DIE NOH-MASKEN VON HIDETA KITAZAWA

Am 24.11.2015 besuchte der japanische Schnitzkünstler Hideta Kitazawa das MAK FORUM und sprach dort – simultan ins Deutsche übersetzt – über die Geschichte der japanischen Masken und ihre Verwendung im traditionellen Noh-Theater. Kitazawa führte den BesucherInnen anschließend die ersten Schritte der Herstellung einer Noh-Maske vor. 

Hideta Kitazawa wurde 1968 in Tokio geboren, studierte Forstwirtschaft an der Tokyo University of Agriculture and Technology und widmete sich ab 1991 intensiv der Ausbildung zum Holzschnitzer bei seinem Vater Ikkyo Kitazawa. Im Jahr 1993 begann er unter der Anleitung des Maskenkünstlers Michihiko Ito mit dem Schnitzen von Noh-Masken.

Das 600 Jahre alte Noh-Theater ist eine japanische Unterhaltungskunstform, die zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe zählt. Charakteristisch dafür sind die Masken und schweren Gewänder, die den SchauspielerInnen eine außergewöhnliche Präsenz verleihen.

An der Rückwand der überdachten Bühne eines Noh-Theaters sind meist japanische Föhren zu sehen. Die restliche Dekoration ist sehr schlicht gehalten.

Diese traditionelle Ko-omote-Maske, die eine Frau von hohem Stand zeigt, lässt uns erahnen, wie das Schönheitsideal vor 600 Jahren ausgesehen haben könnte.

Noh-Theaterstücke haben sehr ernste Themen und werden in der Regel von sogenannten Kyogen – komödiantischen Stücken – begleitet. Kitazawas Masken finden bei Noh- und Kyogen-SchauspielerInnen in Japan, aber auch im Ausland Verwendung und wurden bereits weltweit in Ausstellungen präsentiert. Die Herstellung der Masken folgt strengen Regeln: Heute noch werden die Masken gemäß der Rollen, die sich in den letzten 600 Jahren kaum verändert haben, hergestellt.

Bei der Herstellung von Kyogen-Masken haben die Schnitzkünstler mehr Gestaltungsfreiheit als bei Noh-Masken: Die Kyogen-Maske (links) wirkt im Gegensatz zur Ko-omote-Maske (rechts) überzeichnet, grotesk.

Einige Noh-Masken sind schon seit mehr als 200 Jahren in Verwendung; ihnen wird besonders viel Bedeutung beigemessen: Bevor die SchauspielerInnen die Masken aufsetzen, halten sie kurz inne und bedanken sich. Eine bedeutende Aufgabe von Kitazawa ist daher die Restaurierung alter, beschädigter Masken.

Masken mit vergoldeten Zähnen oder Augen werden im Noh-Theater eingesetzt, um Ungeheuer, Dämonen oder Geister darzustellen – hier wird eine weibliche Gestalt mit Hörnern, die Eifersucht symbolisieren, gezeigt.

Kitazawa fertigt zumeist eine Schablone von der Vorder- und Seitenansicht der Maske an. Im MAK FORUM übertrug er die Umrisse der Maske auf einen Holzblock. Danach schnitt er mit einer japanischen Säge den Block im Abstand von ungefähr zwei Zentimetern bis zu den markanten Stellen der Umrisse ein und schlug das Holz mit einem meißelartigen Werkzeug, dem sogenannten Beitel, aus. Für die Herstellung der Masken wird fast ausschließlich das angenehm duftende, feinporige und leichte Holz der japanischen Zypresse (Kurobe oder Nezuko) aus dem Kiso-Tal verwendet.

Hideta Kitazawa arbeitet im Sitzen und trägt rutschfeste japanische Arbeitssocken, die den großen Zeh extra umfassen. Hier lässt sich bereits erahnen, wie aus dem Holzblock eine Maske entsteht. Die gesamte Herstellung einer Noh-Maske dauert etwa drei Wochen.

Nach der Bearbeitung des Holzblocks wird die Maske mit gefärbtem Leim überzogen und ihre Oberfläche geschliffen – dieser Prozess wird 50- bis 60-mal wiederholt, anschließend wird die Maske mit einem Tuch aus reiner Seide poliert. Durch ein sehr feines Sieb wird dann etwas dunkle Farbe aufgetupft. Durch diese Herstellungsschritte wirkt eine Noh-Maske, als wäre sie bereits seit Jahrhunderten in Verwendung.

Ein Beitrag von Agnes Micko, Praktikantin der Abteilung Kommunikation und Marketing

Auf den Spuren von Frauen in der angewandten Kunst

Im Rahmen des Internationalen Mädchentags wurde am 11. Oktober 2015 eine Spezialführung für interessierte Mädchen durch das MAK DESIGN LABOR und die MAK-Schausammlung Wien 1900 angeboten. MAK-Kunstvermittlerin Laura Wagner begab sich mit den Teilnehmerinnen auf Spurensuche nach Künstlerinnen in der angewandten Kunst – darunter zeitgenössische Designerinnen wie Annika Frye (* 1985) und Pionierinnen der angewandten Kunst wie Birgit Jürgenssen (1949–2003), Adele List (1893–1983), Margaret Macdonald Mackintosh (1864–1933), Rosa Krenn (1884–1970) und Margarete Schütte-Lihotzky (1897–2000).

