Stuhl oder Sessel? Semotan sagt Strandkorb.

Johannes Semotan, Mitarbeiter bei der Datenbank für die Sammlung Möbel und Holzarbeiten des MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, erzählt von seiner Arbeit und stellt uns sein Lieblingsobjekt vor.

Seit Anfang 2013 wird, finanziert vom Bundeskanzleramt, Abteilung Kunst und Kultur, im MAK in einem Team von 13 Personen an einer neuen Datenbank gearbeitet. Damit werden die Objekte der MAK-Sammlung neu aufbereitet und durch die detaillierte Erfassung zeitgemäß für Forschung und Öffentlichkeit online bereitgestellt.

Gründe für eine neue Datenbank:

  • Sowohl für die Forschung als auch für die interessierte Öffentlichkeit ein schneller und einfacher Zugang zur MAK-Sammlung,
  • Sichtbarmachen der Objekte in den Depots und Transparenz für die Öffentlichkeit,
  • Erleichterung interner Abläufe durch den direkten Zugang zum MAK-Sammlungsbestand,
  • internationale Vernetzung mit anderen Museen über Links zu vergleichbaren Objekten.

Für jeden Sammlungsbereich gibt es eigens zuständige MitarbeiterInnen wie Johannes Semotan. Sie beschäftigen sich intensiv mit den einzelnen Objekten der Sammlung und bestimmen deren Materialien. Semotans Aufmerksamkeit fiel dabei  auf ein Fundstück für unsere Rubrik – einen Strandkorb der Firma Prag-Rudniker Korbwaren-Fabrication, dessen Herstellungsdatum leider nicht mehr ermittelt werden kann.

Datenbank

Passend zum heißen Sommer und der Sehnsucht nach einer kühlen Brise zeigt uns Semotan einen Strandkorb, wie man ihn von der Nord- und Ostsee kennt. Semotan selbst erinnert er an Urlaube in Polen und Hamburg. Dieser ausgesuchte Strandkorb ist der einzige seiner Art in der MAK-Sammlung und auch deshalb etwas Besonderes, weil bisher nicht nachvollziehbar ist, ob das Möbel tatsächlich zum Verweilen am Strand oder doch im Garten auf Sommerfrische genutzt worden ist.

Die Firma Prag-Rudniker Korbwaren-Fabrication zählt zu den traditionsreichen Firmen wie Thonet und J. & J. Kohn in Wien um 1900. Die außergewöhnlichen Möbelstücke dieser Fabrik sind das Ergebnis der Zusammenarbeit mit namhaften Architekten im Umfeld der Wiener Werkstätte. Ab 1886 wurde in der Mariahilfer Straße 25 produziert – im Anschluss in der Neubaugasse 56. Von 1900 bis in die 1960er Jahre wurde in der Mariahilfer Straße 1a im 6. Wiener Gemeindebezirk verkauft.

Nicht zuletzt stellt sich im Zusammenhang mit der Datenbankerfassung die Frage: Sessel oder Stuhl? Denn wie allgemein bekannt, sind sich ÖsterreicherInnen und Deutsche in diesem Punkt uneinig. Um also die Suche in der Datenbank für den gesamten deutschsprachigen Raum möglich zu machen, ist in der Folge eine intensive Zusammenarbeit der MitarbeiterInnen der unterschiedliche Abteilungen, aus Deutschland wie aus Österreich, notwendig. So sind erweiterte Kategorien wie Armlehnsessel und Armlehnstuhl entstanden.

Johannes Semotan und der Strandkorb


Johannes Semotan ist Kunsthistoriker und war zuvor in der Inventarisierung beim Land Niederösterreich sowie 2013 als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim niederösterreichischen Landesmuseum beschäftigt. Als Sohn einer Tischlerfamilie begleitet ihn von je her das Interesse für Möbel und Holzarbeiten.

Ein Beitrag von Sara Alavi Kia für die Abteilung Neue Lernkonzepte.

