK als lebendige Institution im Austausch mit seinen BesucherInnen und NutzerInnen. Die Hausgeschichte des MAK ist auch Objekt- und Ideengeschichte, und es liegt an uns, die Objekte und die dahinterstehenden Ideen den BesucherInnen näherzubringen, die uns faszinieren. Keine Zukunft ohne Kenntnis der Vergangenheit. [RF]

 

 

Kurzinterview mit Johannes Wieninger, Kustode MAK-Sammlung Asien

Anlässlich der Neuaufstellung der MAK-Schausammlung ASIEN. China – Japan – Koreahaben wir mit Johannes Wieninger, dem Kustoden der Asien-Sammlung des MAK, gesprochen:

© MAK

 

Beschreiben Sie in fünf Stichworten die neue MAK-Schausammlung Asien!
• Die Sammlung ist Teil einer künstlerischen Arbeit.
• Tageslicht.
• Ein einmaliges Raumerlebnis, auf das man sich einlassen muss.
• Grafische Arbeiten sind in die Dauerausstellung integriert.
• Holz und Glas sind die einzigen verwendeten Materialien.

Wie kann man sich die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Tadashi Kawamata im Zuge der Neugestaltung vorstellen?
Wir haben Kawamata angesprochen und er hat zugesagt. Da er im letzten Jahr sehr viele Projekte verwirklicht hat, war es keine kontinuierliche Diskussion. Wir haben einander in Paris und Wien mehrmals getroffen, und praktisch ab der ersten Skizze Ideen entwickelt. Kawamata hat seine Raumidee zur Diskussion gestellt, als Antwort habe ich ein inhaltliches Konzept formuliert. Es war also ein Prozess, Idee und Konzept wurden in E-Mails kommuniziert und bei persönlichen Begegnungen konkretisiert.

Wie viel Zeit benötigt die Vorbereitung eines Projekts dieser Größenordnung?
Eineinhalb Jahre.

Was gefällt Ihnen persönlich am besten an der Neugestaltung?
Die Zusammenarbeit mit Künstlern habe ich seit 2009 laufend praktiziert – erstmals im Rahmen der Ausstellung CHAWAN. Teeschalen, damals hat Heinz Frank einige seiner Objekte präsentiert.
Mit Tadashi Kawamata verlassen wir die Stufe der „Parallelaktionen“, die Sammlungspräsentation wird mit der Arbeit des Künstlers verschmelzen. Das stellt eine neue Qualität für beide dar – für die MAK-Sammlung wie auch für Kawamata.
Möglicherweise werden einige BesucherInnen, solche, die vor allem traditionelle Aufstellungen bevorzugen, enttäuscht sein – dann wird es an uns liegen, ihnen dieses Konzept näherzubringen. Es ist eine Herausforderung für die Kunstvermittlung, es wird möglicherweise auch Diskussionen geben, wie man mit einer musealen Sammlung umgehen soll.

Am 19. Februar gibt es im Anschluss an den Vortrag von Tadashi Kawamata noch ein Q&A mit Tadashi Kawamata und Johannes Wieninger.
Der Vortrag wird live gestreamt, Fragen können via twitter (#askkawamata) und über unsere Facebookpage eingesendet werden.

16/12 EXPOSITUREN UND MAK NITE©

MAK-Gegenwartskunstdepot Gefechtsturm Arenbergpark, Wien; Geymüllerschlössel, Wien; Josef Hoffmann Museum, Brtnice; MAK Center for Art and Architecture, Los Angeles

MAK-Gegenwartskunstdepot Gefechtsturm Arenbergpark, Wien; Geymüllerschlössel, Wien; Josef Hoffmann Museum, Brtnice; MAK Center for Art and Architecture, Los Angeles

Exposituren und MAK NITE©
(MAK-Tower, Gefechtsturm Arenbergpark und MAK-Expositur Geymüllerschlössel, beide Wien; MAK Center for Art and Architecture, Los Angeles; Josef Hoffmann Museum, Brtnice Weiterlesen