Ein besonders interessantes Objekt entdeckten die Mädchen in der MAK-Schausammlung Wien 1900: einen Zierschrank aus dem Jahr 1912. Dieser wurde für die Frühjahrsausstellung 1912 des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie (heute MAK) von der wenig bekannten und noch unerforschten Künstlerin Rosa Krenn entworfen. Rosa Krenn, geboren 1884 in St. Martin in der Steiermark, studierte zunächst an der Kunstgewerbeschule in Prag und von 1909 bis 1913 – ab 1911 bei Josef Hoffmann – an der Kunstgewerbeschule in Wien. Sie starb 1970 in Innsbruck.

Das Besondere an diesem Möbelstück ist nicht nur das auffällige, beinahe exotische Blattdekor des Schranks, das einen Kontrast zum quer furnierten Untergestell bildet, sondern vor allem die Tatsache, dass es von einer Frau gestaltet wurde. Um 1900 war Möbeldesign ein männerdominiertes Metier. Die Studentinnen der Kunstgewerbeschule waren vorwiegend in den Bereichen Keramik, Glas und Textilien tätig. Zu dieser Zeit wurde der Wunsch von Frauen nach Selbstbestimmung immer lauter. Weibliche Kreative und Intellektuelle meldeten sich zu Wort und legten so den Grundstein für die rechtliche Gleichstellung von Frauen in Österreich. Obwohl so wenig über Rosa Krenn bekannt ist, kann sie als Pionierin der Frauenbewegung gelten: Ihr Zierschrank ist eines der seltenen Beispiele für ein von einer Frau entworfenes Möbelstück.

Tipp: Die multimediale Tablet-App zur MAK-Schausammlung Wien 1900 gibt weitere Informationen und einen – wortwörtlichen – Einblick in den Zierschrank von Rosa Krenn: In einem Video kann das spannende Innenleben dieses sonst verschlossenen Möbelstücks betrachtet werden. Die App kann gratis auf das eigene Apple- oder Android-Tablet im iTunes Store sowie im Google Play Store heruntergeladen oder auf einem Leihgerät an der MAK-Kassa genutzt werden.

Ein Beitrag von Angelika Starkl, Praktikantin der Abteilung Kommunikation und Marketing

Ephemere Zeitlichkeiten: Unaufhörliche Repetition – ein Projekt von Bianca Gamser

Das future.lab der TU Wien entwickelte für die Ausstellung 2051: Smart Life in the City im Rahmen der VIENNA BIENNALE diverse Projekte, die sich mit dem Straßenraum in Wien auseinandersetzten. Das Projekt Ephemere Zeitlichkeiten ist ein Versuch, die vergangene und mögliche zukünftige Nutzung von Straßen mittels Projektionen aufzuzeigen.

Projekttext von Bianca Gamser:
Ephemere Zeitlichkeiten sind Appropriationen, sind analoge Collage, sind imperfekt, sind Maschine und Ironie, sind unaufhörliche Repetition! Sie sind eine Serie von ortsspezifischen Arbeiten, die sich Ecke Lindengasse/Stiftgasse im 7. Bezirk in Wien über den Sommer entwickelt und sich der Mittel der Appropriationskunst bedient haben. Darüber hinaus sind sie eine neue Form von Erinnerungskultur. Das Scheitern und die Unwiederbringlichkeit des einst Vorhandenen, die Alltäglichkeit des Jetzt sowie die Zweifel hinsichtlich der Zukunft wurden in eine ästhetische Form überführt. Das schien passend, schlussendlich sind „Magie, Tod und Irrsinn einander nirgends näher als in dieser Stadt“. (Günther Feuerstein)

Teilnehmende KünstlerInnen: Ines Fritz, Barbara Fussi, Marlene Fussi, Mario Gamser, Juraj Hariš, Charlotte Heller, Isabella Klebinger, Ulrike Königshofer, Sebastian Leitinger, Marie-Therese Mitteregger, Loïc Olmedo, Max Utech, Mato Vincetic, Martin Wild

Bianca Gamser, geboren 1984, ist Kunsthistorikerin und Studentin der Architektur. Ihre Arbeiten siedeln sich primär im Schnittbereich jener beiden Disziplinen an, sind stark persönlich geprägt, zeigen sich performativ-installativ und nehmen gerne Bezug auf Gamsers Lebens- und Arbeitsmittelpunkt Wien.

Ein Beitrag von Hannah Varga (Assistenz, MAK-Sammlung Design)
Projekttext und Foto: Bianca Gamser, 2015

F 1033 – Die sprechende Amputationssäge

Julia Reuckl, Datenbank-Mitarbeiterin der MAK-Sammlung Metall und Wiener Werkstätte-Archiv, stellt uns eine Amputationssäge aus dem späten 16. Jahrhundert vor und erzählt von der Schönheit chirurgischer Instrumente.