Credits Fotos:
© MAK
© Nathan Murrell

Valentin Ruhry – Bitcoin und Instagram


Valentin Ruhry in der Ausstellung, 2014
© MAK/Marlies Wirth

Valentin Ruhry ist bekannt für seine minimalistischen Skulpturen und seine absolute formale Konsequenz. Er versteht sich als Bildhauer mit recherchebasiertem, konzeptuellem Approach. Oft arbeitet der Künstler mit dem Medium Licht als Material, bzw. untersucht Alltagsobjekte auf ihre physikalisch messbaren Eigenschaften (wie Spannung, Reibung, etc.). Valentin (*1982 in Graz) studierte Bildhauerei bei Erwin Wurm an der Wiener Angewandten und am National College of the Arts in Oslo, Norwegen.

Bei einem mehrmonatigen Aufenthalt in den USA im Vorfeld der MAK-Ausstellung vertiefte der Künstler seine Recherchen zu dezentralen Märkten und alternativen Währungen, und dem „neuen“ Kunstmarkt, der auf sozialen Netzwerken wie Instagram über digitale Emotion getriggert wird. Bereits Anfang des Jahres hatte er gemeinsam mit dem Künstler Andy Boot ein Projekt gestartet, das sich im Kontext der Cyberwelt mit dem Kunstmarkt beschäftigt: Auf der Plattform www.cointemporary.com bieten Ruhry und Boot Arbeiten anderer Künstler unterschiedlicher Generationen zum Verkauf an. Bezahlt werden soll in der alternativen Währung Bitcoin, mit dem Ziel eine kritische Hinterfragung des faktischen Marktwerts von Kunstwerken anzukurbeln.

„Das Internet ist technisch gesehen eine dezentrale Infrastruktur, die sich jedoch durch die Omnipräsenz und das Zusammenwirken globaler Unternehmen immer mehr zu einer digitalen Diktatur entwickelt.“, sagt Valentin, der sich im Kontext mit der MAK-Ausstellung für wirtschaftsökonomische Grundlagen interessiert und u.a. auf den österreichischen Ökonomen Joseph Schumpeter (1883–1950) verweist.

Dabei gibt es auch eine Verbindung zu Marshall McLuhan, der in seinem Buch The Global Village das World Wide Web fast dreißig Jahre bevor es erfunden wurde als „weltumspannende Dorfgemeinschaft“ prophezeite. Die „digitale Diktatur“ findet sich auch in Dave Eggers The Circle (2013) wieder, wo das Prinzip Sharing is Caring in die totale Transparenz umkippt.

Am Donnerstag, 20. November um 17 Uhr sprechen Valentin Ruhry und MAK-Kuratorin Marlies Wirth in der Ausstellung über das Internet, Apple, und die Folgen!

 

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twittert mit uns über die Ausstellung: @MAKwien
zeigt uns eure Fotos auf instagram: @MAK_vienna
#ValentinRuhry

 

 

 

App-Stories #2: Eintauchen in die MAK-App und ihre Features

 

Authentische Einblicke durch Videos, persönliche Audiokommentare von KuratorInnen, SammlungsleiterInnen und RestauratorInnen des MAK, greifbare Kontexte durch Originalfotos, Schnappschüsse von BesucherInnen und Comics internationaler ZeichnerInnen – das und mehr bietet ab 16.9. die neue MAK-App für Tablets. Fürs Erste tauche ich in das Feature „entdecken“ ein:

 

Eine Seite, die mit Schränken, Tassen, Vasen, Stühlen, Tischen, Kissen, Gläsern, Büchern möbliert ist. Dazwischen vereinzelte Verben – „schreiben“, „lieben“, „feiern“ und viele andere begegnen mir. Aber Vorsicht: Besser, ich gewöhne mich nicht an diesen Anblick, denn die Seite wird nie wieder so aussehen, wie ich sie jetzt vor mir sehe – sie baut sich stets aufs Neue auf, zeigt sich mir laufend in neuem Kleid, mit neuen Nachbarschaften von Gegenständen und Verben.