Künstlerisch gestaltete Amputationssägen gelten als ambivalente Sammlungs- und Ausstellungsobjekte, da sie zwei Betrachtungsweisen vereinen: einerseits eine Bewunderung für die handwerkliche Meisterleistung, andererseits eine gewisse Ehrfurcht vor dem Zweck des Objekts. Aufgrund der reichen Verzierung – profilierter Holzgriff, Ätzarbeiten an Halter und Bogen und kleine bronzene Maskenverzierungen (Bronzemaskerons) am Ende des Bogens – stellt die Amputationssäge innerhalb des Bestands chirurgischer Instrumente der MAK-Sammlung eine Besonderheit dar.

Der Gesamtbestand der MAK-Sammlung Metall umfasst etwa 12 000 Objekte, zu den Sammlungsschwerpunkten zählen unter anderem Schmuck sowie Objekte der Wiener Werkstätte. Die meisten Gegenstände sind historisch und wurden im europäischen Kulturraum hergestellt, doch auch zeitgenössische Werke werden in die Sammlung aufgenommen – in den letzten Jahren insbesondere Bestecke italienischer DesignerInnen sowie zeitgenössischer Schmuck.

Die Amputationssäge zählt zu den etwa 1 000 Metallarbeiten, die der kunstgewerblichen Sammlung Dr. Albert Figdors entstammen, einer der bedeutendsten Wiener Privatsammlungen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg; sie enthält kunstgewerbliche Objekte aus verschiedensten Materialien. Ein Teil der Sammlung Figdor gelangte Mitte der 1930er Jahre ins MAK und ist heute – je nach Materialart – auf die verschiedenen Sammlungen verteilt.

Ein erwähnenswertes Merkmal der Amputationssäge ist ihre Inschrift:

Grausam sichtt meine gestaltt herein
Mitt Angst Schmerzen und grosser Beinn
Wenn nur das Werk ist alss volennd
Mein Schmerzen sich in Freide wend.

Zur damaligen Zeit waren Amputationen äußerst schmerzlich und wurden meist ohne Schmerzmittel durchgeführt. Daher war es lediglich die Erfahrung und Arbeitsgeschwindigkeit des Chirurgen, die die Qual linderte. Hierfür war das richtige Instrumentarium von großer Wichtigkeit. So gab es Amputationssägen in den unterschiedlichsten Größen, entsprechend den verschiedenen Gliedmaßen. Das vorliegende Exemplar F 1033 ist besonders groß und weist daher auf die Verwendung für Oberschenkelamputationen hin, die durch den enormen Blutverlust als besonders gefährlich galten. Doch trotz dieser Schreckensbilder waren Amputationen teilweise lebensrettend, wie die Inschrift auf der Säge besagt.

Das Objekt ist bis zum heutigen Tage in einem bemerkenswert guten Zustand; ob sie jemals praktische Anwendung gefunden hat, kann allerdings nicht mehr festgestellt werden. Zuletzt wurde die Amputationssäge 2002 im Rahmen der Ausstellung Welt – Macht – Geist. Das Haus Habsburg und die Oberlausitz 1526–1635 in den Städtischen Museen Zittau der Öffentlichkeit gezeigt. Bald ist sie auch in der Datenbank des MAK online zu bewundern.

Julia Reuckl ist klassische Archäologin und Kunsthistorikerin. Sie arbeitete bereits bei mehreren Ausgrabungen in Österreich und der Türkei. Seit 2012 ist sie für die Datenbankerfassung im MAK tätig.

Ein Beitrag von Sara Alavi Kia für die Abteilung Neue Lernkonzepte

Foto © MAK/Nathan Murrell

 

Die Kunst zu arbeiten – ein Manifest für die Jugend?

Ein Radiobeitrag, entstanden im Rahmen einer Kooperation des MAK mit der Landesschülervertretung Wien und Radio Orange 94.0/Stadtradio Orange.

Als Herzstück der Programmatik der VIENNA BIENNALE 2015: IDEAS FOR CHANGE ist ein Manifest über die Zukunft der Arbeit entstanden. Kern der Überlegungen war die Frage, inwiefern sich unser Leben mit zunehmender Digitalisierung verändern wird. Digitale Intelligenz, Robotik, Big Data oder das „Internet der Dinge“ bergen zwar enorme Potenziale, aber auch die Gefahr, dass sich der Mensch dem Diktat digitaler Maschinen unterwirft.

Ob das Manifest auch Jugendliche inspiriert oder eher auf Kritik stößt, haben wir in mehreren offenen Gesprächsrunden im MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst mit der Landesschülervertretung Wien diskutiert. Der Radiobeitrag ist der vorläufige Abschluss einer Kooperation mit Radio Orange 94.0/Stadtradio Orange, im Zuge derer während der Biennale Workshops zu Mobile Reporting angeboten wurden.