Ich lasse mich von einem Gegenstand zum nächsten treiben und nehme ersten Kontakt mit den Gegenständen, die die MAK-Schausammlung Wien 1900. Design / Kunstgewerbe 1890­–1938 bevölkern, auf. Ich grabe tiefer und finde mehr über einen einzelnen Gegenstand heraus: Ich entscheide mich für einen Schrank und höre einen Audio-Beitrag, der von seinen ursprünglichen BesitzerInnen erzählt, sehe ein Video, das mir einen Blick in sein Inneres ermöglicht, oder ich entdecke Fotos des früheren Aufstellungsortes. Ich tauche immer tiefer in die Welt der angewandten Kunst ein, tippe ein Verb an und stocke. Was hat „weinen“ mit einem Schrank zu tun?

Sich überraschen lassen und ab 16.9. die MAK-App downloaden!

 

von Beate Lex, Leitung Neue Lernkonzepte, MAK

 

Incertitudes – EXEMPLARY: 150 Years of the MAK – from Arts and Crafts to Design

The exhibition EXEMPLARY: 150 Years of the MAK – from Arts and Crafts to Design sparks an inspired and inspiring confrontation between the long-standing history of the MAK collection and contemporary design avant-garde. Tying in with EXEMPLARY’s unique presentation, nine internationally acclaimed design mavens participated in an experiment exploring the significance of the MAK collection as both a source of inspiration and a venue for envisaging everyday life in the future.

Ying Gao, Interactive garments, Incertitudes, CA, 2013, Plastic, sewing needles, electrical components

 

Ying Gao is the creator of one of these “exemplary” projects: for Incertitudes she uses acoustic sensors in outfits which react to voices and sound with movement. The movement is generated electromechanically via a double layer of fabric and creates an aesthetic that is equally reminiscent of art, fashion, and technology.

 

Visitors of the exhibition are invited to use the online participation platform to comment on and contribute to this unique exemplary collection.

Sporty Supaheroe Jacket – EXEMPLARY: 150 Years of the MAK – from Arts and Crafts to Design

To mark the museum’s jubilee, the MAK presents an inspiring juxtaposition between the tradition-steeped MAK collection and contemporary avant-garde design. Divided into nine areas, the exhibition reveals changing perspectives between defining moments of the MAK’s history—which are told through the actions of influential protagonists close to the museum—and future topics in 21st century design that will prove pivotal for the museum. In so doing, the exhibition depicts the evolution of the MAK from a promotional and educational institution for Austrian arts and crafts to an internationally outstanding forum for applied arts, design, architecture, and contemporary art.

Nine globally renowned design pioneers have agreed to participate in an experiment to investigate the significance of a model exemplary collection as a source of inspiration, which was the original motivation for founding the museum. Faced with selected design examples, they will sketch out possible future subject areas and enhancements for the unique MAK collection.

 

Wolfgang Langeder, Bike Jacket, Sporty Supaheroe Jacket, AT, 2013, Cotton, polyurethane, copper, LED, electronic components © Utope / Foto: Elisabeth Grebe

 

One crucial design for this exhibition is this Wolfgang Langeder’s high-tech cycling jacket that contains a wearable electronic system which is attached to the inside of the garment. Stretchy polyurethane circuits with numerous LEDs are intended to guarantee visibility and safety in traffic. Additional technical components – such as sensors that react to movement and change of direction – further enhance the effect.

Visitors of the exhibition are invited to use the online participation platform to comment on and contribute to this unique exemplary collection.

 

 

 

 


 

Curatorial Guided Tours through the exhibition EXEMPLARY: 150 Years of the MAK – From Arts and Crafts to Design
Thu, 10.7.2014, 5 p.m.
Sat, 27.9.2014, 11 a.m.
with Tulga Beyerle, Director of the Kunstgewerbemuseum [Museum of Decorative Arts] in Dresden

Wed, 17.9.2014, 5 p.m.
with Thomas Geisler, Curator, MAK Design Collection